Auf der Suche nach dem Frohnauer Waldsee

Was macht man als gestresster Berliner bei wunderschönem Wetter? Man fährt ins Grüne – und so mache ich mich Ende Mai auf zur Gartenstadt Frohnau. Frohnau wurde zwischen 1908 und 1910 von der Berliner Terrain-Centrale, die vom oberschlesischen Fürsten Guido Henckel von Donnersmark initiiert wurde, rund um das neue Bahnhofsgebäude der Berliner Vorortbahn angelegt.

Ich starte am besagten Bahnhofsgebäude zwischen dem Ludolflinger und Zeltinger Platz mit dem Ziel des 1908 angelegten Ludwig-Lesser-Parks.

Weiter geht es vorbei am Sportplatz an der Schönfließer Straße und der Reit- und Springschule entlang der S-Bahn-Strecke zum Mauerweg.

Kurz vor der Landesgrenze zu Brandenburg überquere ich die Oranienburger Chausssee und folge der Utestraße und damit dem ehemaligen Mauerweg. vorbei an einer Gedenktafel für die Opfer der Mauer und dem ehemaligen Grenzzentrum Hohen-Neuendorf.

Bevor ich dann fast im märkischen Sand versinke.

Nach gut zwei Stunden und 8 km kehre ich im Restaurant „Rabenhorst“ am Frohnauer Pilz zur wohlverdienten Rast ein. Es war eine schöne, durch das Wetter begünstigte Tour. Nur den Frohnauer Waldsee habe ich verpasst. Anlass genug, es nochmal zu versuchen.

Friedenau – Ein Spaziergang durch einen verträumten Ortsteil

Angeregt durch einen Bericht im RBB schnappte ich mir vor einigen Wochen meinen Fotorucksack und machte ich mich auf den Weg nach Friedenau. Der verhältnismäßig zentral gelegene Ortsteil Friedenau ist der jüngste und kleinste Ortsteil Berlins und zugleich der dichtbesiedeltste. Zur Zeit der Reichsgründung wurde hier „auf der berühmten grünen Wiese“ ein neuer Stadtteil geplant und errichtet. Die Grundbesitzer waren verpflichtet, Stadtvillen als bezahlbaren Wohnraum zu errichten. Ein Teil dieser Stadtvillen sind erhalten geblieben. Ende des 19. Jahrhunderts gab es aufgrund der rasch wachsenden Einwohnerzahl Wohnungsnot (wie sich die Zeiten ähneln). Die Stadtvillen wurden teilweise abgerissen und ersetzt durch 5-geschossige Wohnhäuser.

Noch heute prägt die Mischung von einfachen Landhäusern und mehrgeschossigen Mietshäusern das Bild dieses Ortsteils und verleiht ihm ein ganz besonderes Flair.

Friedenau entwickelte sich aufgrund der zentrumsnahen Lage schnell zu einem bevorzugten Wohnort von Künstlern, Schriftstellern, Schauspielern, Musikern aber auch von Politikern.

Ich starte meinen Rundgang am Varziner Platz auf der Südseite der S-Bahn-Station. Dieser Platz wurde nach dem Ort Varzin in Ostpreußen benannt, in dem der damalige Reichskanzler Otto von Bismarck ein Rittergut besaß.

Ich konzentriere mich auf das Dreieck mit der S-Bahn im Norden, der Bundesallee im Westen und der Haupt- bzw. Rheinstraße im Osten.

Durch das Wagnerviertel (daher auch der Name „Brünnhildstraße) schlendere ich zum Cosimaplatz, benannt nach der Ehefrau von Richard Wagner. Auf dem umliegenden Gelände befand sich bis 1904 eine 500 m lange Radrennbahn aus Zement.

Sarazinstraße

Das Corps Teutonia, gegründet 1870, war eine Berliner Studentenverbindung im Weinheimer Senioren-Convent. Im Corps Teutonia konnte jeder immatrikulierte Student einer Berliner Hochschule aktiv werden, unabhängig von seiner Herkunft, Religion, Weltanschauung oder Staatsangehörigkeit.
Die Prinzipien des pflichtschlagenden Corps Teutonia waren das Toleranzprinzip, Leistungsprinzip und Gesellschaftsprinzip. Der Wahlspruch des Corps war „amico pectus, hosti frontem“ (dem Freund die Brust, dem Feind die Stirn).

In der Albestraße, benannt nach dem Nebenfluss der Saar, lebten unter anderem der Komponist und Dirgent Max Bruch sowie der Schauspieler Max Schreck (Nosferatu).

Die Handjerystraße, benannt nach Nicolaus Prinz Handjery (Preußischer Politiker) bildet zusammen mit der Stubenrauchstraße die für Friedenaus Staßenstruktur typische U-Form der Carstenn-Figur. In der Handjerystraße 2 stürzte während der Luftbrücke ein „Rosinenbomber“ ab.

Die Friedich-Bergius-Schule am Perelsplatz, benannt nach dem Chemiker Friedrich-Bergius, ist heute eine integrierte Sekundarschule. Der repräsentative und historisierende Bau (Grundsteinlegung 1901, Einweihung 1903) weist sowohl Anklänge an die beginnende Moderne wie auch Reminiszenzen an die Renaissance auf und ist reich mit Skulpturen versehen. Trotz einiger Schäden im Zweiten Weltkrieg sind wesentliche Ausstattungsdetails erhalten geblieben. Die Schule ist die älteste Lehranstalt Friedenaus und wird als Denkmal geführt.

Der Perelsplatz ist benannt nach Justus Julius Perels, Justiziar der Bekennenden Kirche, der im April 1945 von der Gestapo erschossen wurde.

Der Renée-Sintenis-Platz liegt mitten in Friedenau und erinnert seit 1967 an die gleichnamige Bildhauerin, Medailleurin und Grafikerin (1888 – 1965), die in Berlin lebte und wirkte. Sie schuf vor allem kleinformatige Tierplastiken, weibliche Aktfiguren, Porträts (Zeichnungen und Skulpturen) sowie Sportstatuetten. Von ihr stammt auch das bronzene „Grasende Fohlen“, seit 1929 auf „ihrem“ Platz aufgestellt. Das Folen braucht sich um sein Futter keine Gedanken zu machen. Regelmäßig kommen die Kinder der Umgebung und sorgen für ausreichend frisches Gras.

Kirche zum Guten Hirten auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz

Die evangelische Kirche „Zum Guten Hirten“ wurde zwischen 1891 und 1893 im neugotischen Stil errichtet und bietet 940 Personen Platz. Der Friedrich-Wilhelm-Platz bildet das topographische Zentrum Friedenaus und wurde nach dem Deutschen Kaiser Friedrich II beannnt.

Dankbar bin ich dem Internet und insbes. Wikipedia für all die hier verarbeiteten klugen Informationen.

Jesuskirche in Alt-Kaulsdorf

Es gibt in den  heutigen Tagen nichts langweiligeres und nervigeres als zu Hause zu bleiben. Also mache ich mich auf Schusters Rappen auf den Weg zum Dorfanger in Alt-Kaulsdorf mit der Evangelischen Dorfkirche, seit  1912 mit dem Zusatz „Jesuskirche“.

Die Anfänge gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Sie gehört damit im Kern zu den ältesten Dorfkirchen auf dem Gebiet des heutigen Berlins. In den letzten Jahrhunderten wurde sie mehrfach umgebaut, erweitert und erneuert.  

Dreiteilige Backstein-Turmanlage im neugotischen Stil, 1876 eingeweiht
Westportal

Der Kircheninnenraum ist reichlich ausgestattet. Der Altar wurde 1656 nach dem Dreißigjährigen Krieg neu errichtet.  

Die barocke Kanzel wurde 1688 angeschafft. Das hölzerne Kunstwerk eines Schreinermeisters aus Köpenick ersetzte die im Dreißigjährigen Krieg untergegangene Kanzel. Ein Berliner Kunstmaler gestaltete die Kanzel dann farblich. 1716 erhielt sie ihren heutigen Platz. Sie wurde im 20. Jahrhundert noch zweimal überarbeitet und farblich erneuert. Die Inschriften weisen sie als eine typische evangelische Kirche aus.

Die erste Orgel wurde 1827 in die Kirche eingebaut. Sie stammte aus der Werkstatt von Carl August Buchholz.
1912 wurde diese Orgel durch einen Neubau der Gebrüder Dinse abgelöst 1958 wurde die Dinse-Orgel durch die Orgelbauer der Firma Sauer aus Frankfurt (Oder) im barocken Stil umgebaut.

Diese auf der Westempore installierte Dinse-Orgel genügte den gestiegenen Ansprüchen nach fast 100-jährigem Gebrauch nicht mehr. Daher beschloss der Gemeindekirchenrat den Neubau der Orgel, mit dem die Firma Orgelbau Sandtner aus Dillingen a.d. Donau beauftragt. Erhaltenwerte Teile der Dinse-Orgel wurden aus ästhetischen und denkmalpflegerischen Gründen in dem neuen Instrument wieder verwendet. Die Orgel wurde mit einem festlichen Konzert am 10. Oktober 2010 eingeweiht.

Sandtner Orgel, eingeweiht 2010

Auf zwei Seiten ziehen sich Emporen entlang. Sie wurden zu verschiedenen Zeiten errichtet und dienten unter anderem auch der Platzerweiterung. Als erstes entstand an der Westseite ein Chor für die Knechte, der 1827 zur Orgelempore umgebaut wurde. Um 1640 entstand die Süd-Empore als Chor der Jugend.
Die aktuelle Fassung der Emporen stammt aus den Jahren 1979/1980.

Textquelle: Wikipedia

Dresden – Ein Streifzug durch Oberloschwitz

Über die Jahrtausendwende arbeitete ich einige Jahre in Dresden und wohnte hoch oberhalb der Elbe in Oberloschwitz / Weißer Hirsch mit einem phantaschen Blick auf das Elbtal und Dresden.

Loschwitz ist einer der Dresdner Villengegenden am rechten nordöstlichen Elbufer „neben“ dem Weißen Hirsch.

Dieser Tage entschied ich mich für einen Tagesausflug zu meiner damaligen Wirkungsstätte. Mein Fokus lag auf der Villengegend von Oberloschwitz und Weißer Hirsch.

In Dresden angekommen fahre ich mit der Straßenbahn vom Dresdner Hauptbahnhof zum Schillerplatz. Seit meinem letzten Besuch, der viele Jahre zurückliegt, hat sich viel getan in dieser wunderschönen Stadt. An allen Ecken und Kanten wird viel gebaut, vorwiegend Eigentumswohnungen.

Am Schillerplatz, einem historischen Dorfanger, starte ich meinen Streifzug. Heute ist der Schillerplatz an der südlichen Zufahrt zum Blauen Wunder ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Zwei Straßenbahn- und drei Buslinien teilen sich den begrenzten Platz mit dem Individualverkehr.

Vom Schillerplatz spaziere ich über die Loschwitzbrücke, besser bekannt als Blaues Wunder. Wie kam es zu diesem Namen? In Wikipedia wird es wie folgt erläuter:
„Am 5. April 1936 verbreiteten die Dresdner Nachrichten in einem Beitrag, dass die Brücke ursprünglich mit einer Mischfarben Kobaltblau und Chromgelb grün angestrichen gewesen sei und sich die Gelbanteile durch Witterungseinflüsse verflüchtigt hätten; nur das Blau sei übrig geblieben Diese Zeitungsente wurde für bare Münze genommen und entgegen den historischen Fakten in der Folgezeit wiederholt und weiter ausgebaut. So sprachen andere Quellen nur noch von der Sonneneinstrahlung, durch die sich die Gelbanteile verflüchtigt hätten. Der Kunsthistoriker Volker Helas merkte dazu an: „Warum hätte man denn eine grüne Brücke Blaues Wunder genannt?“[

Am Körnerplatz auf der Loschwitzer Elbseite angekommen steige ich in die Standseilbahn, die mich in die Villengegend in Oberloschwitz bringt.

Zum Abschluss dieses Streifzugs mit unvergesslichen Erinnerungen an meine Zeit in Dresden geht es zum schönsten Milchladen der Welt, der Pfunds Molkerei.

Alt-Treptow – Streifzug entlang des Mauerwegs

Bevor der für heute Abend angekündigte Orkan in Berlin eintrifft mache ich mich auf den Weg nach Alt-Treptow. Ich starte in der Bouchéstraße und folge dem Mauerweg, der hier Treptow und Kreuzberg im Nord-Westen und Treptow und Neukölln im Süd-Westen trennt.
Ende des 19. Jahrhunderts wandelte sich die Landgemeinde Treptow in einen beliebten Gewerbe- und Industriestandort. Beispielhaft genannt seien die Agfa – Werke am Lohmühlenplatz und die Lampenfabrik Ehrich & Graetz OHG in der Elsenstraße.

Wo sich Industrie ansiedelt besteht Bedarf an Wohnraum. So entstanden hier zahlreiche sogenannte „Mietskasernen“ für die Arbeiter. Nicht alle dieser Gründerzeithäuser überstanden den Zweiten Weltkrieg und den Kahlschlag auf dem Grenzstreifen. Auf den Freiflächen des Grenzstreifens, insbesondere Entlang des Landwehrkanals, wurden seit den 90er Jahren Wohnungen neu gebaut und lockten neue Bewohner an. Ich kann mir vorstellen, dass dies nicht überall auf ungeteilte Freude trifft.

Alt-Treptow ist ein erlebenswerter Ortsteil mit einer Mischung aus Historie und Moderne. Ich werde sicherlich wieder hierher kommen.

Streifzug durch das Ortszentrum von Johannisthal

Es ist mal wieder ein trüber Tag in Berlin und es steht die Frage, was mache ich? Für den PC fehlt mit die Motivation also entschließe ich mich für einen Ausflug nach Johannisthal.

Johannisthal ist ein Ortsteil im Bezirk Treptow-Köpenick von Berlin. Johannisthal wurde im Zuge der inneren Kolonisierung Brandenburgs 1753 gegründet. Zu den Kolonisten gehörten Seiler aus der Pfalz. Vermutlich ist der Ortsteil nach dem Kolonienherrn Kammerrat Johann Wilhelm Werner benannt.

Johannisthal gilt als eine der Wiegen der deutschen Luftfahrt durch Eröffnung des zweiten Motorflugplatzes.

Von einem Ortszentrum im engeren Sinn kann heute keine Rede mehr sein. Die Grenzen zu den Nachbarortschaften ist fließend. Um die Evangelische Kirchengemeinde Johannesthal finden sich noch einige Zeugen der Vergangenheit:

Im von 1905 und 1906 erbauten historischen Rathaus von Johannisthal befindet sich seit Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts im zweiten Obergeschoss das Heimatmuseum von Johannisthal mit einer interessanten Ausstellung über die Geschichte des Ortsteils von der Gründung über die Industrialisierung bis zur Wende.

Es war ein schöner Tag, der mal wieder die Vielfalt der Millionenstadt Berlin zeigte.