Neustrelitz entstand im Gegensatz zu anderen Städten Mecklenburgs relativ spät. Erst 1733 beauftragte Großherzog Adolf Friedrich III von Mecklenburg Strelitz die Errichtung dieser Planstadt. Der Präfix deutet es an, es gab bereits eine Residenzstadt mit Namen Strelitz, die 1712 einem Stadtbrand zum Opfer fiel.
Das herzogliche Haus Strelitz war im Europäischen Adel gut vertreten. Die Prinzessin Sophie Charlotte war von 1761 bis 1818 britische Königin. Königin Luise von Preußen war die Gemahlin von Friedrich Wilhelm III und Mutter des späteren Kaisers Wilhelm I und der Ehefrau (Alexandra Fjodorowna) von Zar Nikolaus I.
Angesichts all dieser hochherrschaftlichen Personen ziehe ich mir meinen besten Rock an und lasse anspannen. Mit mehr als 10.000 Pferdestärken geht es nordwärts.

Bei bedecktem Himmel und dem Spaziergang förderlichen Temperaturen heißt mich die Residenzstadt mit dem Kunstwerk „Reisende aus einer anderen Zeit“ herzlich willkommen. In der Tat, sehen sie aus der Zeit gefallen aus.



Mein Spaziergang führt mich zunächst zur 1875 eingeweihten Katholischen Kirche am Beginn der Strelitzer Straße. Bei den an der Fassade sichtbaren Figuren handelt es sich um die Apostel Petrus und Bonifacius. Ich habe lange darüber nachgedacht, was uns der Künstler mit dem Gestell im Vordergrund sagen will?

Ich biege in die Strelitzer Straße ein und schlendere hinauf zum zentralen Marktplatz. Restaurierte Wohn- und Geschäftshäuser prägen das Straßenbild. Gleich rechts fällt ein gelbes Backsteingebäude im Stil englischer Gotik auf, die frühere Infanteriekaserne mit Reithalle.














Und schon stehe ich auf dem Marktplatz, von dem acht Straßen sternförmig abgehen. In Erinnerung an die im sogenannten großen Vaterländischen Krieg Gefallenen der Sowjetischen Armee stand hier nach dem Zweiten Weltkrieg ein übergroßes Ehrenmal. Von Neubrandenburg kommend fuhr man in den 1990er Jahren direkt darauf zu. Mit Abzug der auch in Neustrelitz in exponierter Lage stationierten Soldaten wurde das Ehrenmal im Jahre 1995 entfernt.



Neben dem Rathaus ist die 1778 vom Leibmedicus Verpoorten erbaute Stadtkirche prägend. Buttel errichtete 1831 den 45 Meter hohen Turm im toskanischen Stil, von dem man einen herrlichen Blick auf die Stadt hat.







Auf Empfehlung eines älteren Herren und seiner Ehefrau beginne ich den Aufstieg über einen erst in den 1930er Jahren geschaffenen, teilweise durchaus herausfordernden Zugang auf den 45 m hohen Turm. Im ersten Stock bietet die hier angesiedelte Bibliothek Gelegenheit zur ersten Verschnaufpause.


Außer Atem werde ich durch den wundervollen Ausblick über Neustrelitz und den Zierker See entschädigt.





Gleich hinter der Stadtkirche befindet sich die ehemalige „Großherzogliche, Höhere Mädchenschule“. 1831 / 1833 erbaut von …… natürlich von Buttel. Bis 1938 und nach dem Krieg bis zur Wende war es Schule, danach Bank- und Bürohaus.


Von hier aus führt mich mein Stadtrundgang die Zierker Straße zum Hafen am Zierker See hinunter. Die prägende Bebauung stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachfolgend einige herausstechende Beispiele.











Nach wenigen Schritten entlang der Hafenbahngleise gelange ich zum Stadthafen am Zierker See, angelegt 1841 bis 1846. Der Hafen mit den Backsteinspeichern war früher Umschlagplatz für Güter, danach stillgelegt und seit 2002 ein touristischer Wasserwanderrastplatz.









Dem Hafen gegenüber bewundere ich das Carolinenstift. Anfangs war es mit 60 Betten das erste große Krankenhaus der Stadt, 1860 gestiftet von Herzogin Caroline. 1905 und 1932 erweitert und nach der Großherzogin Augusta benannt. Nutzung als Krankenhaus bis 2010. Heute sind hinter der historischen Fassade Wohnungen entstanden, die sicherlich nicht unter das Stichtwort „bezahlbarer“ Wohnraum fallen. Im Carolinenstift starb der Komponist Engelbert Humperdinck.



Auf dem Kreisverkehr an der Seestraße bewundere ich eine Strelitzienskulptur aus Edelstahl des Metallgestalters René Winter. Ein Brite entdeckte 1773 die Pflanze in Afrika. Sie erhielt ihren Namen nach Strelitz, der Heimat der britischen Königin Sophie Charlotte, geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz und wurde so zur Stadtblume dieser Stadt.

Mein Weg führt mich entlang der Straße An der Prommenade. Auf der linken Seite, gegenüber der Orangerie sehe ich eine heruntergekommene weiße Villa. Es handelt sich um die frühere „Mecklenburg-Strelitzsche Hypothekenbank“, von 1899 bis 1993 als Bankgebäude genutzt. Zu DDR-Zeiten war hier der Sitz der Regionaldirektion der Staatsbank der DDR. Zum 01. Juli 1990 übernahm die Deutsche Bank das Gebäude. Ich kann mich noch an verschiedene Besuche in der Filiale erinnern.




Ich biege in die Schloßstraße und kehre zum Marktplatz zurück. Früher wohnten hier der Adel und die Hofbeamten.






Vom Marktplatz geht es dieses Mal rechts an der Stadtkirche vorbei in Richtung des Glambecker Sees.















Entlang des Glambecker Sees geht es vorbei am Gymnasium Carolinum (errichtet 1925, im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und danach bis 1993 als Offizierskasino der Roten Armee genutzt) und der 1999 erbauten Strelitzhalle. Dieser Teil der Stadt zusammen mit dem Villenviertel Adolf-Friedrich-Straße auf der gegenüberliegenden Seeseite war zwischen 1945 und 1993 den sowjetischen Offizieren vorberhalten. Den Neutrelitzern war der Zugang versagt.





Ich wende mich vom See ab und gehe zum Christian-Daniel-Rauch-Platz, der an den großen klassiszistischen Bildhauer des 19. Jahrundert erinnert. Den Platz ziert eine Figurengruppe „Glaube-Liebe-Hoffnung“ der Bildhauer Dorothea und Uwe Maroske. Dahinter befindet sich das 1910/1911 erbaute Lyzeum (heute evangelische Grundschule). Auch das 1910 erbaute repräsentative Wohnhaus mit seinen Jugendstilelementen weckt mein Interesse.










Die Elisabethstraße mit ihren ansehnlichen Bürgerhäusern, von denen noch einige erhalten geblieben sind, führt mich zurück zur Tiergartenstraße und damit zum „Schloßbezirk“.









Tiergartenstraße / Hertelstraße




Neustrelitzer Schloss / Schlosskirche
Von der Großherzoglichen Residenz sind leider nur noch wenige Gebäude erhalten. Das Schloss, erbaut in den Jahren 1726 – 1731, brannte Ende des Zweiten Weltkriegs aus und wurde 1949 abgerissen. Auf Wikipedia findet Ihr ein Foto des Schlosses mit Schlosskirche von 1920, das veranschaulicht, was verloren gegangen ist.
Erbaut wurde die Schloßkirche in den jahren 1855 bis 1859 als kreuzförmige einschiffige Basilika. Heute wird sie als Plastikgalerie Schlosskirche Neustrelitz für die wechselnde Ausstellungen genutzt.












Zum Abschluss geht es von der Kirche in den Schlosspark.







Es war wieder ein erlebnis- und lehrreicher Ausflug nach Mecklenburg-Vorpommern.
Zur Vergrößerung der Fotos einfach draufklicken. Bei den Texten bedanke ich mich wieder bei Wikipedia und dem Flyer „Stadtrundgang durch die Residenzstadt“. Titelbild: Detlef Müller auf pixabay.
Es gibt noch das eine oder andere zu vertiefen. Ich komme also wieder.