Es ist Pfingsten. Die Sonne strahlt von einem kaiserblauen Himmel herab. Viel zu schade, zu Hause zu hocken. Aber wohin? Da fällt mir ein, von einem besonderen Ort im Südwesten Berlins gelesen zu haben. Diesen schau ich mir mal an.
Ende der 1930er Jahre beschließt der Chef der Uniformierten mit dem Totenkopf an der Mütze sein Führungspersonal mit einer geschlossenen Siedlung im Grunewald in der Nähe des Sees Krumme Lanke zu versorgen. Gedacht – getan. Zwischen 1938 und 1940 wurde eine SS-Kameradschaft-Siedlung errichtet.
„Ziel der SS war es, den Gedanken von „Blut und Boden“ durch die Sesshaftmachung wertvoller SS- Familien“ und die Ideologie der elitären Gemeinschaft architektonisch zu verwirklichen.“
Historische Information am Eingang zu Siedlung an der Ecke Argentinische Straße / Teschener Weg.
An der Größe des Hauses sowie der Ausstattung war der Dienstgrad des Bewohners abzulesen. Je größer und konfortabler desto höher der Dienstgrad.
Die Bewohner hatten jedoch nicht lange etwas von ihrer elitären Behausung. Mit Kriegsende waren die Häuser komplett leer gezogen und die „wertvollen Familien“in alle Richtungen verweht. Die verlassenen Häuser wurden danach bevorzugt Verfolgten, Widerstandskämpfern- und kämpferinnen sowie Flüchtlingen angeboten.
1992 hat das Land Berlin die Siedlung wegen des „historischen Zeugniswertes“ unter Denkmalschutz gestellt.
Eingangstor zur SiedlungInformationstafel
Die hier verwendeten Zitate entstammen der Info-Tafel am Eingang zur Siedlung.
Wer kennt ihn nicht? Hier landeten und starteten 1948 / 1949 die berühmten Rosinenbomber und sicherten so die Versorgung der rund 2 Mio. Einwohner West-Berlins (Luftbrücke).
Das graue Winterwetter ist nicht sehr motivierend. Was tun? Ich entscheide mich für eine Führung durch die Gemäuer des Flughafens und mache mich auf den Weg.
Das Tempelhofer Feld verfügt über eine lange militärische Tradition. Anfang des 18. Jahrhunderts ließ hier Friedrich-Wilhelm I, der Soldatenkönig, seine Truppen paradieren. Im 19. Jahrhundert diente das Feld als Exerzierplatz. Um die Jahrhundertwende begannen hier die ersten Flugversuche bzw. Flugübungen. 1923 eröffnete der Flughafen Tempelhof, zunächst „Flughafen Tempelhofer Feld“ genannt.
Dieser überschaubare provinzielle Feldfughafen entsprach in den 30er Jahren nicht mehr den Ansprüchen der Herrscher. Es mußte ein bedeutenderes und wuchtigeres Bauwerk her. Dieses wurde in „Weltrekord verdächtiger“ Zeit von 5 Jahren zwischen 1936 und 1941 unvollendet errichtet. Die gesamte Anlage des Flughafen ist auf Karl Wilhelm Schinkels Kreuzbergdenkmal von 1821 ausgerichtet.
Dies bedeutete jedoch nicht, dass dann Passagiere im Gebäude abgefertigt wurden und Flugzeuge abhoben. Dafür begann in den Hangars ab 1941 die Herstellung von Sturzkampf-Flugzeugen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stellten die Amerikanern, die hier stationiert waren, den Flughafen weitgehend fertig.
Der reguläre zivile Flugbetrieb wurde erstmals 1951 aufgenommen.
Empfangshalle mit Vorplatz als Parkplatz genutzt.Alter Reichsadlerkopf vom Dach des Empfangsgebäudes. Die Amerikaner entführten den Kopf in die Staaten. Heute steht er auf dem „Eagle Square“ genannten Teil des Vorplatzes vor dem Empfangsgebäude.Fußboden im unteren Teil der EmpfangshalleAbfertigungsschalter in der EmpfangshalleAbfertigungshalleRestaurant oberhalb der Abfertigungshalle mit Blick auf das FlugfeldDer 18 m hohe obere Teil der Empfangshalle wurde nach dem Krieg durch eine Decke abgetrenntKeine Wiederherstellung des oberen Teils nach einem Brand
Soldaten haben während des Dienstes viel ungenutzte Zeit. also bauten die Amerikaner kurzerhand eine Bowlingbahn, eine Bar sowie ein Basketballplatz.
In dieser Bar trafen sich die Soldaten nach dem Sport zum KlönschnackBasketballplatz für die amerikanischen SoldatenLogo des Basketball-Teams
Bei Temperaturen nahe des Gefrierpunktes geht es nach draußen.
Einer der beiden FrachthöfeDer helle Gebäudeteil fungierte Anfang der 1950er als AbfertigungshalleFlugsteig (380 m lang), von hier ging es auf kurzem Weg zum FliegerÜber die Treppen gelangten die Fluggäste zum FlugzeugFlugzeughallen u. Flugsteig sind 1.380 m lang – bogenförmigHangarIn den Hangars wurden früher Kampflugzeuge montiertRosinenbomberFlughafen-Feuerwehr„Spionage-Turm“Eisenbahntunnel mit direktem Zugang zum Gebäckbereich
In der Unterwelt befinden sich Luftschutzräume und auch die Gepäckabfertigung.
LuftschutzraumHier trafen die Gepäckstücke an.Nutzungsplan des Flughafenkomplexes (1941), in der Mitte ist der alte Flughafen zu sehenLuftbrückendenkmal (im Volksmund „Hungerharke“ genannt) von 1951. Die drei Zacken stehen für die drei Luftkorridore.
Es war ein sehr interesssanter und kurzweiliger Sonntagnachmittag. Es wird nicht der letzte Besuch bleiben.
Vielen Dank an die Homepages des THF sowie des Alliertenmuseums für die hier verarbeiteten Informationen.
so kann er was erzählen drum nehm ich meinen Hut und Stock und tät das Reisen wählen“
Matthias Claudius
Nach zwei Reisen in die zweitgrößte Stadt Belgiens habe ich in dreierlei Hinsicht etwas zu erzählen!
Bei meiner Reise Anfang Oktober entscheide ich mich für einen Flug vom BER nach Brüssel. Bei meiner Ankunft am „berühmtesten“ Airport in Europa weit vor dem Abflug scheint mir alles recht entspannt. Die Flugreisenden bewegen sich unaufgeregt durch das Gebäude. Allerdings ist mal wieder die Schlange vor der Sicherheitskontrolle sehr lang. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass das Personal vor der Kontrolle hilfreich lenkend eingreift. So bilden sich immer wieder lange Schlangen da sich die Reisenden vor einem Kontrollbereich stauen und damit den Zugang zu weniger frequentierten Kontrollstellen blockieren. Ich habe ja Zeit und beobachte das Ganze sehr entspannt.
Puh, geschafft! Jetzt schauen, an welchem Gate der Flieger parken wird. Wie das Schicksal es so will hat der aus Brüssel kommende Flieger 1 1/2 Stunden Verspätung. Danke für die zusätzliche Zeit zum relaxen.
Ganz anders auf dem Rückflug. Dort läuft es wie geschmiert – ankommen – Sicherheitscheck und auf den pünktlichen Abflug warten. Hier zeigt sich die langjährige Erfahrung und Routine der Beschäftigten.
Die zweite Herausforderung stellt die Reise Mitte November dar. Diesmal entscheide ich mich für die Fahrt mit dem Zug. Im Thallys zu sitzen und die Landschaft zu genießen war schon immer mein Traum. Blöd ist, dass ich meine Fahrt nach Belgien auf den Tag lege, an dem sich ein Zugunglück auf der Strecke ereignet, der zu tagelangen Sperrungen führt. Ich habe Glück im Unglück. Mein ICE nach Köln ist einer der wenigen, der fährt. Spätere Züge sind komplett gestrichen, was zu „Begeisterungsstürmen“ der gestrandeten Reisenden führt, insbesondere bei Reisenden zum Frankfurter Flughafen. Folgerichtig kommt es zu einem Ansturm auf die wenigen nicht reservierten Plätze der einzigen Verbindung.
Lange Rede kurzer Sinn. In Köln komme ich mit einer 3stündigen Verspätung an. Anschlusszüge nach Brüssel sind alle ausge- bzw. Überbucht. Eine nette Bahnangestellte trotzt dem Ansturm und drückt mir resolut einen Zettel in die Hand: „Hier sind ihre Verbindungen über Aachen. Gute Fahrt“. Gesagt getan.
Nach 15 Stunden betrete ich das Hotel in Gent und trinke erst einmal ein Leffe blond zum abschalten.
Damit komme ich zu meinem eigentlichen Thema und der Dritten Erzählung.
Gent – ein ganz besonderes Erlebnis
Gent ist mit seinen rund 260.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Belgiens und zugleich die Hauptstadt der Provinz Ostflandern. Sie blickt auf eine über 1400jährige Geschichte zurück. Im Mittelalter gehörte sie Dank des blühende Tuchhandels zu den größten und bedeutendsten Städte Europas. Am 24. Februar 1500 erblickte im Prinzenhof zu Gent der spätere Kaiser Karl V. das Licht der Welt.
Ihre ehemalige Bedeutung und ihr Wohlstand findet sich noch heute in den imposanten historischen Bauten wieder. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt glücklicherweise von Zerstörungen verschont.
Der nächste Tag führt mich zunächst zur Touri-Info am alten Fischmarkt. Hier verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Gleich gegenüber beeindruckt die
Diese 1180 von Phillip von Elsass erbaute Trutzburg ist die einzig in Flandern erhalten gebliebene mittelalterliche Wasserburg mit einem nahezu vollständig intakten Verteidigungssystem.
Eine bisher so noch nicht erlebte Audioführung, eingesprochen vom Flämischen Comedian Wouter Deprez, führt mich auf eine kurzweilige Entdeckungsreise in und um die Burg herum. Deprez würzt die historischen Fakten mit komischen Anekdoten und vereinzelt mit Bezügen zur Gegenwart. Allen Gent-Reisenden empfehle ich diese Führung
Gleich gegenüber meines Hotels beeindruckt mich diese Sehenswürdigkeit, die auf eine über 1000jährige Geschichte zurückblickt. Bereits im 10. Jahrhundert (Jh.). entstand hier das erste Kirchengebäude. Ab dem 12. Jh. folgte ein romanisches Bauwerk das im 15. und 16. Jh. in die Gotische St. Bavo-Kathedrale umgestaltet wurde.
Gleich beim Betreten der Kirche zieht mich der 1432 enthüllte Altar (voller Titel: Die Anbetung des Lamm Gottes) der Gebrüder van Eyck in seinen Bann.
Kanzel
Die eindrucksvolle Rokoko-Kanzel stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Diesen imposant wehrhaften Turm mit der eingebauten Tuchhalle hatte ich zusammen mit der gegenüberliegenden Kathedrale bereits bei meinem ersten Besuch Anfang Oktober erklommen. Laut Wikipedia wird ein hoher, schlanker Glockenturm als Belfried bezeichnet, der insbesondere für flämische Städte typisch ist. Der Genter Turm wurde im 14. Jh. erbaut und ist 95 m hoch. Er steht für Wohlstand und Unabhängigkeit.
Anfang des 15. Jhs. wurden die Stadtprivilien in einer Truhe im Erdgeschoss aufbewahrt.
alles überragender Belfried, im Vordergrund die TuchhalleDer Drache, der seit 1377 auf dem Turm steht, wachte nicht nur über die Stadt, sondern war auch der symbolische Schatzhüter des Belfrieds.Nach 1442 zogen die Turmwächter von der St.-Nikolaus-Kirche in den fertiggestellten Belfried um.
Die Tuchhalle in eleganter Brabanter Gotikwurde 1907 fertig gebaut und „zelebriert den Industrieteil, dem Gent viel zu verdanken hat“.
Gegenüber der Grafenburg (Grevensteen) befindet sich der Alte Fischmartk am Zusammenfluss von dem Lieve-Kanal und der Leie. Ab dem Spätmittelalter bis zu den 1960er Jahren verkauften Fischhändler hier ihre Waren. Er ist einer der ältesten Märkte in Gent. Ursprünglich befand er sich eigentlich auf dem Groentenmarkt, aber Ende des 17. Jahrhunderts zog er nach dem Sint-Veerleplein um.
In einem der restaurierten Häuser befindet sich die Tourist-Information.
Eigentlich sollte die Kirche den höchsten Turm Gents erhalten. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Statt gewaltigen 134 m sind es nur dürftige 24 m geworden. 1828 erhielt der unvollständige Turm ein Flachdach. Leider war die Kirche geschlossen und ist damit ein Ziel für spätere Reisen.
An der süd-östlichen Ecke des Korenmarktes steht die imposante St.-Nikolaus-Kirche erbaut aus Blaustein und zählt zu den schönsten Beispielen der Scheldegotik. Auffallend ist der Laternenturm. Er befindet sich nicht, wie üblich, über dem Eingang sondern in der Mitte des Gebäudes. Über den Turm fällt das Licht in das Querschiff. Leider habe ich den Eingang an der Stirmseite zum Korenmarkt gesucht. Da die Türen dort verschlossen sind gehe ich irrtümlicherweise davon aus, dass die Kirsche geschlossen ist. Sie steht jetzt ganz oben auf meiner to do Liste für den nächsten Besuch.
Hab ich mich jetzt verlaufen oder nur verschrieben. Wieso niederländisch? Ich bin doch in Belgien! Die Antwort finde ich auf der Homapge von Visit Gent:
„Das Theater am Sint-Baafsplein ist die Heimat von NTGent, einem europäischen Stadttheater, das fest verwurzelt ist in Gent. In jeder Saison bringt es mit seinem festen Ensemble aus flämischen und niederländischen Spitzenschauspielern eigene Theaterproduktionen auf die Bühne. Das Ensemble tritt auch außerhalb seines Sprachraums auf.“
Ein geschichtsträchtiger Ort inmitten der Altstadt. Heute ist er ein beliebter Treffpunkt der Touristen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise. Hier benötigt man schon ein größeres Portemonnaie. Sicherlich auch vor 1000 Jahren, als hier Getreide gehandelt wurde.
Architektonisch beeindruckendes ehemaliges Postgebäude, heute als Einkaufszenturm, Hotel und Cocktailbar genutzt
Auf diesem Platz fanden in Uhrzeiten Hinrichtungen statt. Heute ist es ein beliebter und belebter Platz für gemütliche Treffs. Mitten auf dem Platz steht eine alte Pumpe aus dem 19. Jahrhundert, die an einen Obelisken erinnert.
Punpe, die an einen Obelisken erinnert
Weitere Genter Impressionen
Blick vom Belfort auf auf das Rathaus500jähriger Baukomplexerrichtet von 1518 bis ins 19. JahrhundertBrunnen knieneder Jünglinge von George MinneGroße FleischerhalleBrücker über die Leie mit Blick auf Post und St.-Nikolaus-KircheLeie mit Post (rechts)Große Kanone – 12.500 kg, im Volksmund „dulle griet (böse Frau)“ genannt
Voller Eindrücke und Bilder mache ich mich wieder auf die Rückreise. Bis Köln verläuft alles nach Fahrplan. Hier werde ich von der Realität eingeholt. Insgesamt dauert die Rückreise rund 14 Stunden.
Dank an Wikipedia und vor allem der Homepage von Visit Gent für die Text-Anregungen.
Vor rund 30 Jahren verschlug es mich aus beruflichen Gründen in die damalige DDR-Bezirkshauptstadt. Seit dem ist viel passiert und ich machte mich dieser Tage auf die Schiene zu meiner ehemaligen Wirkungsstätte.
1248 gründete Markgraf Johann l von Brandenburg im Rahmen der strategischen Christianisierung des bis dahin slawisch besiedelten Ostens die Stadt am Nordrand des Tollensesees. Neubrandenburg ist mit seinen rund 63.000 Einwohnern (Stand 2020) das „wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Ost-Mecklenburgs“ und verbindet die Zentren Stettin und Berlin. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs wurde die Altstadt, wie andere Städte Mecklenburgs auch, durch Brandstiftung der Roten Armee ( woran erinnert uns dies im Angesicht des derzeitigen Vernichtungskriegs Russlands?) zu 80 % zerstört. Anfänglich orientierte man sich beim Wiederaufbau am historischen Grundriss und an der historischen Bauweise. Mitte der 50er Jahre entschied man sich für die moderne Bebauung.
Meine Erkundungstour beginne ich auf der Aussichtplattform des HKB (Haus der Kultur). Von hier habe ich eine guter Übersicht über die Stadt und die verschiedenen Wohngegenden. Leider stört das notwendige Sicherheitsgitter beim Fotografieren.
Kloslterkirche St. JohannisMarienkirche – heute KonzerthausBahnhof Neubrandenburg
HKB am MarktplatzBlick auf den Marktplatz und dem Turm der MarienkircheGedenkstätte an die ehemalige SynagogeTurmstraße auch Boulevard genanntTraditionelle Gastwirtschaf „Uns Eck“ am Beginn des BoulevardRathaus – vormals SED-Bezirksleitung und Rat des BezirksMein ehemaliger WeinladenHier habe ich damals meinen Pfeifentabak gekauftDer bekannte niederdeutsche Dichter Fritz Reuter lebte in diesem HausMeine ArbeitsstelleHier befand sich frühter das Fritz Reuter Restaurant
Die Marienkirche gilt seit über sieben Jahrhunderten als das größte und bedeutendste Baudenkmal der Stadt Neubrandenburg. Ihr Ostgiebel zählt zu den kunstvollsten Schöpfungen der Backsteingotik in Norddeutschland. Errichtung der Kirche im 13. Jahrhundert zunächst als Feldsteinquaderbau. Über die Jahrhunderte wurde die Kirche immer wieder Opfer von Stadtbränden und wieder aufgebaut. Ende des Zweiten Weltkrieges versank die Kirche in Schutt und Asche. Nur einige Außenmauern und Teile des Turms blieben stehen. Ab Mitte der 70er Jahre erfolgte der Wiederaufbau. 2001 dann die feierliche Eröffnung der „aufregendsten Konzertkirche Deutschlands“. Leider konnte ich die Konzertkirche nicht besichtigen. War einen Tag zu früh da. Wird auf jeden fall unter Beachtung der entsprechenden Termine nachgeholt.
Wölfin von Walther PreikSpendensteleFranz-Boll-Gedenkstein, Pastor der Neubr. Hauptkirche
„Wie die Marienkirche wurde die Johanniskirche in den ersten Jahren nach der Stadtgründung in Verbindung mit dem Franziskanerkloster errichtet. Sie diente vor allem den Mönchen für ihre Gebete, die mehrfach täglich gemeinsam gehalten wurden. Nach einem Brand vergrößerte man die Kirche Mitte des 14. Jahrhunderts und baute das jetzige Hauptschiff dazu. Die Reformation im 16. Jahrhundert wirkte sich auch auf das Leben in der Johanniskirche aus.“
Klosterkirche St. JohannisKreuzrippengewölbeKasten-Chor mit Buntglasfensternbarocker Choraltar Kanzel aus dem 16. Jh. mit Alabasterreliefs verziertOrgel 1990
Untergebracht ist das Museum mit der Dauerausstellung zur Stadt und Regionalgeschichte im ehemaligen Franziskanerkloster. Das Museum ist erfreulich überschaubar und die Exponate ausgewählt. Gut gefallen hat mir, dass auf langatmige Texte an den Wänden und Exponaten verzichtet wird. Vielmehr kann sich der Besucher zielgerichtet und interaktiv informieren. Auf jeden Fall ein Besuch wert.
RammbockGellert-Gedenkstein – Lieder- und Fabeldichter Christian Fürchtegott Gellert (1715 – 1769)Gedenkstein für die Verfolgten des Naziregimes
Mit dem Bild des bekanntem niederdeutschen Dichters verabschiede ich mich für heute von dieser abwechslungsreichen und interessanten Mecklenburgischen Metropole.
Das Titelbild zeigt die Bäckersfrau Mudder Schulten, die Dörchläuchting Adolf Friedrich IV von Mecklenburg-Strelitz die Brötchenrechnung präsentiert (so schrieb es jedenfalls Fritz Reuter in dichterischer Freiheit in seiner „Humoreske Dorchläuchting“)
Die Texte sind teilweise öffentlich zugänglichen Quellen (Wikipedia und Stadt Neubrandenburg) entnommen.
Ein idealer Ideengeber für meine Foto-Ausflüge ist der RBB. Vor Kurzem strahlte er einen Bericht über die Heilanstalten Hohenlychen aus. Bis dato hatte ich weder von Hohenlychen noch von den Heilanstalten etwas gehört. Aber an Lychen konnte ich mich vage erinnern. In der ersten Hälfte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts war ich schon mal dort und gespannt, wie es sich über die Jahrzehnte entwickelt hat.
Der Mitte des 13. Jahrhunderts gegründete staatlich erkannter Erholungsort Lychen liegt umgeben von viel Wasser inmitten des Naturparks Uckermärkische Seen und beheimatet rund 3.000 Einwohner (übrigens seit nunmehr 110 Jahren konstant). Zu den wichtigsten Erwerbszweigen gehörte in der Vergangenheit die Flößerei. Mit Gründung der Heilanstalten wurde der Tourismus zum wichtigen Wirtschaftszweig der Stadt und der Region.
An einem sonnigen Samstag mache ich mich auf den Weg in den Nord-Westen Brandenburgs. Zunächst geht es mit dem RegionalExpress nach Fürstenberg an der Havel. Dort angekommen begebe ich mich erst einmal auf die Suche nach der Bushaltestelle. Als der Bus dann kommt werde ich daran erinnert, in der Provinz zu sein. Die Plätze reichen gerade für uns 10 wartenden Fahrgäste. Wie heißt es so schön: „Platz ist in der kleinsten Hütte“.
Nach einer 30minütigen Fahrt durch waldreiches Gelände treffen wir am Marktplatz in Lychen ein und ich beginne meinen Rundgang am Rathaus.
Das 1748 im Barockstil errichtete Rathaus erinnert mich stark an das Angermünder Rathaus
St. Johanneskirche
Die evangelische Stadtkirche St. Johann wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts als Feldsteinkirche errichtet und über die Jahrhunderte ausgebaut. Obwohl als offene Kirche ausgewiesen hatte ich keine Gelegenheit zur Besichtigung. Vielleicht beim nächsten Besuch.
Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Deutschland diverse Heilstätten zur Behandlung der Tuberkulose. So auch in Hohenlychen am Zennssee. Mit viel Sonnenlicht, sauberer Luft und einer ausgewogenen Ernährung wurden die Erkrankten behandelt.
1902 erwarb Gottfried Pannwitz, der Gründer des Zentralkomitees zur Errichtung von Heilstätten, ein Grundstück in Hohenlychen, auf dem bis zur Mitte der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts 47 Gebäude errichtet wurden.
Während der beiden Weltkriege wurde die Einrichtung als Lazarett genutzt. Nach 1945 zog hier bis 1993 die Rote Armee ein und nutzte das Gelände als Lazaret und Geburtsstation. Danach verfiel das Ensemble. 2009 kaufte ein Freiberger Bauuntenehmer das Gelände und baute Mietwohnungen und Ferieneinrichtung.
PannwitzgrundschuleMietwohnungenVerwaltungsgbäudeKaiserin Auguste Victoria Parkresidenz
Mit dieser Botschaft beende ich meinen heutigen Ausflug. Lychen ist einen Ausflug und einen Urlaub wert. Texte sind teilweise Wikipedia entnommen.
Nun lebe ich schon knapp 20 Jahre in Berlin und entdecke erst jetzt diese Stadt so richtig. Angeregt durch den Besuch des Pankower Museums in der Prenzlauer Allee stoße ich auf zwei Zeugnisse des häuslichen Lebens im Prenzlauer Berg um 1900, die gegensätzlicher kaum sein können. In der Dunckerstraße 77 unweit des Helmholtzplatzes liegt im ersten Stock die Museumswohnung mit der Dauerausstellung „Zimmermeister Brunzel baut ein Haus“, die Lebensverhältnisse der weniger begüterten Einwohner Berlins zeigt. Damit kontrastierend überrascht die Museumswohnung in der Heynstraße, ebenfalls im ersten Stockwerk gelegen, mit dem Prunk der begüterten Schichten.
Der wirtschaftliche Aufschwung und die Industrialisierung Berlins beförderte den Zuzug Hunderttausender aus den ländlichen Gebieten in Brandenburg, Pommern, Schlesien, Sachsen sowie aus der Region Posen (es gab also bereits damals Migration). Innerhalb der Stadtmauern Berlins reichte der Raum seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr aus, den Wohnungsbedarf zu decken und man wich in die umliegenden Gemeinden aus. Um den ständig steigenden Bedarf zu decken entwickelte sich eine standardisierte Bauweise. Gehe ich durch den Prenzlauer Berg sehe ich einen hohen Anteil von sich ähnelnden Fassaden. Um den vorhandenen Baugrund effektiv zu nutzen entstand die berühmte/berüchtigte Hinterhofbebauung. So ein Wohnkomplex bestand und besteht unverändert aus dem Vorder- und Seitenhaus sowie mindestens einem Hinterhaus. Im Vorderhaus wohnte die Mittelschicht. Je weiter nach hinten desto geringer wurden die finanziellen Mittel der Mieter.
Ende des 19. Jahrhunderts herrschte ein Bauboom in Berlin. Überall wurden Wohnungen für die ständig steigende Bevölkerung gebaut. Dieser Boom motivierte den Zimmermeister Brunzel, in der Dunckerstraße 77, in der Nähe des Helmholzplates, ein Grundstück zu erwerben und ein Mietshaus zu bauen. Zwei Zimmer, Küche war die Standardgröße der Wohnung, in der Eltern mit im Durchschnitt drei und mehr Kindern lebten.
Schlafhimmer für die ganze FamilieGewaschen wurde sich in der Waschschüssel.Wohnküche. Hier spielte sich das tägliche Leben abKühlschrankKochstelleDas Badezimmer in Form einer ZinnwanneWasserklosett, eine Seltenheit zu damaliger Zeiteinfacher Kachelofen in der guten StubeBlick in den Innenhof
Im Jahre 1863 errichtete der Stuhlrohrfabrikant Fritz Heyn das Wohnhaus in der Heynstraße 8. Im ersten Stock im Vorder- und Seitenhaus wohnte der Unternehmer mit seiner Frau und seinen Kindern auf über 200 qm. Über die Jahre wuchsen hier insgesamt 16 Kinder auf. Zwei Töchter lebten bis zu ihrem Tod im Jahre 1972 in dieser Wohnung, ohne dass es zu wesentlichen Veränderungen kam. Das Haus fiel nach dem Tod der Töchter an die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV). Diese beauftragte ihre Maler-Brigade, die Wohnung zu renovieren. So wie es bei Mieterwechsel üblich ist. Nach betreten der Wohnung weigerten sie sich aus gutem Grund, den Auftrag auszuführen. Das Haus wurde anschließend unter Denkmalschutz gestellt und seit 1984 steht die Wohnung in der Beletage der Öffentlichkeit als Museum zur Verfügung.
Herrenzimmer
Gleich zu Beginn meines Rundgangs durch die Wohnung bin ich über den Prunk der einzelnen Zimmer dieser Wohnung beeindruckt. Es beginnt mit dem Herrenzimmer, in dem sich die Herren der Schöpfung zu weltbewegenden Gesprächen über Gott und die Welt zurückzogen.
Salon
Der Salon diente, wie das Herrenzimmer, reinen repräsentativen Zwecken. Gewohnt wurde im sogenannten Berliner Zimmer.
Kachelofen aus der Herstellung eines Ofenbauers aus Neustrelitz (Mecklenburg)Ofenrelief – Fugger verbrennt die Schuldscheine Kaiser Karls des fünftenPolyphonDiese Registrierkasse hat keinen Bezug zur Wohnung. Fand ich nur toll!
Das Berliner Zimmer ist eine Besonderheit des Berliner Wohnungsbaus. Es verbindet das Vorder- mit dem Nebenhaus. Trotz der Größe verfügt es nur über 1 Fenster zum Innenhof. Hier spielte sich das tägliche Leben der Bewohner ab.
Küche
Badezimmer
Diese Wohnung hatte ein sehr luxeriöses Badezimmer mit einer fest eingebauten Badewanne und einer Wassertoilette.
Gartenlaube im Hinterhof, hier spielten die Kinder der Familie Heyn. Heute nutzen die Mieter den Garten.
Dank den netten Damen in beiden Museen für deren indiviuelle Führung und die Hintergrundinformationen.
Seit Wochen hat die Sonne Urlaub genommen. Die tiefhängenden grauen Wolken drücken mir auf das Gemüt und verleiden mir den täglichen Spaziergang. Es muss etwas passieren! Aber was und wo? Einer meiner Lieblings-Krimiserien ist Soko-Wismar auf ZDF und schon ist die Idee geboren. Raus aus Berlin, hin an die Ostsee!
Wismar besuchte ich erstmalig Anfang 1990 anlässlich eines Verwandtenbesuchs und dann unregelmäßig zwischen 1990 und 1995. In meiner Erinnerung war es eine ansprechende Stadt mit großem Sanierungspotenzial. Mitte Dezember habe ich mich von der Entwicklung Wismars hin zu einer sehenswerten und reizvollen Stadt überzeugen können.
Mit dem Regionalexpress 5 geht es ab Ostkreuz durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zur alten Hansestadt an der Wismarer Bucht. War es in Berlin noch trübe mit leichtem Nieselregen überrascht mich die Stadt der norddeutschen Backstein-Gotik mit aufgelockerter Bewölkung. Das Wetter ist an den Küsten eben doch besser!
Die im 13. Jahrhundert gegründete Stadt war früh Mitglied der Hanse und blühte wirtschaftlich im Spätmittelter auf. Nach dem 30jährigen Krieg kam Wismar unter schwedische Herrschaft, aus der sie de jure 1903 entlassen wurde. Das jährliche Schwedenfest erinnert an diese Zeit und lockt in „normalen Zeiten“ unzählige Touristen an.
Seit Jahrhunderten spielt der Hafen eine zentrale Rolle. Nach 1945 spezialisierte sich der zweite Hafen der DDR auf den Umschlag von Massengütern. Die Werftindustrie geht auf die Gründung eines Schiffsreparturbetriebes der Roten Armee zurück.
Heute leben rund 43.000 Einwohner in der Stadt und finden in der industriellen Hafen- und Schiffswirtschaft, in der Holzverarbeitung, der Solarindustrie und nicht zu vergessen in der Touristik Beschäftigung.
Zentrum des altstädtischen Lebens ist der rund 1 qm große, fast quadratische Marktplatz. Er ist mit seiner Randbebauung im Zusammenspiel mit den Nebenstraßen ein Zeugnis der Bedeutung der Stadt. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde er als Parkplatz misbraucht. In heutigen Zeiten findet hier der Wochenmarkt statt und, wie man sehen kann, der jährliche Weihnachtsmarkt.
Am Markt 20 – Restaurant An der Wasserkunst / rechts: Giebel „Alter Schwede, Am Markt 22Am Markt 28Am Markt 29 mit Hirsch-ApothekeWestseite des Marktes mit BürgerService Center
Die Wasserkunst
Größte Herausforderung einer Stadtverwaltung war in allen Zeiten die Organisation der Wasserversorgung. Die Stadtväter versuchten es mit kleinen Brunnen. Als dies nicht mehr reichte entschieden sich die Oberen, Quellwasser durch hölzerne Wasserrohre in ein Sammelbecken auf dem Markt zu leiten. In dem Zusammenhang erfolgte gegen Ende des 16. Jahrhunderts der Bau der Wasserkunst auf dem Marktplatz, die zum Wahrzeichen von Wismar avancierte.
Rathaus
Das markanteste Gebäude des Marktplatzes ist für mich das klassizistische Rathaus von 1819.
Weitere Impessionen der Altstadt:
Löwen-Apotheke am SpringbrunnenLöwen Apotheke Hinter dem Rathaus 3Hotel Wismar mit Fischrestaurant/ ehemaliges Clublokal des Kiwanis Club WismarWassertor – Gotisches Hafentor von 1450Alte Stadtmühle WismarGymnasiumAlter SchwedeEhemaliges Brauhaus Konsul Häussler aus dem 14./15. Jh.
Preisfrage: Wo wurde das erste Karstadt-Kaufhaus eröffnet? Na klar, in Wismar. Hieran erinnert eine Sonderausstellung im Schaufenster des Hauses.
Lindengarten
Bei meinen Streifzügen durch die Stadt stoße ich auch auf den unter Denkmalschutz stehenden Lindengarten, gelegen am Mühlenbach. Dank spendenfreudiger Wismarer Bürger wurde im Jahr 1815 auf dem Geländer einer ehemaligen schwedischen Befestigungsanlage dieser Park errichtet.
LetzterTurm – WasserturmIm 15. Jahrhundert als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung erbaut
Fürstenhof
Im 16. Jahrhundert fassten die Herzöge von Mecklenburg die weitsichtige Entscheidung, einen Sitz in der aufstrebenden Hansestadt an der Ostsee zu errichten. Die Realisierung erfolgte in zwei Bauabschnitten in der Nähe der St. Georgenkirche. Es entstand ein „bedeutendes Bauwerk der mecklenburgischen landesfürstlichen Residenzarchitektur. Es stellt nicht nur das erste bedeutende Renaissance-Bauwerk Mecklenburgs dar, sondern bildet auch den stilbildenden Prototyp des Johannn-Albrecht-Stils, dem für diese Epoche große regionale Bedeutung zukommt“ (Quelle: Wikipedia). Mit Beginn der Schwedenherrschaft über Wismar endete die Nutzung des Fürstenhofs durch die mecklenburgischen Herzöge. Heute ist er des Amtsgerichts Wismar.
Wismars Kirchen
Gleich um die Ecke treffe ich auf zwei bedeutende und beeindruckende Kirchenbauwerke, die St. Georgen-Kirche sowie den St. Marienkirchtur.
St. MarienkirchturmSt. Georgenkirche
Die dritte im Bunde der Backsteinkirchen ist die Kirche St. Nikolai gegenüber des Schabbel-hauses.
Auf die Kirchen sowie das Stadtgeschichtliche Museum im Schabbelhaus gehe ich in separaten Beiträgen ein.
Vor mehr als 1.700 Jahren verirrten sich Ritter des Templerordens aus Jerusalem in den kalten und ungemütlichen Norden Deutschlands und siedelten auf dem Teltow, einer geologischen Hochfläche in Brandenburg und Berlin. Hier gründeten sie im 1200 Jahrhundert die Kompturei Tempelhof, zu der die Dörfer Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde sowie ein Hof im späteren Rixdorf und ein Vorwerk in Treptow gehörten. Zentrum der Konturei war der burgähnliche Komturhof in Tempelhof. In der Nähe stand die Komtureikirche, die zugleich als Dorfkirche diente und bis heute als Dorfkirche Tempelhof trotz starker Kriegsbeschädigungen erhalten geblieben ist.
Die Dorfkirche Tempelhof liegt abseits des alten Dorfkerns von Tempelhof und ist die älteste der drei Evangelischen Kirchengemeinden Tempelhofs.
Ich bin fasziniert von Friedhöfen. Friedhöfe empfinde ich als das Spiegelbild unserer Gesellschaft und unseren Umgang mit den Verstorbenen. Auch auf diesem Kirchhof fand ich interessante Grabstätten.