so kann er was erzählen
Matthias Claudius
drum nehm ich meinen Hut und Stock
und tät das Reisen wählen“
Nach zwei Reisen in die zweitgrößte Stadt Belgiens habe ich in dreierlei Hinsicht etwas zu erzählen!
Bei meiner Reise Anfang Oktober entscheide ich mich für einen Flug vom BER nach Brüssel. Bei meiner Ankunft am „berühmtesten“ Airport in Europa weit vor dem Abflug scheint mir alles recht entspannt. Die Flugreisenden bewegen sich unaufgeregt durch das Gebäude. Allerdings ist mal wieder die Schlange vor der Sicherheitskontrolle sehr lang. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass das Personal vor der Kontrolle hilfreich lenkend eingreift. So bilden sich immer wieder lange Schlangen da sich die Reisenden vor einem Kontrollbereich stauen und damit den Zugang zu weniger frequentierten Kontrollstellen blockieren. Ich habe ja Zeit und beobachte das Ganze sehr entspannt.
Puh, geschafft! Jetzt schauen, an welchem Gate der Flieger parken wird. Wie das Schicksal es so will hat der aus Brüssel kommende Flieger 1 1/2 Stunden Verspätung. Danke für die zusätzliche Zeit zum relaxen.
Ganz anders auf dem Rückflug. Dort läuft es wie geschmiert – ankommen – Sicherheitscheck und auf den pünktlichen Abflug warten. Hier zeigt sich die langjährige Erfahrung und Routine der Beschäftigten.
Die zweite Herausforderung stellt die Reise Mitte November dar. Diesmal entscheide ich mich für die Fahrt mit dem Zug. Im Thallys zu sitzen und die Landschaft zu genießen war schon immer mein Traum. Blöd ist, dass ich meine Fahrt nach Belgien auf den Tag lege, an dem sich ein Zugunglück auf der Strecke ereignet, der zu tagelangen Sperrungen führt. Ich habe Glück im Unglück. Mein ICE nach Köln ist einer der wenigen, der fährt. Spätere Züge sind komplett gestrichen, was zu „Begeisterungsstürmen“ der gestrandeten Reisenden führt, insbesondere bei Reisenden zum Frankfurter Flughafen. Folgerichtig kommt es zu einem Ansturm auf die wenigen nicht reservierten Plätze der einzigen Verbindung.
Lange Rede kurzer Sinn. In Köln komme ich mit einer 3stündigen Verspätung an. Anschlusszüge nach Brüssel sind alle ausge- bzw. Überbucht. Eine nette Bahnangestellte trotzt dem Ansturm und drückt mir resolut einen Zettel in die Hand: „Hier sind ihre Verbindungen über Aachen. Gute Fahrt“. Gesagt getan.
Nach 15 Stunden betrete ich das Hotel in Gent und trinke erst einmal ein Leffe blond zum abschalten.
Damit komme ich zu meinem eigentlichen Thema und der Dritten Erzählung.
Gent – ein ganz besonderes Erlebnis

Gent ist mit seinen rund 260.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Belgiens und zugleich die Hauptstadt der Provinz Ostflandern. Sie blickt auf eine über 1400jährige Geschichte zurück. Im Mittelalter gehörte sie Dank des blühende Tuchhandels zu den größten und bedeutendsten Städte Europas. Am 24. Februar 1500 erblickte im Prinzenhof zu Gent der spätere Kaiser Karl V. das Licht der Welt.
Ihre ehemalige Bedeutung und ihr Wohlstand findet sich noch heute in den imposanten historischen Bauten wieder. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt glücklicherweise von Zerstörungen verschont.
Der nächste Tag führt mich zunächst zur Touri-Info am alten Fischmarkt. Hier verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Gleich gegenüber beeindruckt die
Gravensteen
Diese 1180 von Phillip von Elsass erbaute Trutzburg ist die einzig in Flandern erhalten gebliebene mittelalterliche Wasserburg mit einem nahezu vollständig intakten Verteidigungssystem.
Eine bisher so noch nicht erlebte Audioführung, eingesprochen vom Flämischen Comedian Wouter Deprez, führt mich auf eine kurzweilige Entdeckungsreise in und um die Burg herum. Deprez würzt die historischen Fakten mit komischen Anekdoten und vereinzelt mit Bezügen zur Gegenwart. Allen Gent-Reisenden empfehle ich diese Führung




Majestätische St. Bavo-Kathedrale
Gleich gegenüber meines Hotels beeindruckt mich diese Sehenswürdigkeit, die auf eine über 1000jährige Geschichte zurückblickt. Bereits im 10. Jahrhundert (Jh.). entstand hier das erste Kirchengebäude. Ab dem 12. Jh. folgte ein romanisches Bauwerk das im 15. und 16. Jh. in die Gotische St. Bavo-Kathedrale umgestaltet wurde.

Genter Altar, himmlisches künstlerisches Highlight
Gleich beim Betreten der Kirche zieht mich der 1432 enthüllte Altar (voller Titel: Die Anbetung des Lamm Gottes) der Gebrüder van Eyck in seinen Bann.








Kanzel
Die eindrucksvolle Rokoko-Kanzel stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.




Kruisbeukorgel
Die Orgel wurde zwischen 1653 und 1655 erbaut.

Altar im linken Seitenflügel


Genter Belfried – ein Weltkulturerbe
Diesen imposant wehrhaften Turm mit der eingebauten Tuchhalle hatte ich zusammen mit der gegenüberliegenden Kathedrale bereits bei meinem ersten Besuch Anfang Oktober erklommen. Laut Wikipedia wird ein hoher, schlanker Glockenturm als Belfried bezeichnet, der insbesondere für flämische Städte typisch ist. Der Genter Turm wurde im 14. Jh. erbaut und ist 95 m hoch. Er steht für Wohlstand und Unabhängigkeit.
Anfang des 15. Jhs. wurden die Stadtprivilien in einer Truhe im Erdgeschoss aufbewahrt.




Die Tuchhalle in eleganter Brabanter Gotik wurde 1907 fertig gebaut und „zelebriert den Industrieteil, dem Gent viel zu verdanken hat“.






Alter Fischmarkt
Gegenüber der Grafenburg (Grevensteen) befindet sich der Alte Fischmartk am Zusammenfluss von dem Lieve-Kanal und der Leie. Ab dem Spätmittelalter bis zu den 1960er Jahren verkauften Fischhändler hier ihre Waren. Er ist einer der ältesten Märkte in Gent. Ursprünglich befand er sich eigentlich auf dem Groentenmarkt, aber Ende des 17. Jahrhunderts zog er nach dem Sint-Veerleplein um.
In einem der restaurierten Häuser befindet sich die Tourist-Information.





St.-Michael-Kirche – Kirche mit Ursprung im 11. Jahrhundert
Eigentlich sollte die Kirche den höchsten Turm Gents erhalten. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Statt gewaltigen 134 m sind es nur dürftige 24 m geworden. 1828 erhielt der unvollständige Turm ein Flachdach. Leider war die Kirche geschlossen und ist damit ein Ziel für spätere Reisen.





St.-Nikolaus-Kirche
An der süd-östlichen Ecke des Korenmarktes steht die imposante St.-Nikolaus-Kirche erbaut aus Blaustein und zählt zu den schönsten Beispielen der Scheldegotik. Auffallend ist der Laternenturm. Er befindet sich nicht, wie üblich, über dem Eingang sondern in der Mitte des Gebäudes. Über den Turm fällt das Licht in das Querschiff. Leider habe ich den Eingang an der Stirmseite zum Korenmarkt gesucht. Da die Türen dort verschlossen sind gehe ich irrtümlicherweise davon aus, dass die Kirsche geschlossen ist. Sie steht jetzt ganz oben auf meiner to do Liste für den nächsten Besuch.






Königlich Niederländisches Theater
Hab ich mich jetzt verlaufen oder nur verschrieben. Wieso niederländisch? Ich bin doch in Belgien! Die Antwort finde ich auf der Homapge von Visit Gent:
„Das Theater am Sint-Baafsplein ist die Heimat von NTGent, einem europäischen Stadttheater, das fest verwurzelt ist in Gent. In jeder Saison bringt es mit seinem festen Ensemble aus flämischen und niederländischen Spitzenschauspielern eigene Theaterproduktionen auf die Bühne. Das Ensemble tritt auch außerhalb seines Sprachraums auf.“
Visit Gent




Korenmarkt
Ein geschichtsträchtiger Ort inmitten der Altstadt. Heute ist er ein beliebter Treffpunkt der Touristen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise. Hier benötigt man schon ein größeres Portemonnaie. Sicherlich auch vor 1000 Jahren, als hier Getreide gehandelt wurde.





Groenten Markt – historischer Platz und quirliger Treffpunkt
Auf diesem Platz fanden in Uhrzeiten Hinrichtungen statt. Heute ist es ein beliebter und belebter Platz für gemütliche Treffs. Mitten auf dem Platz steht eine alte Pumpe aus dem 19. Jahrhundert, die an einen Obelisken erinnert.







Weitere Genter Impressionen


















Voller Eindrücke und Bilder mache ich mich wieder auf die Rückreise. Bis Köln verläuft alles nach Fahrplan. Hier werde ich von der Realität eingeholt. Insgesamt dauert die Rückreise rund 14 Stunden.
Dank an Wikipedia und vor allem der Homepage von Visit Gent für die Text-Anregungen.






















































































































































































































































































































































