Magdeburg und seine Kirchen

In einem meiner letzten Artikel berichtete ich über meinen Ausflug in die Ottostadt Magdeburg. Heute widme ich mich ihren Kirchen, soweit noch existent.

Otto I, auch der Große genannt, gründete nicht nur die Stadt Magdeburg, sondern machte sie auch zur Bischofstadt. Sie spielte eine wichtige Rolle während der Reformation. Daher wundert es mich nicht, dass sie als Stadt der Kirchtürme galt. In den letzten Tagen des II. Weltkriegs wurden die Stadt und damit auch die Kirchen zerstört. Der Versuch des Wiederaufbaus der Sakralbauten in den 50er Jahren stieß auf wenig Zustimmung der Herrschenden. Im Sinne der Schaffung einer Sozialistischen Stadt fielen viele Kirchen und kirchliche Einrichtungen der Abrissbirne zum Opfer bzw. wurden gesprengt. Glücklicherweise nicht alle. So prägen heute „über ein Dutzend mittelalterliche Kirchen der Romantik und Gotik das Stadtbild“ (Quelle: Homepage der Stadt/ Kirchen in Magdeburg).

Magdeburger Dom

Der Magdeburger Dom ist der erste gotisch konzipierte Bau einer Kathedrale auf deutschem Boden, einer der größten Kirchenbauten Deutschlands überhaupt und die bekannteste Sehenswürdigkeit der Landeshauptstadt Magdeburg.

Quelle: Stadt Magdeburg

Die Wuchtigkeit dieser Kathadrale und ihre Präsenz im Raum beeindruckt mich. Dieses Gefühl steigert sich noch, nachdem ich eingetreten bin.

Johanniskirche

ist die älteste Pfarrkirche in Magdeburg mit Wurzeln ins 12. Jahrhundert. Im Januar 1945 wurde sie zerstört. Erst im Jahre 1991 begann der Wiederaufbau, der 1999 abgeschlossen wurde. Sie wird heute vorwiegend als Tagungs- und Veranstaltungshaus genutzt.

Kathedrale St. Sebastian

Die Kathedrale ist der Mittelpunkt des Bistums Magdeburg. 1015 begründet gehört sie zu den ältesten Kirchen Magdeburgs.

„Ökumenische Eintracht“

Über die Jahrzehnte habe ich unzählige Sakralbauten besucht und bestaunt. Nirgends ist mir bewußt die räumliche Nähe beider christlicher Kirchen so aufgefallen wie in der nördlichen Altstadt Magdeburgs. Im Karré des Wallonerbergs im Norden, der Neustädter Straße im Westen, der Straße Altes Fischerufer im Osten und der Grünanlage entlang des Schleinufers im Süden befinden sich die katholische Universitätskirche St. Petri sowie die beiden evangelischen Bauten der Wallonerkirsche sowie der Magdalenenkapelle. Verwundern tut mich das allerdings nicht. Alle dieser Gebäude wurden vor der Reformation errichtet.

Magdalenenkapelle

Den Beginn der Triologi bildet die Magdalenenkapelle. 1315 als Fronleichnamkapelle in hochgotischen Stil errichtet. Sie ist Gedenkort für Mechthild von Magdeburg.

Katholische Universitätskirche St. Petri

Im 12. Jahrhundert als Pfarrkirche des Fischerdorfes Frose errichtet. Mich beeindruckt die Kombination des vom Gründungsbau erhaltenen romanischen Wehrkirchturms mit dem gotischen Kirchenschiff.

Wallonerkirche

Die im 13. Jahrhundert gegründete Wallonerkirche liegt auf dem Areal des ehemaligen Augustinerklosters. Im Zweiten Weltkrieg zerstört begann 1967 der Wiederaufbau. Seit 2015 wird sie von mehreren evangelischen Gemeinden und Einreichtungen genutzt.

Im nicht kirchlich genutzten Teil finde ich eine informative Ausstellung zu den in der DDR-Zeit in Magdeburg gesprengten Kirchen.

Mein kleiner Kirchenspaziergang gibt einen kleinen Eindruck von den sakralen Schätzen, die auf jeden Fall eine Reise nach Magdeburg wert sind.

Ottostadt Magdeburg

Damit kein Irrtum entsteht. Gemeint bin nicht ich und auch nicht der Otto-Versand! Vielmehr entnehme ich Magdeburgs Homepage folgende Informationen:

„Als Lieblingspfalz Ottos des Großen war Magdeburg quasi die erste Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches. Otto machte Magdeburg zum Erzbistum, ließ den ersten Dom bauen und ist auch hier beerdigt.“

Dies macht mich neugierig, ich raffe mich auf und fahre mit dem RE 1 in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Andere hatten interesssanter Weise die selbe Idee und so ist der Zug Dank des 9€-Tickets bis auf den letzten Platz besetzt. Die 1 1/2 stündige Fahrzeit nutze ich, mich auf das kommende Erlebnis vorzubereiten.

Bereits im Jahre 805 konnten die Lesekundigen etwas von der Stadt erfahren. Im Spätmittelalter war sie eine der größten deutschen Städte und im Zentrum der Reformation. Leider wurde sie im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Hiervon kann ich mich in den Kirchen, über die ich in einem separaten Beitrag berichte, überzeugen.

Angekommen versuche ich mich zu orientieren.

Hauptbahnhof

Hilfreich könnte ein Stadtplan sein! Woher bekommen? Ach, ja Magdeburg hat ja auch eine Tourist-Info, die ich jetzt anvisiere.

Rathaus

Gleich nebenann lockt die Aussicht vom Kirchturm der Johanniskirche.

Der Elbe nordwärts folgend gelange ich zu einem Platz, an dem die zwei Christlichen Kirchen in Gestalt der evangelischen Magdalenenkapelle, der katholischen St. Petrikirche sowie der evangelischen Wallonerkirche in trauter Zweisamkeite nebeneinander wirken.

Gekreuzigter von Fritz Cremer zum Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs
St. Petri im Vordergrund und Wallonerkirche dahinter.

Mal sehen, was es sonst noch alles zu sehen und fotografieren gibt.

Friedensreich Hundertwasser hat die „Grüne Zitadelle von Magdeburg“ entworfen. Das Gebäude wurde im Jahre 2005 fertiggestellt. Es ist das letzte Projekt von Hundertwasser vor seinem Tod. Ein weiteres Gebäude hat er in der Lutherstadt Wittenberg künstlerisch gestaltet.

Die Zitadelle beherrbergt neben verschiedenen Geschäften und Wohnungen ein Hotel.

Zum Abschluss ein wenig Kunst im öffentlichen Raum zum Entspannen.

Ein genussreicher Tag in der Stadt an der Elbe mit viel fesselndem neigt sich dem Ende zu und ich mache mich wieder auf die Heimreise.

Wikipedia und verschiedenen Homepages sei Dank für die Ideen der Texte. Alle Fotos habe ich selbst aufgenommen bis auf das Titelbild. Dies stammt von Till Voigt bei Pixabay.

Senftenberg – Dein Ankerplatz im Senftenberger Seenland

Eigentlich war ein Ausflug nach Dessau geplant. Rechtzeitig sah ich, dass eine Teilstrecke wegen der Waldbrände gesperrt ist. Kurzentschlossen plane ich um und entschließe ich mich für Senftenberg in der Niederlausitz.

Die ersten Zeichen menschlichen Lebens reichen rund 3.000 Jahre zurück. Erste urkundliche Erwähnung dann im 13. Jh. Vielleicht kann sich ja der ein oder andere hieran erinnern. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts „fristete“ die Stadt ein Dasein als Fischer- und Bauernstadt und war höchstens in der näheren Umgebung bekannt. Zumindest kannten wir Hamburger diesen Flecken nicht.

Mit der industriellen Revolution und der zunehmenden Bedeutung der Energie wurde die Region wachgeküsst und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Braunkohlereviere der DDR. Damals wuchs die Einwohnerzahl auf über 33.000.

In der heutigen Zeit meistert sie den Wandel von der ehemaligen Bergarbeiterstadt zur grünen Lunge der Lausitz. Die ehemaligen Tagebaue werden geflutet und zu einer einmaligen Seenlandschaft umgestaltet, in der Wassertourismus blüht (wie war das nochmal mit den blühenden Landschaften?). Seit September 2016 führt sie den Titel „Anerkannter Erholungsort“. Die Einwohnerzahl ist zwischenzeitlich auf rund 23.000 gefallen.

Mein Weg führt mich als erstes zum Marktplatz und damit zur Tourist-Info wo ich mir einen Stadtplan besorge. Von der netten Dame erhalte ich hilfreiche Hinweise.

Nächste Station ist der Kirchplatz mit der evangelischen Peter-Paul-Kirche, auch deutsche Kirche genannt.. Wie erwartet abgeschlossen. Von einem freundlichen Herrn, der vor vielen Jahren in der Kirche konfirmiert wurde, erhalte ich die ersten Informationen. Unter anderem erzählt er, dass vor sehr, sehr vielen Jahren die Gläubigen in Booten zum Gottesdienst kamen. Durch den Tagebau ist der Grundwasserspiegel extrem gefallen und heute können sie trockenen Fußes ihren Gott besuchen.

Der für mich nützlichere Rat ist, den Herrn Pfarrer Schwarz um Einlass zu bitten. Pfarrer Schwarz ließ sich nicht lange bitten und widmete mir eine ganze Stunde für ein überaus interessantes und lehrreiches Gespräch.

Die Kirche wurde im 13. Jahrhundert im gotischen Stil errichtet und im 17. und 18. Jahrhundert umfassend renoviert. Hierbei wurden diverse Gegenstände eingelagert und später an das Kloster Dobrilugk verkauft. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in Schutt und Asche gelegt und in der Zeit 1951 bis 1958 wieder aufgebaut. Das prägende ist das prächtige Netzgewölbe.

Peter-Paul-Kirche – Fotograf: „A. Savin-WikiCommons“

Gebäude am Kirchplatz

Gleich um die Ecke befindet sich das Bürgerhaus Wendische Kirche. Die erste Wendische Kirche wurde im Jahr 1540 errichtet und dient den hier lebenden Wenden (alte Bezeichnung der Slawen) als Gotteshaus. Das heutige Gebäude wurde 1749 errichtet. Neben Gottesdiensten in Sorbischer Sprache dient das historische Gebäude als Begnungsstätte.

Ein absolutes Muß ist die Festungsanlage mit Schloß, in dem heute das Museum untergebracht ist. Im 16. Jahrhundert ließ August der Starke die Anlage auf den Fundamenten einer alten Burg zur Sicherung seiner Grenze zu Preußen errichten. Der Besuch lohnt sich.

Modell der Festungsanlage mit Schloß

Nach einer ausgiebigen Besichtigung der Ausstellungen zu den verschiedenen Epochen und Themen zieht es mich durch den Schloßpark bei sehr sommerlichen Temperaturen an den unweit gelegenen Senftenberger See.

Unser Turnvater Jahn wirkte offensichtlich auch in Senftenberg

Nachdem der Braunkohleabbau direkt vor den Toren eingestellt wurde entstand der See durch das Fluten von der Schwarzen Elster aus in der Zeit von 1967 bis 1972. Mit einer Wasserfläche von 1.300 Hektar gehört er zu den größten künstlich angelegten Seen Deutschlands. Von 2010 bis 2013 wurde ein Stadthafen gebaut. Von hier aus kann man Touren durch das Lausitzer Seeland machen.

Eigentlich will ich hier am See den Tag ganz entspannt und dem Blick auf den See mit einem kühlen Alsterwasser und einem Eisbecher ausklingen lassen. Leider ist der Kellner mehr an seiner reizenden Kollegin interessiert als sich um seine Gäste zu kümmern. Also stehe ich wieder auf und gehe zurück zum Markt und laß mich dort verwöhnen.

Es war ein abwechslungsreicher Sommertag, den ich nicht so schnell vergessen werde. Es gibt noch das eine oder andere, das ich mir zu einem späteren Zeitpunkt anschauen werde.

Tschüss und bis bald.

Beim Text halfen wieder Wikipedia und die ein oder andere Homepage. Die Fotos wurden, bis auf einen Fall, von mir aufgenommen.

Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg

Vor rund 30 Jahren verschlug es mich aus beruflichen Gründen in die damalige DDR-Bezirkshauptstadt. Seit dem ist viel passiert und ich machte mich dieser Tage auf die Schiene zu meiner ehemaligen Wirkungsstätte.

1248 gründete Markgraf Johann l von Brandenburg im Rahmen der strategischen Christianisierung des bis dahin slawisch besiedelten Ostens die Stadt am Nordrand des Tollensesees. Neubrandenburg ist mit seinen rund 63.000 Einwohnern (Stand 2020) das „wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ost-Mecklenburgs“ und verbindet die Zentren Stettin und Berlin.
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Altstadt, wie andere Städte Mecklenburgs auch, durch Brandstiftung der Roten Armee ( woran erinnert uns dies im Angesicht des derzeitigen Vernichtungskriegs Russlands?) zu 80 % zerstört. Anfänglich orientierte man sich beim Wiederaufbau am historischen Grundriss und an der historischen Bauweise. Mitte der 50er Jahre entschied man sich für die moderne Bebauung.

Meine Erkundungstour beginne ich auf der Aussichtplattform des HKB (Haus der Kultur). Von hier habe ich eine guter Übersicht über die Stadt und die verschiedenen Wohngegenden. Leider stört das notwendige Sicherheitsgitter beim Fotografieren.

Friedländer Tor

Erichtet in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist das Friedländer Tor die älteste und die am besten erhaltene Toranlage.

Toranlage mit Zwinger und dem Zingel im Hintergrund

Innenstadt

Das Neue Tor

Als östlichstes und jüngste der vier Tore, nach 1450 erbaut.

St. Marienkirche – Konzertkirche Neubrandenburg.

Die Marienkirche gilt seit über sieben Jahrhunderten als das größte und bedeutendste Baudenkmal der Stadt Neubrandenburg. Ihr Ostgiebel zählt zu den kunstvollsten Schöpfungen der Backsteingotik in Norddeutschland. Errichtung der Kirche im 13. Jahrhundert zunächst als Feldsteinquaderbau. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder Opfer von Stadtbränden und wieder aufgebaut. Ende des Zweiten Weltkrieges versank die Kirche in Schutt und Asche. Nur einige Außenmauern und Teile des Turms blieben stehen. Ab Mitte der 70er Jahre erfolgte der Wiederaufbau. 2001 dann die feierliche Eröffnung der „aufregendsten Konzertkirche Deutschlands“.
Leider konnte ich die Konzertkirche nicht besichtigen. War einen Tag zu früh da. Wird auf jeden fall unter Beachtung der entsprechenden Termine nachgeholt.

Stargarder Tor

Zweitältestes Tor am südlichen Zugang zur Stadt, errichtet im 14. Jahrhundert.

Stargarder Tor

Pfaffen- und Große Wollweber Straße

In diesen Staßen im Süden der Altstadt sind mehrheitlich historische Gebäude erhalten geblieben und restauriert worden.

Treptower Tor

ist das höchste und repräsentativste der vier Stadttore.

Treptower Tor

Vierademühle

Direkt gegenüber dem Treptower Tor steht die älteste Getreidemühle der Stadt, deren Geschichte sich bis ins 13. Jahrhundert verfolgen lässt.

Stadtbefestigung mit Wiekhäusern

Klosterkirche St. Johannis

„Wie die Marienkirche wurde die Johanniskirche in den ersten Jahren nach der Stadtgründung in Verbindung mit dem Franziskanerkloster errichtet. Sie diente vor allem den Mönchen für ihre Gebete, die mehrfach täglich gemeinsam gehalten wurden. Nach einem Brand vergrößerte man die Kirche Mitte des 14. Jahrhunderts und baute das jetzige Hauptschiff dazu. Die Reformation im 16. Jahrhundert wirkte sich auch auf das Leben in der Johanniskirche aus.“

Klosterkirche St. Johannis

Heimatmuseum

Untergebracht ist das Museum mit der Dauerausstellung zur Stadt und Regionalgeschichte im ehemaligen Franziskanerkloster. Das Museum ist erfreulich überschaubar und die Exponate ausgewählt. Gut gefallen hat mir, dass auf langatmige Texte an den Wänden und Exponaten verzichtet wird. Vielmehr kann sich der Besucher zielgerichtet und interaktiv informieren. Auf jeden Fall ein Besuch wert.

Wallanlagen

Mit dem Bild des bekanntem niederdeutschen Dichters verabschiede ich mich für heute von dieser abwechslungsreichen und interessanten Mecklenburgischen Metropole.

Das Titelbild zeigt die Bäckersfrau Mudder Schulten, die Dörchläuchting Adolf Friedrich IV von Mecklenburg-Strelitz die Brötchenrechnung präsentiert (so schrieb es jedenfalls Fritz Reuter in dichterischer Freiheit in seiner „Humoreske Dorchläuchting“)

Die Texte sind teilweise öffentlich zugänglichen Quellen (Wikipedia und Stadt Neubrandenburg) entnommen.

Flößerstadt Lychen

Ein idealer Ideengeber für meine Foto-Ausflüge ist der RBB. Vor Kurzem strahlte er einen Bericht über die Heilanstalten Hohenlychen aus. Bis dato hatte ich weder von Hohenlychen noch von den Heilanstalten etwas gehört. Aber an Lychen konnte ich mich vage erinnern. In der ersten Hälfte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts war ich schon mal dort und gespannt, wie es sich über die Jahrzehnte entwickelt hat.

Der Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete staatlich erkannter Erholungsort Lychen liegt umgeben von viel Wasser inmitten des Naturparks Uckermärkische Seen und beheimatet rund 3.000 Einwohner (übrigens seit nunmehr 110 Jahren konstant). Zu den wichtigsten Erwerbszweigen gehörte in der Vergangenheit die Flößerei. Mit Gründung der Heilanstalten wurde der Tourismus zum wichtigen Wirtschaftszweig der Stadt und der Region.

An einem sonnigen Samstag mache ich mich auf den Weg in den Nord-Westen Brandenburgs. Zunächst geht es mit dem RegionalExpress nach Fürstenberg an der Havel. Dort angekommen begebe ich mich erst einmal auf die Suche nach der Bushaltestelle. Als der Bus dann kommt werde ich daran erinnert, in der Provinz zu sein. Die Plätze reichen gerade für uns 10 wartenden Fahrgäste. Wie heißt es so schön: „Platz ist in der kleinsten Hütte“.

Nach einer 30minütigen Fahrt durch waldreiches Gelände treffen wir am Marktplatz in Lychen ein und ich beginne meinen Rundgang am Rathaus.

Das 1748 im Barockstil errichtete Rathaus erinnert mich stark an das Angermünder Rathaus

St. Johanneskirche

Die evangelische Stadtkirche St. Johann wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Feldsteinkirche errichtet und über die Jahrhunderte ausgebaut. Obwohl als offene Kirche ausgewiesen hatte ich keine Gelegenheit zur Besichtigung. Vielleicht beim nächsten Besuch.

St. Johanneskirche

Heilanstalten Hohenlychen

Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Deutschland diverse Heilstätten zur Behandlung der Tuberkulose. So auch in Hohenlychen am Zennssee. Mit viel Sonnenlicht, sauberer Luft und einer ausgewogenen Ernährung wurden die Erkrankten behandelt.

1902 erwarb Gottfried Pannwitz, der Gründer des Zentralkomitees zur Errichtung von Heilstätten, ein Grundstück in Hohenlychen, auf dem bis zur Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts 47 Gebäude errichtet wurden.

Während der beiden Weltkriege wurde die Einrichtung als Lazarett genutzt. Nach 1945 zog hier bis 1993 die Rote Armee ein und nutzte das Gelände als Lazaret und Geburtsstation. Danach verfiel das Ensemble. 2009 kaufte ein Freiberger Bauuntenehmer das Gelände und baute Mietwohnungen und Ferieneinrichtung.

Mit dieser Botschaft beende ich meinen heutigen Ausflug. Lychen ist einen Ausflug und einen Urlaub wert.
Texte sind teilweise Wikipedia entnommen.

Wie wohnten die Berliner in der Gründerzeit?

Nun lebe ich schon knapp 20 Jahre in Berlin und entdecke erst jetzt diese Stadt so richtig. Angeregt durch den Besuch des Pankower Museums in der Prenzlauer Allee stoße ich auf zwei Zeugnisse des häuslichen Lebens im Prenzlauer Berg um 1900, die gegensätzlicher kaum sein können. In der Dunckerstraße 77 unweit des Helmholtzplatzes liegt im ersten Stock die Museumswohnung mit der Dauerausstellung „Zimmermeister Brunzel baut ein Haus“, die Lebensverhältnisse der weniger begüterten Einwohner Berlins zeigt. Damit kontrastierend überrascht die Museumswohnung in der Heynstraße, ebenfalls im ersten Stockwerk gelegen, mit dem Prunk der begüterten Schichten.

Der wirtschaftliche Aufschwung und die Industrialisierung Berlins beförderte den Zuzug Hunderttausender aus den ländlichen Gebieten in Brandenburg, Pommern, Schlesien, Sachsen sowie aus der Region Posen (es gab also bereits damals Migration). Innerhalb der Stadtmauern Berlins reichte der Raum seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr aus, den Wohnungsbedarf zu decken und man wich in die umliegenden Gemeinden aus. Um den ständig steigenden Bedarf zu decken entwickelte sich eine standardisierte Bauweise. Gehe ich durch den Prenzlauer Berg sehe ich einen hohen Anteil von sich ähnelnden Fassaden. Um den vorhandenen Baugrund effektiv zu nutzen entstand die berühmte/berüchtigte Hinterhofbebauung. So ein Wohnkomplex bestand und besteht unverändert aus dem Vorder- und Seitenhaus sowie mindestens einem Hinterhaus. Im Vorderhaus wohnte die Mittelschicht. Je weiter nach hinten desto geringer wurden die finanziellen Mittel der Mieter.

Zimmermann Brunzel baut ein Haus

Ende des 19. Jahrhunderts herrschte ein Bauboom in Berlin. Überall wurden Wohnungen für die ständig steigende Bevölkerung gebaut. Dieser Boom motivierte den Zimmermeister Brunzel, in der Dunckerstraße 77, in der Nähe des Helmholzplates, ein Grundstück zu erwerben und ein Mietshaus zu bauen. Zwei Zimmer, Küche war die Standardgröße der Wohnung, in der Eltern mit im Durchschnitt drei und mehr Kindern lebten.

Museumswohnung Heynstraße

Im Jahre 1863 errichtete der Stuhlrohrfabrikant Fritz Heyn das Wohnhaus in der Heynstraße 8. Im ersten Stock im Vorder- und Seitenhaus wohnte der Unternehmer mit seiner Frau und seinen Kindern auf über 200 qm. Über die Jahre wuchsen hier insgesamt 16 Kinder auf. Zwei Töchter lebten bis zu ihrem Tod im Jahre 1972 in dieser Wohnung, ohne dass es zu wesentlichen Veränderungen kam. Das Haus fiel nach dem Tod der Töchter an die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV). Diese beauftragte ihre Maler-Brigade, die Wohnung zu renovieren. So wie es bei Mieterwechsel üblich ist. Nach betreten der Wohnung weigerten sie sich aus gutem Grund, den Auftrag auszuführen. Das Haus wurde anschließend unter Denkmalschutz gestellt und seit 1984 steht die Wohnung in der Beletage der Öffentlichkeit als Museum zur Verfügung.

Herrenzimmer

Gleich zu Beginn meines Rundgangs durch die Wohnung bin ich über den Prunk der einzelnen Zimmer dieser Wohnung beeindruckt. Es beginnt mit dem Herrenzimmer, in dem sich die Herren der Schöpfung zu weltbewegenden Gesprächen über Gott und die Welt zurückzogen.

Salon

Der Salon diente, wie das Herrenzimmer, reinen repräsentativen Zwecken. Gewohnt wurde im sogenannten Berliner Zimmer.

Berliner Zimmer

Das Berliner Zimmer ist eine Besonderheit des Berliner Wohnungsbaus. Es verbindet das Vorder- mit dem Nebenhaus. Trotz der Größe verfügt es nur über 1 Fenster zum Innenhof. Hier spielte sich das tägliche Leben der Bewohner ab.

Küche

Badezimmer

Diese Wohnung hatte ein sehr luxeriöses Badezimmer mit einer fest eingebauten Badewanne und einer Wassertoilette.

Gartenlaube im Hinterhof, hier spielten die Kinder der Familie Heyn. Heute nutzen die Mieter den Garten.

Dank den netten Damen in beiden Museen für deren indiviuelle Führung und die Hintergrundinformationen.

Wismar und seine Kirchen

Die Hansezeit und der damit verbundene Handel bescherte der Stadt eine wirtschaftliche Blütezeit. Die in dieser Zeit errichteten Backsteinkirchen zeugen vom Wohlstand der Stadt.

Vom Hafen aus gibt es einen wundervollen Blick auf die Stadt und seine Kirchen. Einige davon stelle ich hier kurz vor.

St. Georgen

Die Kirche St. Georgen gehört neben St. Marien und St. Nikolai zu den drei monumentalen gotischen Sakralbauen der Wismarer Altstadt. Ausgehend von der Baumasse und dem umbauten Raum ist die um 1295 begonnene Georgenkirche das größte dieser Bauwerke. Tronend auf einer Anhöhe überragt das wuchtige Gebäude alles andere und ist weit sichtbar.

Die in der Nähe des Fürstenhofs gelegene Kirche war das Gotteshaus der Landesherren und der Handwerker von Wismar. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie schwer beschädigt und verfiel zu DDR-Zeiten zusehends. Der Wiederaufbau begann 1990 und dauerte bis zum Jahr 2017. Auch heute macht sie mit den unverputzten Wänden und fehlender Malerei einen unvollständigen Eindruck. Gleichwohl wurde sie nie entweit und fungiert unverändert als Gotteshaus für die Gemeinden St. Georgen und St. Marien.

Blick vom Gelände der ehmaligen Marienkirche auf die St. Georgen Kirche.

Marienkirchturm

In Sichtweite der Georgenkirche ragt ein einsamer, 80 Meter hoher Turm in den Himmel. Gleich einem Finger mahnt der Turm und erinnert uns an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges.

Das zum Turm gehörende Kirchenschiff wurde 1945 durch Luftminen stark beschädigt und 1960 gesprengt. Das Baumaterial hat man zu Schotter verarbeitet. Damit ging eines der ältesten Bauwerke der Hansestdt verloren. Der Grundriss des ehemaligen Kirchenschiffs wurde durch niedrige Mauern wieder sichtbar gemacht.

Der Turm blieb stehen und diente weiterhin als Seezeichen. In den vergangenen Jahren wurde der Turm geschlossen und mit Intallationen soweit ausgerüstet, dass wieder eine Nutzung möglich ist.

Neugierig wie ich bin, begab ich mich vom Hotel die Anhöhe hinauf zum mahnenden Finger. Als erstes ließ ich mir vom sprechenden Ziegelstein die Herstellung des Kirchengebäudes erklären. Im daneben liegenden Raum fand ich eine Ausstellung mit Modellen der verschiedenen Kirchen. Überzeugt Euch selbst,

Modell der im 2. Weltkrieg zerstörten Marienkirche, rechts der stehen geblieben Turm

Nikolaikirche

Als Kirche der Seefahrer und Fischer wurde die dreischiffige Basilika Nikolai in der Zeit von 1381 bis 1487 im spätgotischen Stil erbaut. Man beachte den Zeitrahmen von 106 Jahren. Was sind dagegen die 14 Jahre Bauzeit des BER?

Sie gehört zu den schönsten mittelalterlichen Zeugnissen der Backsteinarchitektur Norddeutschlands. Nach St. Marien in Lübeck ist sie die zweithöchste backsteingotische Basilika der Welt. Gleich am ersten Tag machte ich mich auf, das imposante und Stadtbild prägende Gebäude an der Grube zu besichtigen.

Wow, im Innenraum bin ich von der imposanten Höhe des Kirchenmittelschiffs überwältigt. Ich genieße den Rundgang durch den zugänglichen Teil. Es wird mal wieder gebaut und der barocke Altar ist leider nicht zu sehen. Der Rest ist aber auch sehenswert.

Heilig-Geist-Kirche und Hospital

Das Heilig-Geist-Hospital wurde Mitte des 13. Jahrhunderts als Armen und Krankenhaus errichtet.

Die Hofeinfahrt zum Hospital wird in der ZDF-Serie „SOKO Wismar“ als Zugang zum Polizeirevier gezeigt.

Leider war es mir nicht möglich, die Kirche zu besichtigen. Damit habe ich einen Grund, nochmals nach Wismar zu kommen.

Heilig-Geist-Kirche mit ehemaligen Hospitalsgebäuden, links im Hintergrund der Marienkirchturm

Zum Vergrößern einfach auf das Bild klicken. Bei den Texten habe ich mich wieder von Wikepedia und den Internetauftritten der jeweiligen Einrichtungen inspirieren lassen.

Dem trüben Wetter im Dezember enfliehen

Seit Wochen hat die Sonne Urlaub genommen. Die tiefhängenden grauen Wolken drücken mir auf das Gemüt und verleiden mir den täglichen Spaziergang. Es muss etwas passieren! Aber was und wo? Einer meiner Lieblings-Krimiserien ist Soko-Wismar auf ZDF und schon ist die Idee geboren. Raus aus Berlin, hin an die Ostsee!

Wismar besuchte ich erstmalig Anfang 1990 anlässlich eines Verwandtenbesuchs und dann unregelmäßig zwischen 1990 und 1995. In meiner Erinnerung war es eine ansprechende Stadt mit großem Sanierungspotenzial. Mitte Dezember habe ich mich von der Entwicklung Wismars hin zu einer sehenswerten und reizvollen Stadt überzeugen können.

Mit dem Regionalexpress 5 geht es ab Ostkreuz durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zur alten Hansestadt an der Wismarer Bucht. War es in Berlin noch trübe mit leichtem Nieselregen überrascht mich die Stadt der norddeutschen Backstein-Gotik mit aufgelockerter Bewölkung. Das Wetter ist an den Küsten eben doch besser!

Die im 13. Jahrhundert gegründete Stadt war früh Mitglied der Hanse und blühte wirtschaftlich im Spätmittelter auf. Nach dem 30jährigen Krieg kam Wismar unter schwedische Herrschaft, aus der sie de jure 1903 entlassen wurde. Das jährliche Schwedenfest erinnert an diese Zeit und lockt in „normalen Zeiten“ unzählige Touristen an.

Seit Jahrhunderten spielt der Hafen eine zentrale Rolle. Nach 1945 spezialisierte sich der zweite Hafen der DDR auf den Umschlag von Massengütern. Die Werftindustrie geht auf die Gründung eines Schiffsreparturbetriebes der Roten Armee zurück.

Heute leben rund 43.000 Einwohner in der Stadt und finden in der industriellen Hafen- und Schiffswirtschaft, in der Holzverarbeitung, der Solarindustrie und nicht zu vergessen in der Touristik Beschäftigung.

Meine Besichtigungstouren der nächsten Tage starte ich an meiner Unterkunft im Stadthotel „Stern“ in der Lübsche Straße.

Der Marktplatz – Wismars Zentrum

Zentrum des altstädtischen Lebens ist der rund 1 qm große, fast quadratische Marktplatz. Er ist mit seiner Randbebauung im Zusammenspiel mit den Nebenstraßen ein Zeugnis der Bedeutung der Stadt. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde er als Parkplatz misbraucht. In heutigen Zeiten findet hier der Wochenmarkt statt und, wie man sehen kann, der jährliche Weihnachtsmarkt.

Die Wasserkunst

Größte Herausforderung einer Stadtverwaltung war in allen Zeiten die Organisation der Wasserversorgung. Die Stadtväter versuchten es mit kleinen Brunnen. Als dies nicht mehr reichte entschieden sich die Oberen, Quellwasser durch hölzerne Wasserrohre in ein Sammelbecken auf dem Markt zu leiten. In dem Zusammenhang erfolgte gegen Ende des 16. Jahrhunderts der Bau der Wasserkunst auf dem Marktplatz, die zum Wahrzeichen von Wismar avancierte.

Rathaus

Das markanteste Gebäude des Marktplatzes ist für mich das klassizistische Rathaus von 1819.

Weitere Impessionen der Altstadt:

Preisfrage: Wo wurde das erste Karstadt-Kaufhaus eröffnet? Na klar, in Wismar. Hieran erinnert eine Sonderausstellung im Schaufenster des Hauses.

Lindengarten

Bei meinen Streifzügen durch die Stadt stoße ich auch auf den unter Denkmalschutz stehenden Lindengarten, gelegen am Mühlenbach. Dank spendenfreudiger Wismarer Bürger wurde im Jahr 1815 auf dem Geländer einer ehemaligen schwedischen Befestigungsanlage dieser Park errichtet.

Fürstenhof

Im 16. Jahrhundert fassten die Herzöge von Mecklenburg die weitsichtige Entscheidung, einen Sitz in der aufstrebenden Hansestadt an der Ostsee zu errichten. Die Realisierung erfolgte in zwei Bauabschnitten in der Nähe der St. Georgenkirche. Es entstand ein „bedeutendes Bauwerk der mecklenburgischen landesfürstlichen Residenzarchitektur. Es stellt nicht nur das erste bedeutende Renaissance-Bauwerk Mecklenburgs dar, sondern bildet auch den stilbildenden Prototyp des Johannn-Albrecht-Stils, dem für diese Epoche große regionale Bedeutung zukommt“ (Quelle: Wikipedia).
Mit Beginn der Schwedenherrschaft über Wismar endete die Nutzung des Fürstenhofs durch die mecklenburgischen Herzöge. Heute ist er des Amtsgerichts Wismar.

Wismars Kirchen

Gleich um die Ecke treffe ich auf zwei bedeutende und beeindruckende Kirchenbauwerke, die St. Georgen-Kirche sowie den St. Marienkirchtur.

Die dritte im Bunde der Backsteinkirchen ist die Kirche St. Nikolai gegenüber des Schabbel-hauses.

Auf die Kirchen sowie das Stadtgeschichtliche Museum im Schabbelhaus gehe ich in separaten Beiträgen ein.

Für den Text danke ich wieder Wikepedia.

Weiteres Weihnachtsmarkt-Feeling

Am vergangenen Samstag meinte es der Wettergott sehr gut mit uns Berlinern. Ein bleuer Himmel und strahlender Sonnenschein lockte mich trotz Kälte nach draußen und auf zwei weitere Weihnachtsmärkte.

Zunächst ging es zum WeihnachtsZauber auf dem Gendarmenmarkt, für mich einer der schönsten Märkte. Ich war sehr früh vor Ort und daher war es angenehm überschaubar. Der Markt ist bekannt dafür, dass er schon immer eingezäunt ist mit Einlasskontrolle. So auch an diesem Dienstag. Der 2G-Check ging zügig und der Feuerzangenbowle stand nun nichts mehr im Wege.

Weiter geht es vorbei am Humboldt-Forum (Berliner Schloß) zum Weihnachtsmarkt vor dem Roten Rathaus.

Diese Weihnachtsmärkte könnten auch von Interesse sein:
Gedächtniskirche
Charlottenburger Schloß
Schloss & Gut Liebenberg
Nordische Märchenweihnacht Gutshof Britz
Alt-Kaulsdorf
Hamburg