Angermünde – ein architektonisches Schmuckstück in der Uckermark

Knapp 30 Jahre ist es her, dass ich das erste Mal in Angermünde war. In meiner Erinnerung war es eine graue Stadt, nicht am Meer, sondern in der Uckermark. Ich bin jetzt freudig überrascht, eine blitzsaubere Stadt mit restaurierten Fachwerkhäusern vorzufinden.

Angermünde liegt ca. 80 km nordöstlich von Berlin. Wie viele andere Ortschaften Brandenburgs ist auch Angermünde im 12. Jahrhundert im Zuge der Christianisierung der slawischen Gebiete am Kreuzungspunkt von Handelsstraßen entstanden. Über die Jahrtausende hat sie viel durchgemacht und Veränderung erlebt. Einmal jedoch hatte sie viel Glück. Am 27. April 1945 machten sich der Bäckermeister Miers und der Juwelier Nölte auf den Weg zu den Stellungen der heranrückenden Roten Armee und übergaben die Stadt. Dadurch wurde die Zerstörung der Stadt verhindert und von dieser „Heldentat“ profitiert sie noch heute.

Bei strahlendem Sonnenschein mache ich mich auf den Weg, diese Stadt zu erorbern. Nach der Ankunft am Bahnhof gehe ich zunächst zur Tourist-Info und lasse mir von der freundlichen Angestellten den Flyer für den „stillen Rundgang“ geben. Auf dem Weg dorthin, fotografiere ich schon mal das eine oder andere Motiv.

Begeistert bin ich von der Rosenstraße mit ihren Fachwerkhäuser. An besonderen Objekten hängen rote Emaile-Schilder mit Erläuterungen. Das Schild an der Bäckerei Schreiber erinnert an Bäckermeister Miers. Ein freundlicher Herr im fortgeschrittenen Alter macht mich auf die Historie aufmerksam und erzählt aus seinem Leben. Ein wichtiger Teil war sein Einsatz in den 1970er und 80er Jahren an der Druschba-Trasse in der Sowjetunion. Mein leider schon verstorbener Freund hatte detailliert von seinen Erfahrungen an der Trasse erzählt.

Mit dem Flyer des „stillen Stadtrundgangs“ in der Hand komme ich zum 1699 auf den Fundamenten eines gotischen Vorgängers errichtete Rathaus mit Barocker Fassade. Es innert mich ein wenig an Templins Rathaus.

Ratlos stehe ich vor dem hölzernen Pferd auf der rechten Seite vor dem Rathaus. Was will mir der Künstler hiermit sagen? Ein Blick in den Flyer bringt Erleuchtung. Es handelt sich um die Nachbildung des Prangeresels, geschaffen vom Holzkünstler Karl Rätsch. 1713 ließ der Magistrat einen Pranger aufstellen, auf den sich Betrüger und Fälscher zur Strafe setzen mussten. Der Prangeresel war letztmalig am 07. April 1851 im Einsatz.

Auf dem Marktplatz springt mir ein mehrteiliges Kunstwerk des Künstlers Christian Uhlig ins Auge. Das Zentrum der Installation bildet ein Boot, aus dessen löchrigen Seitenwänden Wasser fließt. Es soll an die wasserreiche Umgebung erinnern. Das zweite Element ist ein Mann und eine Frau, „Die Figuren“ genannt, die sich staunend auf dem Markt umschauen. Ergänzt wird die Installation durch einen Stuhl, belegt mit Dingen des täglichen Lebens; durch einen vergessenen Werkzeugkasten, eine in der Ofenecke liegende Katze sowie ein Fischbrett.

An der Ecke steht das angeblich am meisten fotografierte Gebäude der Stadt, das Stadtcafé „Hilde & Heins“ mit traditionellem Flair und lädt zum Verweilen ein. Zusammen mit dem Rathaus und dem Brunnen schließt es imposant den einen der zwei Marktplätze. Bevor ich wieder in den Zug nach Hause steige kehre ich auf einen Kaffee und eine Erdbeerschnitte hier ein.

Stadtcafé

Hinter dem Rathaus finde ich das von Wegebaumeister Grubitz im romanischen Stil errichtete ehemalige Gerichtsgebäude. In den Seitenflügeln befand sich bis 1964 das Gefängnis. Im Januar 1887 wurde Wilhelm Voigt auf der Poststelle Angemünde wegen Urkundenfälschung verhaftet und für einen Tag in eine der Zellen gesperrt. Wilhelm Voigt erlangte als „Hauptmann von Köpenick“ weltruhm. Seit 2001 ist hier die Polizeiwache untergebracht.

Mein Blick fällt auf einen imposanten Kirchenbau in einiger Entfernung.

Also nichts wie hin. Nach einigen Wegminuten stehe ich vor der mittelalterlichen Stadtpfarrkirche St. Marien, erbaut im 13. Jahrhundert aus Feldsteinquadern. Im 15. und 16. Jahrhundert erhielt sie durch backsteingotische An- und Umbauten ihr heutiges Aussehen. Sie zählt zu den bedeutensten Kirchen der Uckermark und zu den ältesten Gebäuden der Stadt.
Leider, wie so häufig, ist auch diese Kirche verschlossen. Aber was steht da? „Für eine Besichtigung oder eine stille Andacht melden Sie sich bitte im Pfarrhaus“. Natürlich möchte ich diese Kirche besichtigen und treffe auf einen freundlichen, Zigarette rauchenden Herren vor dem Pfarrhaus, der mir bereitwillig das Heiligtum öffnet.
Ich bin von der Wuchtigkeit des Kirchenraums, insbesondere von der Decke begeistert. Überzeugt Euch selbst.
Weitere Informationen erhaltet Ihr hier!

Weiter gehts die Berliner Straße in Richtung Mündesee hinunter. Bereits von Weitem fällt mir die bestimmende ehemalige Mälzerei ins Auge. „Die ehemalige Mälzerei verkörpert an einem herausstehenden Standort in seiner schlichten jedoch opulenten Bauart das dynamische Streben der gründerzeitlichen Lebensmittelindustrie in Angermünde.“ heißt es auf dere Homepage der Stadt Angermünde.
1899-1900 entstand auf dem ehemaligen Burggelände die ehemalige Brauerei mit der Mälzerei. Sie gehörte ursprünglich zur Schultheis-Brauerei und war bis zum 2. Weltkrieg noch in Betrieb. In den Jahren 2016-2017 wurde das Gebäude saniert und zum Wohnhaus umgestaltet.

Die ehemalige Grenzburg am Mündesee. In ihrem Schutze entstand die heutige Altstadt. Im 16. Jahrhundert verfiel die Burganlage und wurde 1576 verlassen. Die Bürger bedienten sich an den Steinen für den eigenen Hausbau. Heute sind nur noch Fragmente von der Burg vorhanden.

Wenn schon mal am See nehme ich auch gleich den Weg entlang des Wassers und besichtige die Findlingsskulpuren.

Am Seetor, dem kleinsten der 4 Stadttore, verlasse ich den Park am See. Es diente hauptsächlich den Bürgern als Durchgang zu den Wiesen und Weiden oder zum Fischen. Das Seetor ist im Stadtwappen verewigt.
Ich gehe entlang der Jägerstraße zum Scharfrichterhaus und St. Marienkirche im Osten der Stadt.


Das Scharfrichterhaus entstand vermutlich 1624 und ist somit das älteste Gebäude. Zu den eigentlichen Aufgaben des Scharfrichters gehörten die Folter, das an den Pranger stellen, das Steupen (das Schlagen am Pranger) und die Hinrichtung. Heute dient es als „normales“ Wohnhaus.

Gleich anschließend steht die im 16. Jahrhundert im neugotischen Stil erbaute Martinskirche. Hier gibt es leider keinen Hinweis auf Besichtigungsmöglichkeiten, also gehe ich weiter.

Über den Marktplatz geht es weiter zur Klosterkirche.

Die ehemalige Franziskaner Kloster-Kirche wurde im 13. Jahrhundert als Backsteinhallenkirche erbaut. Vom Kloster an der Stadtmauer ist leider nichts mehr zu sehen. Die Kirche wird heute als Kulturzentrum genutzt. Leider ist sie geschlossen.

Die Stadtmauer, erstmalig 1292 erwähnt, begleitet mich auf dem letzten Abschnitt meines Stadtrundgangs. Sie hatte eine ursprüngliche Höhe von 7 und eine Breite von 1 Meter. 4 Stadttore verbanden die Stadt mit dem Umland.
Zahlreiche kleine Befestigungstürme und Wieckhäuser dienten der Verteidigung. Von den ehemaligen Wehranlagen ist nicht mehr viel zu sehen.
Am Schluss gehe ich am Pulverturm im Friedenspark vorbei. Wie der Name schon sagt, diente er der Lagerung von Pulver. Aber auch als Kerker und Notquartier der Ärmsten diente der Turm. Heute beherbergt er eine Ausstellung zur Stadtgeschichte.

Mit diesen Fotos vom Bahnhof und voller neuer Eindrücke trete ich meine Heimreise an. Angermünde war eine Reise wert und ich werde sicherlich mal wieder kommen.

Die Bilder können durch anklicken vergrößert werden.

Ich bedanke mich bei den diversen Quellen für meine Texte. Hierzu zählen Wikipedia und die offiziellen Seiten der Stadt Angermünde. Ich hoffe, man sieht es mir nach.