
Die 9 € – Regelung nutzend mache ich mich Ende Juni auf den Weg in die Bauhausstadt Dessau. Sie heißt mich bei herrlichem Kaiserwetter willkommen und ich begebe mich vom Bahnhof auf den Weg in die Innenstadt.
Durch einen schattigen Park vor dem Hauptbahnhof gelange ich nach wenigen Gehminuten zum historischen Wetterhäuschen / Bärenuhr am Fürst-Leopold-Carré am nördlichen Ende des Friedensplatzes. Die Uhr stammt von der Künstlerfamilie Kieser-Maruhn.

Ich gehe die Antoinettenstraße am Friedensplatzes entlang. Rechter Hand grüßt der Bau des Anhaltinischen Theaters, 1938 gebaut als damals größte Bühne nördlich der Alpen mit 1250 Sitzplätzen. Nach Zerstörung im Zweiten Welkrieg erfolgte die Wiedereröffnung im Jahre 1949. Heute verfügt das Theater über 1100 Plätze und ist mit einer der größten Drehbühnen Deutschlands ausgestattet.

Passend dazu steht im Friedenspark direkt an der Antoinettenstraße die 1964 vom Berliner Künstler Prof. Fritz Kühn geschaffene Wasserharfe. Der Brunnen ist nur zeitweilig in Betrieb.

Wenige Schritte weiter trägt am Friedensplatz der „Frieden das Leben“. Eine Statue von Bernd Göbel. Diese Statue steht ich in Rostock-Lichtenhagen.

Die Architektur der Gebäude weiter südlich auf der Antoinettenstraße erinnert mich ein wenig an den Stil der Frankfurter Alle (ehemals Stalin Allee) in Berlin.


An der Ecke Kavalier- und Friedrichstraße beeindruckt das in der Zeit von 1899 bis 1901 im Stil des Historismus erbaut Gebäude der Alten Post.




Von hier aus schlendere ich zum historischen Zentrum der Stadt.
Rathaus
Das 1898 bis 1901 erbaute Wahrzeichen der Stadt Dessau dominiert den rechteckigen Markt. Der 73 m hohe Turm überragt alle anderen Türme der Stadt. Über 159 Stufen führen auf eine Aussichtsplattform in 41,24 m Höhe. Dieses „Vergnügen“ habe ich mir trotz des Reizes einer umwerfenden Aussicht ersparrt.









Östlich des Rathauses steht auf dem Platz der Deutschen Einheit seit 2002 die Friedensglocke, Denkmal für die politische Wende 1989. Auf der Glocke befinden sich die Inschriften „Keine Gewalt“, „Ich läute für Frieden und Freiheit + Ohne Freiheit keinen Frieden + Ohne Frieden keine Freiheit“. Aussagen, die im Angesicht des Russischen Überfalls auf die Ukraine eine ganz besondere Bedeutung haben.
Die Glocke ist Treffpunkt für Friedensgebete und andere Aktionen.

Marktplatz
Der Marktplatz hat sich extra für mich prächtig herausgeputzt und bietet Gelegenheit zur Entschleunigung. Ich genieße den Anblick der in vielfältigen Farben blühenden Pflanzen und versuche zu ergründen, was mir die Skulpturen sagen wollen.
Bei der Randbebauung in den 50er Jahren hat man sich viel Mühe mit der Ausgestaltung gegeben. Die östliche Seite beherrbergt einige gastronomische Einrichtungen, deren Besuch sich lohnt.











Dessaus Kirchen
(Ehemalige) Schloß- und Stadtkirche St. Marien.
Die spätgotische dreischiffige Hallenkirche aus Backstein schaut auf eine über 500jährige, zusammen mit dem romanischen Vorgängerbau sogar auf eine über 800 jährige Geschichte zurück und ist damit die älteste Kirche Dessaus. Zusammen mit dem Rathaus und dem Schloss ist sie stadtbildprägend. Erst 1990 erfolgte der Wiederaufbau der im März 1945 zerstörten Kirche und dient seit dem als öffentlicher Veranstaltungsraum.






St. Peter und Paul
Die neugotische dreischiffige katholische Probsteikirche stammt aus der Mitte des 19. Jahrunderts. Seit 2017 finden grundlegende Renovierungsarbeiten statt, die in diesem Jahr beendet sein sollen. Ob das gelingt? Bis auf einen Schnappschuss der Kirchenfenster gab es nur Baugerüste zu sehen.





St. Georg
Im Mittelalter wurde an dieser Stelle ein Hospital vor den Mauern errichtet, das Siechenhaus. in der Zeit von 1712 bis 1717 ließ Fürst Leopold den zwischenzeitlich verfallenen Kirchenbau durch einen barocken Neubau ersetzen.
Ihr ahnt es schon. Auch die Besichtigung dieser Kirche muss ich in die Zukunft verschieb.

Johanniskirche
Diese 1702 in Dienst genommene, im schlichten spätbarocken Stil mit klassiszistischen Stil erbaute Kirche überrascht mich in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist sie geöffnet und zum anderen begeistert mich das Interieur. Eine nette Dame nimmt sich meiner an und führt mich durch das Kircheninnere.
Für mich überraschend ist die Anordnung der Orgel im Altarraum. Ein ganz besonderer Schatz sind drei Tafelgemälde aus der Cranachfamilie. Ursprünglich hingen sie in der Schloss- und Stadtkirche St. Marien und wurden im Zweiten Weltkrieg hierher ausgelagert.










Johannbau
Das impossante ehemalige Residenzschloss (oder Stadtschloss) Dessau wurde im März 1945 schwer beschädigt. Allein der Johannbau blieb als schwer beschädigte Ruine erhalten und wurde 1990 in seiner usprünglichen Gestalt wieder hergestellt. Heute ist hier das Museum für Stadtgeschichte Dessau untergebracht.






Ganz in der Nähe komme ich am historischen Gebäude der ehemaligen Handelsschule vorbei. Heute ist hier das Gymnasium Philantropinum untergebracht.



Museum für Naturkunde und Vorgeschichte, Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet als Leopolddank-Stift. Der Turmbau entstand 1847 nach dem Vorbild des Hospitals St. Spiritus bei Rom. Seit 1927 ist hier das Museum untergebracht.



Ehemaliger Sitz der örtlichen Filiale der Staatsbank der DDR. Heute als Gesundheitszentrum genutzt.






Zum Abschluss noch ein wenig Kunst im öffentlichen Raum.




Das war es wieder für heute. Es gibt noch viel mehr zu sehen und zu berichten. Dies gilt insbesondere für das Bauhaus-Viertel, das ich mir für das nächste Mal reserviere. Interessenten finden hier detailierte Informationen über die Bauhausbauten sowie die Geschichte des Bauhaus-Stils.
Dank an Wikipedia, der Stadt Dessau und anderen für die Anregungen für meinen Text.
Fotos können durch anklicken vergrößert werden.