Eigentlich war ein Ausflug nach Dessau geplant. Rechtzeitig sah ich, dass eine Teilstrecke wegen der Waldbrände gesperrt ist. Kurzentschlossen plane ich um und entschließe ich mich für Senftenberg in der Niederlausitz.
Die ersten Zeichen menschlichen Lebens reichen rund 3.000 Jahre zurück. Erste urkundliche Erwähnung dann im 13. Jh. Vielleicht kann sich ja der ein oder andere hieran erinnern. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts „fristete“ die Stadt ein Dasein als Fischer- und Bauernstadt und war höchstens in der näheren Umgebung bekannt. Zumindest kannten wir Hamburger diesen Flecken nicht.
Mit der industriellen Revolution und der zunehmenden Bedeutung der Energie wurde die Region wachgeküsst und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Braunkohlereviere der DDR. Damals wuchs die Einwohnerzahl auf über 33.000.
In der heutigen Zeit meistert sie den Wandel von der ehemaligen Bergarbeiterstadt zur grünen Lunge der Lausitz. Die ehemaligen Tagebaue werden geflutet und zu einer einmaligen Seenlandschaft umgestaltet, in der Wassertourismus blüht (wie war das nochmal mit den blühenden Landschaften?). Seit September 2016 führt sie den Titel „Anerkannter Erholungsort“. Die Einwohnerzahl ist zwischenzeitlich auf rund 23.000 gefallen.
Mein Weg führt mich als erstes zum Marktplatz und damit zur Tourist-Info wo ich mir einen Stadtplan besorge. Von der netten Dame erhalte ich hilfreiche Hinweise.










Nächste Station ist der Kirchplatz mit der evangelischen Peter-Paul-Kirche, auch deutsche Kirche genannt.. Wie erwartet abgeschlossen. Von einem freundlichen Herrn, der vor vielen Jahren in der Kirche konfirmiert wurde, erhalte ich die ersten Informationen. Unter anderem erzählt er, dass vor sehr, sehr vielen Jahren die Gläubigen in Booten zum Gottesdienst kamen. Durch den Tagebau ist der Grundwasserspiegel extrem gefallen und heute können sie trockenen Fußes ihren Gott besuchen.
Der für mich nützlichere Rat ist, den Herrn Pfarrer Schwarz um Einlass zu bitten. Pfarrer Schwarz ließ sich nicht lange bitten und widmete mir eine ganze Stunde für ein überaus interessantes und lehrreiches Gespräch.
Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert im gotischen Stil errichtet und im 17. und 18. Jahrhundert umfassend renoviert. Hierbei wurden diverse Gegenstände eingelagert und später an das Kloster Dobrilugk verkauft. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in Schutt und Asche gelegt und in der Zeit 1951 bis 1958 wieder aufgebaut. Das prägende ist das prächtige Netzgewölbe.










Gebäude am Kirchplatz





Gleich um die Ecke befindet sich das Bürgerhaus Wendische Kirche. Die erste Wendische Kirche wurde im Jahr 1540 errichtet und dient den hier lebenden Wenden (alte Bezeichnung der Slawen) als Gotteshaus. Das heutige Gebäude wurde 1749 errichtet. Neben Gottesdiensten in Sorbischer Sprache dient das historische Gebäude als Begnungsstätte.



Ein absolutes Muß ist die Festungsanlage mit Schloß, in dem heute das Museum untergebracht ist. Im 16. Jahrhundert ließ August der Starke die Anlage auf den Fundamenten einer alten Burg zur Sicherung seiner Grenze zu Preußen errichten. Der Besuch lohnt sich.









Nach einer ausgiebigen Besichtigung der Ausstellungen zu den verschiedenen Epochen und Themen zieht es mich durch den Schloßpark bei sehr sommerlichen Temperaturen an den unweit gelegenen Senftenberger See.





Nachdem der Braunkohleabbau direkt vor den Toren eingestellt wurde entstand der See durch das Fluten von der Schwarzen Elster aus in der Zeit von 1967 bis 1972. Mit einer Wasserfläche von 1.300 Hektar gehört er zu den größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Von 2010 bis 2013 wurde ein Stadthafen gebaut. Von hier aus kann man Touren durch das Lausitzer Seeland machen.



Eigentlich will ich hier am See den Tag ganz entspannt und dem Blick auf den See mit einem kühlen Alsterwasser und einem Eisbecher ausklingen lassen. Leider ist der Kellner mehr an seiner reizenden Kollegin interessiert als sich um seine Gäste zu kümmern. Also stehe ich wieder auf und gehe zurück zum Markt und laß mich dort verwöhnen.
Es war ein abwechslungsreicher Sommertag, den ich nicht so schnell vergessen werde. Es gibt noch das eine oder andere, das ich mir zu einem späteren Zeitpunkt anschauen werde.
Tschüss und bis bald.

Beim Text halfen wieder Wikipedia und die ein oder andere Homepage. Die Fotos wurden, bis auf einen Fall, von mir aufgenommen.