„Ja, mach nur einen Plan! Und mach dann noch´nen Plan. Gehn tun sie beide nicht!“
Berthold Brecht in seiner Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens
Ursprünglich ist mein Plan, einen Fotoausflug nach Torgau an der Elbe zu machen und ich starte in aller Herrgottsfrühe. Leider habe ich die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Bahn gemacht. Die ausgewählten Verbindungen funktionieren nicht. Also mache ich noch´nen Plan mit Ziel Bitterfeld. Auch dieser geht nicht und ich entscheide mich für Jüterbog. So richtig vorbereitet auf diese Stadt bin ich nicht, aber sehr, sehr neugierig.
Die 1007 erstmals erwähnte Siedlung spielte eine entscheidende Rolle der Reformation. Der bekannte Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Teztel trat im Auftrag des Erzbischofs von Mainz auch in Jüterbog auf und verkaufte erfolgreich Ablassbriefe. Dies war, so die Aussage der Stadt, der Anstoß, der zu Martin Luthers 95 Thesen führte und damit zur Reformation.
Heute wirkt die Stadt im Südwesten des Landes Brandenburg mit ihren rund 12.000 Einwohnern auf mich recht provinziell beschaulich und gemütlich. Positiv überrascht bin ich vom historischen Stadtkern.

Meinen Stadtspaziergang beginne ich, wen wunderts, am 1841 in Betrieb genommenen Bahnhof. Er zählt zu den ältesten Bahnhöfen Brandenburgs. Auf dem Bahnhofsvorplatz werde ich von Johanna herzlich begrüßt. Das künsterlerische Ensemble geht auf das gleichnamige Kinderbuch von Klaus-Peter Gust zurück. Leider kann mich Johanna nicht ins Zentrum bringen. Also begebe ich mich auf den rund 20 minütigen Fussweg.


Stadtbildprägend ist die wahrscheinlich 1488 geweihte doppeltürmige St. Nikolaikirche. Leider war ich für eine Besichtigung zu früh vor Ort. Die Kirche, wie andere Sakralbauten auch, öffnet erst am frühen Nachmittag.




Das Zentrum bildet der Markt mit dem 1285 erricheten Rathaus. Es ist ein heraussragendes Zeugnis für Profanbauten. Als Mehrzweckbau wurde es unter anderem auch zum Warenhandel genutzt.












Der Schmied von Jüterbog ist ein Volksmärchenm, in dem der Schmied falsche Entscheidungen traf und so die Seligkeit verpasste.


Die Liebfrauenkirche war die einzige geöffnete Kirche. Errichtet 1161 im Auftrag des Magdeburger Erzbischoffs Wichmann von Seeburg. Sie ist die zweitälteste Kirche Brandenburgs.












Teile der Stadtmauer mit Wehrtürmen und Stadttoren sind erhalten geblieben.





Sowohl die seit 2005 im ehemaligen Landratsamt untergebrachte Evangelische Grundschule mit Übergang zum ehemaligen Kloster und zur Liebfrauenkirche als auch das 1901 errichtete Goethe-Schiller-Gymnasium fügt sich nahtlos in die historische Architektur der Stadt ein.




Der Abtshof oder auch Stadthof der Äbte des Klosters Zinna. Als spätgotischer Stadtpalast 1480 erbaut. Bis zur Eröfffnung des Kulturquartiers war hier das Regionalmuseum untergebracht.

Das Ende des 15. Jahrhunderts erbaute ehemalige Franziskanerkloster mit Kirchenhaus blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück. Heute ist das Mönchenkloster ein Ort der Kultur und beherrbergt unter anderem die Stadtbibliothek, das Museum und die Stadtinformation.

Der runde Turm des Zinnaer Tors wurde im 1300 Jahrhundert im unteren Teil aus Feldsteinen errichtet und im oberen Teil um 1480 bis 1490 aus Backsteinen erweitert. Der eckige Turm ist ein spätgotisches Bauwerk.

An der Ecke Markt und Große Straße fällt das 1913/1914 errichtete Sparkassengebäude auf. Für die Fassade wurden handgefertigte Ziegel verwendet.



Der Sparkasse gegenüber bestaune ich ein schönes Fachwerkhaus.


Der Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Tetzel spielt, wie man sehen kann, eine herausragende Rolle in der Stadt. Neben dieser Skulptur erinnern die unweit gelegenen Tetzelstuben an diese Figur. Aus heutiger Sicht könnte man ihn als Trickbetrüger bezeichnen, der den gutgläubigen Menschen das Geld aus den Taschen zog.

Mit dem abschließenden Blick auf die Schwanenfamilie, die es sich auf den Asphalt gut gehen lässt, verabschiede ich mich von der Stadt. Obwohl nicht vorbereitet, war es ein lehrreicher Ausflug, der mich neugierig macht auf mehr. Auf jeden Fall komme ich wieder zurück, da noch das eine oder andere zu besichtigen ist.

Wikipedia sei Dank für die Textanregungen.
Ein Kommentar zu „Jüterbog – die Stadt zum Anstoß“
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