Kontorhausviertel in Hamburg

Dort, wo sich das ehemalige Gängeviertel Hamburgs zwischen dem Messberg und der Steinsraße erstreckte entstand in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts das Kontorhausviertel.
Als Gängeviertel wurden die ehemaligen, eng bebauten Wohnquartiere in der Nähe des Hafens der Alt- und Neustadt Hamburgs bezeichnet. Hier wohnten, nein hausten die Hafenarbeiter mit ihren Familien in alten Fachwerkhäusern, die häufig nur über enge, verwinkelte Gänge zu erreichen waren. Hier herrschte bittere Armut. Die hygienischen Verhältnisse waren kastatrophal. Nach der Choleraepedemie 1892 entschied der Hamburger Senat den Abriss der Häuser und die Neubebauung. Ursprünglich war der Bau von Wohnungen geplant. Daraus entstanden dann die reinen Kontorhäuser. Das Wort Kontor ist die Hamburgische Bezeichnung für Büro.
Das Kontorhausviertel ist einer der beeindruckensten Stadtquartiere Deutschlands der 20er Jahre des voriegen Jahrhunderts .

Lage des Kontorhausviertels

Das bekannteste Gebäude ist das Chilehaus

Errichtet im Stil des Backsteinexpressionismus in den Jahren 1922 – 1924. Charakteristisch ist die an eine Schiffsform erinnernde Spitze an der Ostseite des Gebäudes. Das Gebäude beweist, das Backsteinarchitektur nicht langweilig sein muss. Mit seinen bis zu 10 Stockwerken ist das Chilehaus eines der ersten Hochhäuser Hamburgs.

Gleich gegenüber liegt der Sprinkenhof

Errichtet in drei Bauabschnitten in den Jahren 1927 bis 1942 war er zu der Zeit der größte Komplex der Stadt. Das Gebäude war Namensgeber der Immobilienverwaltungsgesellschaft der Stadt Hamburg.

Das dritte Gebäude am Burchardplatz, gegenüber des Sprinkenhofs, ist der Mohlenhof

In den Jahren 1927 und 1928 errichtet, überzeugt der Mohlenhof mit seiner einfachen Backsteinkunst und dokumentiert den Übergang vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit. Die glatte Klinkerfassade verzichtet auf die Ausschmückungen der anderen Gebäude und präsentiert sich mit einfach geschnittenen Fenstern.
Die überlebensgroße Figur stellt Merkur mit einer Kogge auf der Schulter und einer Hammonia in Form einer Frauengestalt in der Hand dar. Die Hammonia personifiziert die Stadt Hamburg. Rechts und links der Figur befinden sich fünf Reliefs, die die fünf Kontinente symbolisieren.

Südlich des Chilehauses liegt der Messberghof, bis 1938 Ballinhaus genannt

Das nach dem damals bedeutendsten Reeder Albert Ballin benannte Gebäude wurde 1924 am Messberg errichtet. 1938 erfolgte die Umwidmung in Messberghaus, da Albert Ballin nach damals herrschender Meinung die falsche Religion hatte.
Das 10stöckige Gebäude ist zurückhaltend dekoriert. Ende der 90er Jahre wurden die historischen Figuren durch moderne Werke ersetzt.

Polizeiwache am Klingeberg

An der süd-westlichen Ecke des Chilehauses wurde 1906-1908 die Polizeiwache errichtet und später vollständig in den Komplex des Chilehauses eingebunden. Das Gebäude war als Polizeiwache und Dienstgebäude der Landherrenschaft erbaut. Der Skulpturenschmuck, die Portalfiguren mit Früchten, Getreide und Fischen weisen auf diese Bestimmung hin. Der Architekt Albert Elbe folgt dem Vorbild Alt-Hamburger Bürgerhäusern des Barock.

Und

Hinweis: Bei der Beschreibung des Viertels und der Gebäude habe ich auf Formulierungen aus Wikipedia und der Homepage der Stadt Hamburg zurückgegriffen. Treffender hätte ich es nicht ausdrücken können. Ich hoffe, beide Quellen sehen es mir nach.

Hamburg und sein Gängeviertel

Angeregt von einem Roman über eine Hamburger Reederfamilie Ende des 19. Jahrhunderts begab ich mich mit einer Freundin auf die Spuren der handelnden Figuren. Gott sei Dank wurde das Gängeviertel Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Choleraepedemie 1892 abgerissen und saniert. Das letzte größere Gängeviertel wurde in den 1960er Jahren abgerissen. Heute finden sich noch einige wenige Zeugnisse der damaligen Zeit.

Als Gängeviertel wurden die besonders eng bebauten Wohnquartiere in der Altstadt und Neustadt innerhalb des Wallrings bezeichnet. In den Fachwerkhäusern wohnten Hafenarbeiter, Kleinhandwerker und Kleinhändler. Die Wohnungen waren nur durch schmale Straßen, durch verwinkelte und labyrinthartige Hinterhöfe, Torwege und namensgebende Gänge zu erreichen. Die Versorgung mit Wasser erfolgte entweder durch Wasserträger oder die Bewohner schöpften ihren täglichen Bedarf aus den Fleeten. In diese innerstädtischen Kanäle ergossen sich auch die Abwässer und der Unrat. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal und es grassierten Krankheiten und Epedemien, zuletzt 1892.

Das bekannteste Überbleibsel des Gängeviertels sind die aus dem 17. Jahrhundert stammenden Krameramtsstuben am Fuße des Michels. Das Krameramt war eine Gruppe von Kleinhändlern, die vornehmlich mit Gewürzen, Seidenstoffen und Eisenwaren handelten. Die Wohnungen dienten der Altersversorgung der Krämer – Witwen.

Ein weiterer Komplex des Gängeviertels liegt am Valentinskamp und umfasst das Gelände Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße. Anfang des 20. Jahrhunderts sollten die Gebäude abgerissen und das Gelände neu bebaut werden. Eine Volksinitiative setzte sich für den Erhalt und eine sinnvolle Nutzung, unter anderem durch künstlerische und kreative Aktivitäten, ein. Im Herbst 2013 wurde eine umfangreiche Grundsanierung eingeleitet.

Nachfolgend noch einige Impressionen aus dem ehemaligen Gängeviertel

Gleich neben den Krameramtsstuben steht das weltbekannte Wahrzeichen der Stadt Hamburg, der Michel.

Fotos: ROG, Für die Texte inspirierte mich Wikipedia.