Hamburg und sein Gängeviertel

Angeregt von einem Roman über eine Hamburger Reederfamilie Ende des 19. Jahrhunderts begab ich mich mit einer Freundin auf die Spuren der handelnden Figuren. Gott sei Dank wurde das Gängeviertel Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Choleraepedemie 1892 abgerissen und saniert. Das letzte größere Gängeviertel wurde in den 1960er Jahren abgerissen. Heute finden sich noch einige wenige Zeugnisse der damaligen Zeit.

Als Gängeviertel wurden die besonders eng bebauten Wohnquartiere in der Altstadt und Neustadt innerhalb des Wallrings bezeichnet. In den Fachwerkhäusern wohnten Hafenarbeiter, Kleinhandwerker und Kleinhändler. Die Wohnungen waren nur durch schmale Straßen, durch verwinkelte und labyrinthartige Hinterhöfe, Torwege und namensgebende Gänge zu erreichen. Die Versorgung mit Wasser erfolgte entweder durch Wasserträger oder die Bewohner schöpften ihren täglichen Bedarf aus den Fleeten. In diese innerstädtischen Kanäle ergossen sich auch die Abwässer und der Unrat. Die hygienischen Bedingungen waren katastrophal und es grassierten Krankheiten und Epedemien, zuletzt 1892.

Das bekannteste Überbleibsel des Gängeviertels sind die aus dem 17. Jahrhundert stammenden Krameramtsstuben am Fuße des Michels. Das Krameramt war eine Gruppe von Kleinhändlern, die vornehmlich mit Gewürzen, Seidenstoffen und Eisenwaren handelten. Die Wohnungen dienten der Altersversorgung der Krämer – Witwen.

Ein weiterer Komplex des Gängeviertels liegt am Valentinskamp und umfasst das Gelände Valentinskamp, Caffamacherreihe und Speckstraße. Anfang des 20. Jahrhunderts sollten die Gebäude abgerissen und das Gelände neu bebaut werden. Eine Volksinitiative setzte sich für den Erhalt und eine sinnvolle Nutzung, unter anderem durch künstlerische und kreative Aktivitäten, ein. Im Herbst 2013 wurde eine umfangreiche Grundsanierung eingeleitet.

Nachfolgend noch einige Impressionen aus dem ehemaligen Gängeviertel

Gleich neben den Krameramtsstuben steht das weltbekannte Wahrzeichen der Stadt Hamburg, der Michel.

Fotos: ROG, Für die Texte inspirierte mich Wikipedia.