Dort, wo der Fluß Tanger in die Elbe mündet thront hoch oben eine Burg, die 1009 erstmals als Tangermünde erwähnt wird. Sie gehörte zu einer ganzen Reihe von Burgen an der Elbe zum Schutz gegen die am anderen Elbufer siedelnden Slawen. Die Burg zählt noch heute zu den größten Höhenburgen Norddeutschlands.
Die Lage an der Elbe und die Mitgliedschaft in der Hanse förderten den Handel mit Tuchen, Getreide, Holz und anderen Waren. Dies überzeugte Kaiser Karl IV. (römisch-deutscher Kaiser und König von Böhmen) davon, die Tangermünder Burg für 5 Jahre zu seiner Zweit-Residenz zu wählen.
Der Wohlstand der Händler schlug sich auch in der Architektur nieder, wovon ich mich heute überzeugen kann.

Nach meiner Ankunft führt mich mein Weg zunächst zur Tourist-Info am Marktplatz. Kurz entschlossen buche ich eine Stadtführung.
Markt und Rathaus
Die wirtschaftliche Blüte im 15. Jh. ermöglichte den Bau des spätgotischen Rathauses mit seinem 24 m hohen Scheingiebel. Es zählt zu den architektonisch wertvollsten Profanbauten der Backsteingotik Norddeutschlands. Im Obergeschoss bewundere ich den Rathausfestsaal sowie die Ratsstube, heute als Trauzimmer genutzt. Im Erd- und Kellergeschoss hätte ich das Stadtgeschichtliche Museum besuchen können. Keine Zeit, wird nachgeholt.






Vor der Gerichtslaube steht das 2009 aufgestellte Denkmal von Grete Minde. Grete wurde 1593 geboren und entstammte einer angesehenen Patrizierfamilie. Nach dem Tode ihres Vaters wird sie um ihren Erbanteil gebracht. Als ein Brand in der Stadt ausbricht wird sie der Brandstiftung bezichtigt und nach Folter zum Tode verurteilt. 1619 wurde sie qualvoll hingerichtet. Später wird Grete rehabilitert. Theodor Fontane nimmt sich des Themas an und schreibt mit künsterlischer Freiheit die lesenswerte Novelle gleichen Namens.


Umgebung des Rathauses











Stadtmauer und Tore
Wie es sich für eine altehrwürdige Stadt gehört wird auch die Altstadt Tangermündes von einer fast komplett erhaltenen Stadtmauer, erbaut im 14. Jahrhundert, umgeben.
Wohlstand schürt Neid und lockt zwielichtige Gestalten an. Also braucht man Tore, in diesem Fall drei an der Zahl.
Neustädter Tor
Wenige Schritte die Kirchstraße hinunter begrüßt mich das impossante Neustädter Tor. Es gehört zu den schönsten mittelalterlichen Toranlagen Norddeutschlands. Der rechteckige Turm wurde um 1300 und der Rundturm sowie der Mittelbau um 1450 unter der Ägide von Kurfürst Friedrich I. errichtet. Auch damals waren die Herrscher bestrebt, ihre Waffentechnik weiter zu entwickeln. Irgendwann war das Tor nicht mehr nützlich und es zerfiel. Rund 450 Jahre später nahm sich Kaiser Wilhelm II. des Gebäudes an und sorgte für die Sanierung.







Roßfurt mit Elbtor
100 m langer Hohlweg, der die Elbe über das Elbtor mit der Stadt verbindet. Bis ins 19. Jh. war es der einzige Zugang für Pferd und Wagen zur Elbe.



Hünerdorfer Tor oder auch (Eulenturm) genannt
Von der hier befindlichen Doppeltoranlage blieb nur der 24 m hohe Wehrturm des Haupttors erhalten. Der untere rechteckige Teil stammt aus der Zeit um 1300. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Turm um einen achteckigen Aufsatz erweitert.

Schrotturm
Der im Mittelalter errichtete Wehrturm wurde 1825 durch einen Tangermünder Kaufmann auf eine Höhe von 47 m aufgestockt, um hier eine Schrotgießerei einzurichten, die bis Mitte des 19. Jh. Schrotkugeln herstellte.

Kirchstraße
Die Kirchstraße verbindet die St. Nikolai- (im Südwesten) und St. Stephanskirche (im Nordosten). Hier bewundere ich die zahlreichen restaurierten Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Aber auch die neu erbauten Gebäude sind sehenswert.











Tangemünder Burg / Schloß
An dieser Stelle stand ursprünglich die von Kaiser Karl IV. ab 1373 bewohnte Burg. Sie wurde 1640 durch schwedische Truppen zerstört. Der Preußenkönig Friedrich I. ließt um 1700 das heutige Gebäude als schlichtes Barockschloss errichten. Heute befindet sich hier ein 4-Sternehotel.










Bereits von Weitem grüßt der im 14. Jahrhundert errichtete Kapitelturm. Im 16. bis 18. Jahrhundert diente er als Getreidespeicher für das Berliner Domkapital. In 50m Höhe bietet sich ein phantastischer Ausblick in die umliegende Landschaft. Leider fehlt die Zeit für einen Aufstieg. Wird nachgeholt.



St. Stephanskirche

Die gotische dreischiffige Hallenkirche beeindruckt bei aller Bescheidenheit des Protestantismus´ mit ihrer dezenten Pracht. Seht selbst.
















St. Nikolaikirche
Gleich am Neustädter Tor treffe ich auf die St. Nikolaikirche. Aber was ist das? In großen Lettern wird auf schwarzen Tafeln für Schwanzbier geworben. Nun weiß man ja, dass anno dazumal aus hygienischen Gründen Bier statt Wasser getrunken wurde. Aber heute? Bei genauem Hinschauen löst sich das Rätsel.
Um 1200 wurde die Kirche dem Schutzpatron der fahrenden Kaufleute und Schiffer gewidmet und mit der Reformation entweiht. Seit dem hatte sie verschiedene Funktionen wie z.B. Garnison und Gefängnis. Heute befindet sich die „Zecherei St. Nikolai“ in diesem Gebäude.
Nun zum Schwanzbier: Seit altersher wurde das Wasser der Tanger zum Bierbrauen benutzt. Allerdings soffen auch die Rinder das Wasser der Tanger. Versuche, die Rindviecher zu vertreiben scheiterten und so hing mindestens ein Kuhschwanz im Wasser der Tanger.


Hafen Tangermünde
Der Mündungsarm der Tanger in die Elbe eignete sich hervoragend für die Anlage eines Hafens. Schifffahrt war für die Tangermünder seit jeher ein wichtiger Wirtschaftszweig. Neben Stückgut wurden Steinkohle, Kartoffeln, Getreide, Baumaterialien usw. umgeschlagen. Heute wird der Hafen von Sportbooten und der Fahrgastschiffahrt genutzt.



Wollt Ihr vertiefende Informationen? Dann kann ich die m. E. sehr informative Homepage der Tourist-Info, von der diesmal meine Texte stammen, empfehlen.
Dank an dieser Stelle der netten Dame für die informative und erhellende Führung durch die Altstadt. Sie hat neugierig gemacht und ich werde zur Vertiefung wieder kommen.


























































