„Erleben Sie eine der schönsten Renaissance-Städte Deutschlands und erkunden die einstige Residenzstadt an der Elbe. Spüren Sie die Aufregung in der Luft – Torgau ist Ausrichter der 9. Sächsischen Landesgartenschau vom 23. April bis 9. Oktober 2022. Hier beginnt Ihr Urlaub – Mit einem besonderen Gruß von Katharina Luther.“
Homepage des Torgau-Information-Centers
Dieses Versprechen macht mich neugierig und ich freue mich auf spannende und unvergessliche Eindrücke.
Vor einigen Wochen weilte ich „Auf den Spuren Luthers“ in Wittenberg und in meinem Artikel „Jüterbog – die Stadt zum Anstoss“ habe ich auf die Bedeutung dieser Region für die Reformation hingewiesen. Es liegt also nahe, sich auch Torgau zu widmen.
Eine weitere Fassette der geschichtsträchtigen Entwicklung dieser Stadt war die historische Begegnung amerikanischer und russischer Soldaten am 25. April 1945 an der Elbe.
Markt mit Rathaus und Umfeld
Mein erster Gang führt mich zum Markt und zur Tourist-Information. Eine freundliche junge Dame versorgt mich mit allem Erforderlichen für meine Erkundungstour. Bereits auf dem Weg bewundere ich die am Wegesrand aufgereihten Renaissance-Bauten. Schaut selbst.
Das in den Jahren 1563 bis 1578 im Stil der Renaissance errichtete gewaltige Rathaus ist der bedeutenste Profanbau der Stadt und gilt als schönstes Rathaus Sachsens. Ins Auge fällt der Erker auf der linken Seite.
Um den Marktplatz und den umliegenden Straßen begeistern die prächtigen Patrizierhäuser.















Ehemalige Nikolaikirche
Gleich um die Ecke soll die Nikolaikirche stehen. Aber wo genau? Ich gehe drei mal um den Block und bin verzweifelt. Keine Nikolaikirche zu sehen. Aha! Völlig verschämt hat sie sich im Rathaushof versteckt. Ist ja auch kein Wunder – sie ist eine Ehemalige! 1509 fand hier die erste deutsche Taufe statt. Ein Jahr später die erste evangelische Predigt. Später wurde sie säkularisiert und diente als Gewandhaus, Mehlwaage u. a.

Stadtkirche St. Marien
Die spätgotische Stadtkirche St. Marien (Baueginn um 1390) bestimmt zusammen mit dem Schloß die Stadtansicht. Katharina von Bora wurde in dieser Kirche begraben.













Schloss Hartenfels
Architektonisches Meisterwerk der Renaissance und nachgewiesener Ort der Refomationsgeschichte. Lange Zeit das modernste Wohnschloss Sachsens, war Hartenfels Austragungsort glänzender Feste, Landtage, Hochzeiten und schon seit Kurfürst Johann Friedrich ein bedeutender Ort der Musikpflege. Später, nachdem die sächsischen Kurfürsten von Dresden aus regierten, diente das Torgauer Schloss ganz anderen Zwecken u.a. als Kaserne.













Schlosskapelle
Die Torgauer Schlosskapelle ist der erste Neubau eines protestantischen Gottesdienstraums nach der Reformation und der erste von Luther am 05.10.1544 geweihte Kirchenbau. Damit ist sie von herausragender internationaler Bedeutung für die Reformation. Erbaut wurde sie im Auftrag von Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen. Er war ein glühender Anhänger Luthers.




Ungewöhnlich ist der Standort der Orgel oberhalb des Altars. Die gegenüberliegende Seite ist durch die dem Herrscher vorbehaltene Empore belegt. Die weltliche Macht steht über der kirchlichen? Geht gar nicht. Kurzerhand wurde der Altar auf der anderen Seite aufgestellt.
Die heutige Orgel stammt von 1994.
Herzstück bildet die gegenüber dem Portal hängende Kanzel. Sie empfängt die Besucher und dokumentiert den zentralen Stellenwert der Predigt.

Jugendwerkhof – Ein Haus der Jugendhilfe
In diesem Haus befand sich der einzige geschlossene Jugendwerkhof der DDR, eine Disziplinierungsanstalt der Jugendhilfe, die direkt dem Ministerium für Volksbildung und damit Margot Honecker unterstand. Während seines Bestehens vom 1. Mai 1964 bis zum 11. November 1989 wurden über 4.000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zur „Anbahnung eines Umerziehungsprozesses“ eingewiesen, die in anderen staatlichen Erziehungseinrichtungen negativ aufgefallen waren. Doch hatten sie weder Straftaten begangen noch gab es eine richterliche Anordnung für die Einweisung. Eiserne Disziplin und paramilitärischer Drill sollten eine Veränderung ihres Verhaltens bewirken, vor allem die Bereitschaft, sich den „sozialistischen Lebensnormen“ unterzuordnen.
Leider öffnet die Gedenkstätte erst am frühen Nachmittag. Bei meinem nächsten Besuch steht diese Gedenkstätte ganz oben auf meiner Liste.



Mit einem abschließenden Blick auf die Elbe verabschiede ich mich von der geschichtsträchtigen Stadt. Es wird nicht der letzte Besuch sein.

Dank an Wikipedia und der Tourist-Info für die Textanregungen.
Durch anklicken der Fotos können diese vergrößert werden. Einige Bildunterschriften sind auch auf weiterführende Erläuterungen verlinkt.
Titelbild: Tobias Bauer auf Pixabay
