„Wenn jemand eine Reise tut

so kann er was erzählen
drum nehm ich meinen Hut und Stock
und tät das Reisen wählen“

Matthias Claudius

Nach zwei Reisen in die zweitgrößte Stadt Belgiens habe ich in dreierlei Hinsicht etwas zu erzählen!

Bei meiner Reise Anfang Oktober entscheide ich mich für einen Flug vom BER nach Brüssel. Bei meiner Ankunft am „berühmtesten“ Airport in Europa weit vor dem Abflug scheint mir alles recht entspannt. Die Flugreisenden bewegen sich unaufgeregt durch das Gebäude. Allerdings ist mal wieder die Schlange vor der Sicherheitskontrolle sehr lang. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass das Personal vor der Kontrolle hilfreich lenkend eingreift. So bilden sich immer wieder lange Schlangen da sich die Reisenden vor einem Kontrollbereich stauen und damit den Zugang zu weniger frequentierten Kontrollstellen blockieren. Ich habe ja Zeit und beobachte das Ganze sehr entspannt.

Puh, geschafft! Jetzt schauen, an welchem Gate der Flieger parken wird. Wie das Schicksal es so will hat der aus Brüssel kommende Flieger 1 1/2 Stunden Verspätung. Danke für die zusätzliche Zeit zum relaxen.

Ganz anders auf dem Rückflug. Dort läuft es wie geschmiert – ankommen – Sicherheitscheck und auf den pünktlichen Abflug warten. Hier zeigt sich die langjährige Erfahrung und Routine der Beschäftigten.

Die zweite Herausforderung stellt die Reise Mitte November dar. Diesmal entscheide ich mich für die Fahrt mit dem Zug. Im Thallys zu sitzen und die Landschaft zu genießen war schon immer mein Traum. Blöd ist, dass ich meine Fahrt nach Belgien auf den Tag lege, an dem sich ein Zugunglück auf der Strecke ereignet, der zu tagelangen Sperrungen führt. Ich habe Glück im Unglück. Mein ICE nach Köln ist einer der wenigen, der fährt. Spätere Züge sind komplett gestrichen, was zu „Begeisterungsstürmen“ der gestrandeten Reisenden führt, insbesondere bei Reisenden zum Frankfurter Flughafen. Folgerichtig kommt es zu einem Ansturm auf die wenigen nicht reservierten Plätze der einzigen Verbindung.

Lange Rede kurzer Sinn. In Köln komme ich mit einer 3stündigen Verspätung an. Anschlusszüge nach Brüssel sind alle ausge- bzw. Überbucht. Eine nette Bahnangestellte trotzt dem Ansturm und drückt mir resolut einen Zettel in die Hand: „Hier sind ihre Verbindungen über Aachen. Gute Fahrt“. Gesagt getan.

Nach 15 Stunden betrete ich das Hotel in Gent und trinke erst einmal ein Leffe blond zum abschalten.

Damit komme ich zu meinem eigentlichen Thema und der Dritten Erzählung.

Gent – ein ganz besonderes Erlebnis

Gent ist mit seinen rund 260.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Belgiens und zugleich die Hauptstadt der Provinz Ostflandern. Sie blickt auf eine über 1400jährige Geschichte zurück. Im Mittelalter gehörte sie Dank des blühende Tuchhandels zu den größten und bedeutendsten Städte Europas. Am 24. Februar 1500 erblickte im Prinzenhof zu Gent der spätere Kaiser Karl V. das Licht der Welt.

Ihre ehemalige Bedeutung und ihr Wohlstand findet sich noch heute in den imposanten historischen Bauten wieder. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt glücklicherweise von Zerstörungen verschont.

Der nächste Tag führt mich zunächst zur Touri-Info am alten Fischmarkt. Hier verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Gleich gegenüber beeindruckt die

Gravensteen

Diese 1180 von Phillip von Elsass erbaute Trutzburg ist die einzig in Flandern erhalten gebliebene mittelalterliche Wasserburg mit einem nahezu vollständig intakten Verteidigungssystem.

Eine bisher so noch nicht erlebte Audioführung, eingesprochen vom Flämischen Comedian Wouter Deprez, führt mich auf eine kurzweilige Entdeckungsreise in und um die Burg herum. Deprez würzt die historischen Fakten mit komischen Anekdoten und vereinzelt mit Bezügen zur Gegenwart. Allen Gent-Reisenden empfehle ich diese Führung

Majestätische St. Bavo-Kathedrale

Gleich gegenüber meines Hotels beeindruckt mich diese Sehenswürdigkeit, die auf eine über 1000jährige Geschichte zurückblickt. Bereits im 10. Jahrhundert (Jh.). entstand hier das erste Kirchengebäude. Ab dem 12. Jh. folgte ein romanisches Bauwerk das im 15. und 16. Jh. in die Gotische St. Bavo-Kathedrale umgestaltet wurde.

Genter Altar, himmlisches künstlerisches Highlight

Gleich beim Betreten der Kirche zieht mich der 1432 enthüllte Altar (voller Titel: Die Anbetung des Lamm Gottes) der Gebrüder van Eyck in seinen Bann.

Kanzel

Die eindrucksvolle Rokoko-Kanzel stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Kruisbeukorgel

Die Orgel wurde zwischen 1653 und 1655 erbaut.

Altar im linken Seitenflügel

Genter Belfried – ein Weltkulturerbe

Diesen imposant wehrhaften Turm mit der eingebauten Tuchhalle hatte ich zusammen mit der gegenüberliegenden Kathedrale bereits bei meinem ersten Besuch Anfang Oktober erklommen. Laut Wikipedia wird ein hoher, schlanker Glockenturm als Belfried bezeichnet, der insbesondere für flämische Städte typisch ist. Der Genter Turm wurde im 14. Jh. erbaut und ist 95 m hoch. Er steht für Wohlstand und Unabhängigkeit.

Anfang des 15. Jhs. wurden die Stadtprivilien in einer Truhe im Erdgeschoss aufbewahrt.

alles überragender Belfried, im Vordergrund die Tuchhalle

Die Tuchhalle in eleganter Brabanter Gotik wurde 1907 fertig gebaut und „zelebriert den Industrieteil, dem Gent viel zu verdanken hat“.

Alter Fischmarkt

Gegenüber der Grafenburg (Grevensteen) befindet sich der Alte Fischmartk am Zusammenfluss von dem Lieve-Kanal und der Leie. Ab dem Spätmittelalter bis zu den 1960er Jahren verkauften Fischhändler hier ihre Waren. Er ist einer der ältesten Märkte in Gent. Ursprünglich befand er sich eigentlich auf dem Groentenmarkt, aber Ende des 17. Jahrhunderts zog er nach dem Sint-Veerleplein um.

In einem der restaurierten Häuser befindet sich die Tourist-Information.

St.-Michael-Kirche – Kirche mit Ursprung im 11. Jahrhundert

Eigentlich sollte die Kirche den höchsten Turm Gents erhalten. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Statt gewaltigen 134 m sind es nur dürftige 24 m geworden. 1828 erhielt der unvollständige Turm ein Flachdach. Leider war die Kirche geschlossen und ist damit ein Ziel für spätere Reisen.

St.-Nikolaus-Kirche

An der süd-östlichen Ecke des Korenmarktes steht die imposante St.-Nikolaus-Kirche erbaut aus Blaustein und zählt zu den schönsten Beispielen der Scheldegotik. Auffallend ist der Laternenturm. Er befindet sich nicht, wie üblich, über dem Eingang sondern in der Mitte des Gebäudes. Über den Turm fällt das Licht in das Querschiff. Leider habe ich den Eingang an der Stirmseite zum Korenmarkt gesucht. Da die Türen dort verschlossen sind gehe ich irrtümlicherweise davon aus, dass die Kirsche geschlossen ist. Sie steht jetzt ganz oben auf meiner to do Liste für den nächsten Besuch.

Königlich Niederländisches Theater

Hab ich mich jetzt verlaufen oder nur verschrieben. Wieso niederländisch? Ich bin doch in Belgien! Die Antwort finde ich auf der Homapge von Visit Gent:

„Das Theater am Sint-Baafsplein ist die Heimat von NTGent, einem europäischen Stadttheater, das fest verwurzelt ist in Gent. In jeder Saison bringt es mit seinem festen Ensemble aus flämischen und niederländischen Spitzenschauspielern eigene Theaterproduktionen auf die Bühne. Das Ensemble tritt auch außerhalb seines Sprachraums auf.“

Visit Gent

Korenmarkt

Ein geschichtsträchtiger Ort inmitten der Altstadt. Heute ist er ein beliebter Treffpunkt der Touristen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise. Hier benötigt man schon ein größeres Portemonnaie. Sicherlich auch vor 1000 Jahren, als hier Getreide gehandelt wurde.

Groenten Markt – historischer Platz und quirliger Treffpunkt

Auf diesem Platz fanden in Uhrzeiten Hinrichtungen statt. Heute ist es ein beliebter und belebter Platz für gemütliche Treffs. Mitten auf dem Platz steht eine alte Pumpe aus dem 19. Jahrhundert, die an einen Obelisken erinnert.

Weitere Genter Impressionen

Voller Eindrücke und Bilder mache ich mich wieder auf die Rückreise. Bis Köln verläuft alles nach Fahrplan. Hier werde ich von der Realität eingeholt. Insgesamt dauert die Rückreise rund 14 Stunden.

Dank an Wikipedia und vor allem der Homepage von Visit Gent für die Text-Anregungen.

Magdeburg und seine Kirchen

In einem meiner letzten Artikel berichtete ich über meinen Ausflug in die Ottostadt Magdeburg. Heute widme ich mich ihren Kirchen, soweit noch existent.

Otto I, auch der Große genannt, gründete nicht nur die Stadt Magdeburg, sondern machte sie auch zur Bischofstadt. Sie spielte eine wichtige Rolle während der Reformation. Daher wundert es mich nicht, dass sie als Stadt der Kirchtürme galt. In den letzten Tagen des II. Weltkriegs wurden die Stadt und damit auch die Kirchen zerstört. Der Versuch des Wiederaufbaus der Sakralbauten in den 50er Jahren stieß auf wenig Zustimmung der Herrschenden. Im Sinne der Schaffung einer Sozialistischen Stadt fielen viele Kirchen und kirchliche Einrichtungen der Abrissbirne zum Opfer bzw. wurden gesprengt. Glücklicherweise nicht alle. So prägen heute „über ein Dutzend mittelalterliche Kirchen der Romantik und Gotik das Stadtbild“ (Quelle: Homepage der Stadt/ Kirchen in Magdeburg).

Magdeburger Dom

Der Magdeburger Dom ist der erste gotisch konzipierte Bau einer Kathedrale auf deutschem Boden, einer der größten Kirchenbauten Deutschlands überhaupt und die bekannteste Sehenswürdigkeit der Landeshauptstadt Magdeburg.

Quelle: Stadt Magdeburg

Die Wuchtigkeit dieser Kathadrale und ihre Präsenz im Raum beeindruckt mich. Dieses Gefühl steigert sich noch, nachdem ich eingetreten bin.

Johanniskirche

ist die älteste Pfarrkirche in Magdeburg mit Wurzeln ins 12. Jahrhundert. Im Januar 1945 wurde sie zerstört. Erst im Jahre 1991 begann der Wiederaufbau, der 1999 abgeschlossen wurde. Sie wird heute vorwiegend als Tagungs- und Veranstaltungshaus genutzt.

Kathedrale St. Sebastian

Die Kathedrale ist der Mittelpunkt des Bistums Magdeburg. 1015 begründet gehört sie zu den ältesten Kirchen Magdeburgs.

„Ökumenische Eintracht“

Über die Jahrzehnte habe ich unzählige Sakralbauten besucht und bestaunt. Nirgends ist mir bewußt die räumliche Nähe beider christlicher Kirchen so aufgefallen wie in der nördlichen Altstadt Magdeburgs. Im Karré des Wallonerbergs im Norden, der Neustädter Straße im Westen, der Straße Altes Fischerufer im Osten und der Grünanlage entlang des Schleinufers im Süden befinden sich die katholische Universitätskirche St. Petri sowie die beiden evangelischen Bauten der Wallonerkirsche sowie der Magdalenenkapelle. Verwundern tut mich das allerdings nicht. Alle dieser Gebäude wurden vor der Reformation errichtet.

Magdalenenkapelle

Den Beginn der Triologi bildet die Magdalenenkapelle. 1315 als Fronleichnamkapelle in hochgotischen Stil errichtet. Sie ist Gedenkort für Mechthild von Magdeburg.

Katholische Universitätskirche St. Petri

Im 12. Jahrhundert als Pfarrkirche des Fischerdorfes Frose errichtet. Mich beeindruckt die Kombination des vom Gründungsbau erhaltenen romanischen Wehrkirchturms mit dem gotischen Kirchenschiff.

Wallonerkirche

Die im 13. Jahrhundert gegründete Wallonerkirche liegt auf dem Areal des ehemaligen Augustinerklosters. Im Zweiten Weltkrieg zerstört begann 1967 der Wiederaufbau. Seit 2015 wird sie von mehreren evangelischen Gemeinden und Einreichtungen genutzt.

Im nicht kirchlich genutzten Teil finde ich eine informative Ausstellung zu den in der DDR-Zeit in Magdeburg gesprengten Kirchen.

Mein kleiner Kirchenspaziergang gibt einen kleinen Eindruck von den sakralen Schätzen, die auf jeden Fall eine Reise nach Magdeburg wert sind.

Ottostadt Magdeburg

Damit kein Irrtum entsteht. Gemeint bin nicht ich und auch nicht der Otto-Versand! Vielmehr entnehme ich Magdeburgs Homepage folgende Informationen:

„Als Lieblingspfalz Ottos des Großen war Magdeburg quasi die erste Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches. Otto machte Magdeburg zum Erzbistum, ließ den ersten Dom bauen und ist auch hier beerdigt.“

Dies macht mich neugierig, ich raffe mich auf und fahre mit dem RE 1 in die Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts. Andere hatten interesssanter Weise die selbe Idee und so ist der Zug Dank des 9€-Tickets bis auf den letzten Platz besetzt. Die 1 1/2 stündige Fahrzeit nutze ich, mich auf das kommende Erlebnis vorzubereiten.

Bereits im Jahre 805 konnten die Lesekundigen etwas von der Stadt erfahren. Im Spätmittelalter war sie eine der größten deutschen Städte und im Zentrum der Reformation. Leider wurde sie im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Hiervon kann ich mich in den Kirchen, über die ich in einem separaten Beitrag berichte, überzeugen.

Angekommen versuche ich mich zu orientieren.

Hauptbahnhof

Hilfreich könnte ein Stadtplan sein! Woher bekommen? Ach, ja Magdeburg hat ja auch eine Tourist-Info, die ich jetzt anvisiere.

Rathaus

Gleich nebenann lockt die Aussicht vom Kirchturm der Johanniskirche.

Der Elbe nordwärts folgend gelange ich zu einem Platz, an dem die zwei Christlichen Kirchen in Gestalt der evangelischen Magdalenenkapelle, der katholischen St. Petrikirche sowie der evangelischen Wallonerkirche in trauter Zweisamkeite nebeneinander wirken.

Gekreuzigter von Fritz Cremer zum Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs
St. Petri im Vordergrund und Wallonerkirche dahinter.

Mal sehen, was es sonst noch alles zu sehen und fotografieren gibt.

Friedensreich Hundertwasser hat die „Grüne Zitadelle von Magdeburg“ entworfen. Das Gebäude wurde im Jahre 2005 fertiggestellt. Es ist das letzte Projekt von Hundertwasser vor seinem Tod. Ein weiteres Gebäude hat er in der Lutherstadt Wittenberg künstlerisch gestaltet.

Die Zitadelle beherrbergt neben verschiedenen Geschäften und Wohnungen ein Hotel.

Zum Abschluss ein wenig Kunst im öffentlichen Raum zum Entspannen.

Ein genussreicher Tag in der Stadt an der Elbe mit viel fesselndem neigt sich dem Ende zu und ich mache mich wieder auf die Heimreise.

Wikipedia und verschiedenen Homepages sei Dank für die Ideen der Texte. Alle Fotos habe ich selbst aufgenommen bis auf das Titelbild. Dies stammt von Till Voigt bei Pixabay.

Templin – Perle der Uckermark im Schnee

Kalt war es in der Uckermark während meiner Fotosafari im Februar 2021 durch die Perle der Uckermark. Der versprochene Sonnenschein bei strahlend blaubem Himmel fiel leider aus. Es war grau und diesig, machte dem Spass aber keinen Abbruch.

Am Schnittpunkt zweier wichtiger Handelsstraßen wurde Templin im Jahre 1270 gegründet. Die Stadt hat über die Jahrhunderte viel erlebt und wurde, wie die meisten Städte in Brandenburg und Mecklenburg, im 2. Weltkrieg zu 60 % zerstört. Auch viele Fachwerkhäuser fielen den Bomben und Bränden zum Opfer. Vieles ist wieder mit viel Liebe aufgebaut und restauriert. Heute ist Templin mit seinen rund 16.000 Einwohnern eine schnuckelige kleine Stadt, die an diesem kalten Wintersonntag eine Gemütlichkeit ausstrahl.

Meine Safari beginne ich im Zentrum am Marktplatz mit dem historischen Rathaus aus dem Jahre 1751. Alte Kellergewölbe weisen auf das Vorhandensein älterer Rathäuser an dieser Stelle. Der quadratische Marktplatz ist mit einer Lindenallee umgeben. Mitten auf dem Platz steht die Friedenseiche, die 1871 als Erinnerung an den Sieg über die Franzosen hier gepflanzt wurde. Das Kriegerdenkmal zum Gedenken an die in den Kriegen gefallenen Soldaten stammt von 1885.

In normalen Zeiten ist der Platz durch Wochenmärkte und Stadtfeste belebt.

An den angrenzenden Straße erfreue ich mich an schöner Architektur.

Vom Marktplatz biege ich in die Rühlstraße ein. Hier stehen die ältesten Fachwerkhäuser der Stadt. Ich schlendere die Straße entlang und genieße den Anblick der restaurierten Gebäude. In diesen Häusern zu wohnen muss ein besonderes Erlebnis sein.

Am Ende treffe ich auf den Eulenturm, ehemals Hungerturm genannt. Aber was ist das? In ca. 6 Meter Höhe befindet sich eine Tür. Ist der Turm gewachsen oder handelt es sich um einen Schildbürgerstreich? Weder noch! Der Turm diente als Gefängnis. Die Insassen wurden durch die Tür in den Teil des Turms ohne Fenster und Tür hinunter gelassen. Es kam auch schon mal vor, dass der Inhaftierte vergessen wurde. Gleichzeitig diente der Turm als Beobachtungsposten.

Ich folge der Stadtmauer und komme zum Akzisehaus, auch bekannt als Torschreiberhäuschen. Hier mußten die Händler Steuern und Zölle auf die mitgebrachten Waren bezahlen. Man stelle sich vor, heutzutage würde jede Stadt und jede Gemeinde so verfahren.

Weiter geht es entlang der Stadtmauer zum Pulverturm. Wie der Name schon sagt, wurde hier Schießpulver aufbewahrt. Er entstand im 15. Jahrhundert aus einem in die Stadmauer eingelassenen Wieckhaus.

Die nächste Station auf meinem Rundgang ist das Prenzlauer Tor. Es ist das jüngste Tor. Zur Anlage gehören die Röhnisch-Anlage sowie das Vortor.

Teil des Gebäudekompleses des Prenzlauer Tors mit dem Museum ist der Röhnisch-Platz, benannt nach dem Ehepaar Röhnisch. Erna Taege-Röhnisch war eine anerkannte Heimatschriftstellerin und Mundartautorin. Zuammen mit ihrem Ehemann Fritz Röhnisch (Buchhalter und Kreistagsausschussangestellter) baute sie das Templiner Heimatmuseum auf.

Röhnisch-Platz

Auf dem Weg zum Eichwerder Tor treffe ich auf alte Holzhäuser. Hintergrundinformationen waren leider nicht zu recherchieren.

Das Eichwerder Tor entstand 1909 als Stadtmauerdurchbruch, um einen kürzeren Weg zum Stadtsee und einen bequemeren Weg zur 1910 eröffneten Bürgerschule zu schaffen. .

Die nächste Station ist das im 14. Jahrhundert errichtete Mühlentor. Es ist das älteste und zugleich kleinste der drei Stadttore.

Der Rundgang entlang der Stadtmauer endet am Berliner Tor.

In der Berliner Staße, der ehemaligen Königsstraße, nahe des Berliner Tors, steht die St. Georgen Kapelle. Sie ist im 14. Jahrhundert erbaut, wurde niemals zerstört und ist so das älteste Gebäude der Stadt Templin.

Die Berliner Straße überzeugt mit schönen Fachwerkhäusern.

Den Abschluss meines Spaziergangs durch die Perle der Uckermark bildet die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Sankt-Marien-Magdalenen-Kirche. Leider konnte ich die Kirche wegen der besonderen Umstände nicht besichtigen. Vielleicht ein anderes mal.

Fotos von mir. Auch hier gilt, dass ich mich von den Auswührungen bei Wikipedia und den offiziellen Seiten der Stadt Templin habe inspieren lassen.

Vorpommern – Teil 1

Nun sind schon wieder knapp 2 Monate seit meinem Kurzurlaub Anfang Oktober vergangen. Eigentlich sollten die Berichte schon länst veröffentlicht sein. Aber bisher kam stets das Leben dazwischen. Heute nun der erste Teil des ersten Tages.

Vor langer Zeit arbeitete und lebte ich in Mecklenburg-Vorpommern. Zuständig war ich u. a. auch für die Städte Pasewalk, Torgelow, Ueckermünde, Ankam und Wolgast in Vorpommern. Meinen diesjährigen Kurz-Urlaub in Swinemünde begann ich mit einer Besichtigungstour durch diese Städte.

An einem Sonntag ging es um 08:00 Uhr los. Es ist schon ein wenig komisch. Wenn ich so etwas vor habe ist der Himmel bedeckt und weint ein wenig. Nach einer ca. 1 1/2 stündigen Fahrt lande ich in Pasewalk, oder wie es zu Urzeiten hieß Posduwic.

Der rund 10.000 Einwohner zählende und während des Zweiten Weltkriegs fast vollständig zerstörte Ort macht einen gepflegten Eindruck. Viele Häuser wurden seit meinem letzten Besuch vor gefühlten 1.000 Jahren restauriert, neue sind hinzugekommen und passen sich gut in das Stadtbild ein. Die Stadt hat auch ein Gefühl für die Historie und bewahrt sie. Hierzu gehören z.B. die mittelalterliche Stadtbefestigung mit dem Mühlentor und dem Prenzlauer Tor sowie die Sankt – Marien – Kirche. Interessierte finden hier weitere Informationen zur Stadt.

Zentraler Punkt ist der Marktplatz mit Blick auf die Marienkirche und dem ehemaligen Gebäude des Rats des Bezirks. Marktplätze waren und sind auch heute noch das Zentrum des städtischen Lebens. Wie der Name vermuten lässt, wurde auf diesen Plätzen Handel und Wandel betrieben. Im Mittelalter verhalfen sie den Städten durch den Handel und die damit verbundene Akzise zu Wohlstand.

Als ich diesen zentralen Punkt des Lebens von Pasewalk erreichte, war von Leben wenig zu sehen und zu spüren. Nur einige Frauchen und Herrchen verirrten sich hierher zum morgendlichen Gassi gehen mit ihren Lieblingen.

Vor einigen Jahren modernisiete die Stadt diesen Platz und fand unterhalb des Pflasters Fundamentreste des alten Rathauses. Heute ziert eine künstlerische Brunnenanlage den Platz. Die torartigen Bögen erinnern auf ihren Inschriften an die Geschichte der Stadt.

Vom Marktplatz schaue ich auf die Sankt-Marien-Kirche, in der zu dem Zeitpunkt ein Gottesdienst abgehalten wurde, daher komme ich am Ende meines Rundganges hierher zurück zum fotografieren. Bei der Sankt-Marien-Kirche handelt es sich „um eine dreischiffige Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert“ – so steht es auf der Homepage der Stadt. Obwohl Pasewalk Ende des 2. Weltkrieges weitgehend zerstört wurde blieb die Kirche unversehrt. Vermutlich hatte der Liebe Gott seine schützende Hand über sein Haus gehalten. 1984 dann der Schock. Nach über 500 Jahren stürzte der Turm ein. Warum fragten sich alle und auch ich mich bzw. eine freundliche Dame in der Kirche. „Über die Jahrhunderte gab es immer wieder Aufstockungen/Erhöhungen des Turms. Dabei wurde nicht auf die Statik geachtet und dann war es dem Fundament zu viel und es gab nach“ erläuterte die Dame. Was lehrt uns das? Auch schon in der Vergangenheit gab es Fusch am Bau.

Ich beginne meinen historischen Rundgang an der Kirche und treffe als erstes auf die Grundschule Mitte. „Zur Unterweisung der Jugend die Stadt Pasewald Ann. Dom. 1865“ steht unterhalb des Giebels geschrieben.

Pasewalk trägt den Beinamen „Kürassierstadt“. Hieran erinnern verschiedene Plätze und Gebäunde. So z. B. der Kürassierpark mit dem Offizieerskasino. Allerdings benötigt dieses Gebäude dringend eine Sanierung.

Unweit davon beeindruckt das Kommandeurhaus Villa Knobelsdorff von 1897, benannt nach dem Standortältesten Generalmajor a.D von Knobelsdorff. Heute beherbert das Haus ein Hotel.

Natürlich darf in einer mitelalterliche Stadt ein Pulverturm nicht fehlen. Der 27,4 Meter hohe zylindrische Wehrturm war Teil der Stadtmauer.

„Die Trümmerkugel Pasewalker-Police-Phoenix ist ein grenzüberschreitendes Projekt des schweizerisch-kanadischen Künstlers Ernest Daetwyler errichtet aus 30 Tonnen Kriegstrümmern des II. Weltkriegs aus Pasewalk und Police.“ Eingeweiht wurde die Kugel 2009

Der Backsteinbau des St. Spiritus Hospitals aus dem 14./15. Jahrhundert mit nachgewiesener Warmluftheizung aus dem 13. Jh. besteht aus drei Gebäuden und war Hospital und Armen-Altersheim. Heute ist St. Spiritus evangelisches Pflegeheim.

Das ca. 25 Meter hohe Mühlentor als Teil der Stadtmauer wurde im 14./15. Jahrhundert errichtet.

Auch das Prenzlauer Tor gehört zur mittelalterlichen Stadtmauer und wurde wie seine Brüder im 14./15. Jh. erbaut. Das Tor ist 25,6 Meter hoch. Heute ist das Tor Stadtmuseum und Gedenkstätte des Künstlers Paul Holz. Wer mehr über Paul Holz erfahren möchte: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Holz_(Zeichner).

Weiter geht es entlang der Stadtmauer und dann zurück zur Kirche Sankt Marien.

An der südlichen Mauer des Marienkirchhofes befindet sich das Elendenhaus. Dieser Ziegelrohbau, der leider vor Jahren abgeputzt wurde, war Wohnhaus der Angestellten der Marienkirche. Es war davor Wohnung des Totengräbers und ist das älteste Wohnhaus Pasewalks. Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes war eine Herberge für mittellose Fremde und Pilger, die durch die Elendenbruderschaft geführt wurde. 1563 wurde die Herbergsstiftung aufgelöst.

Mit einem letzten Blick auf das Kino sowie auf das Eingangsportal der Kirche Sankt Marien und umliegenden Gebäude verabschiede ich mich aus Pasewalk und fahre weiter zu meiner nächsten Station.

Tschüss und bis bald!

Die Tempelritter auf dem Teltow

Vor mehr als 1.700 Jahren verirrten sich Ritter des Templerordens aus Jerusalem in den kalten und ungemütlichen Norden Deutschlands und siedelten auf dem Teltow, einer geologischen Hochfläche in Brandenburg und Berlin. Hier gründeten sie im 1200 Jahrhundert die Kompturei Tempelhof, zu der die Dörfer Tempelhof, Mariendorf und Marienfelde sowie ein Hof im späteren Rixdorf und ein Vorwerk in Treptow gehörten. Zentrum der Konturei war der burgähnliche Komturhof in Tempelhof. In der Nähe stand die Komtureikirche, die zugleich als Dorfkirche diente und bis heute als Dorfkirche Tempelhof trotz starker Kriegsbeschädigungen erhalten geblieben ist.

Die Dorfkirche Tempelhof liegt abseits des alten Dorfkerns von Tempelhof und ist die älteste der drei Evangelischen Kirchengemeinden Tempelhofs.

Ich bin fasziniert von Friedhöfen. Friedhöfe empfinde ich als das Spiegelbild unserer Gesellschaft und unseren Umgang mit den Verstorbenen. Auch auf diesem Kirchhof fand ich interessante Grabstätten.

Jesuskirche in Alt-Kaulsdorf

Es gibt in den  heutigen Tagen nichts langweiligeres und nervigeres als zu Hause zu bleiben. Also mache ich mich auf Schusters Rappen auf den Weg zum Dorfanger in Alt-Kaulsdorf mit der Evangelischen Dorfkirche, seit  1912 mit dem Zusatz „Jesuskirche“.

Die Anfänge gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Sie gehört damit im Kern zu den ältesten Dorfkirchen auf dem Gebiet des heutigen Berlins. In den letzten Jahrhunderten wurde sie mehrfach umgebaut, erweitert und erneuert.  

Dreiteilige Backstein-Turmanlage im neugotischen Stil, 1876 eingeweiht
Westportal

Der Kircheninnenraum ist reichlich ausgestattet. Der Altar wurde 1656 nach dem Dreißigjährigen Krieg neu errichtet.  

Die barocke Kanzel wurde 1688 angeschafft. Das hölzerne Kunstwerk eines Schreinermeisters aus Köpenick ersetzte die im Dreißigjährigen Krieg untergegangene Kanzel. Ein Berliner Kunstmaler gestaltete die Kanzel dann farblich. 1716 erhielt sie ihren heutigen Platz. Sie wurde im 20. Jahrhundert noch zweimal überarbeitet und farblich erneuert. Die Inschriften weisen sie als eine typische evangelische Kirche aus.

Die erste Orgel wurde 1827 in die Kirche eingebaut. Sie stammte aus der Werkstatt von Carl August Buchholz.
1912 wurde diese Orgel durch einen Neubau der Gebrüder Dinse abgelöst 1958 wurde die Dinse-Orgel durch die Orgelbauer der Firma Sauer aus Frankfurt (Oder) im barocken Stil umgebaut.

Diese auf der Westempore installierte Dinse-Orgel genügte den gestiegenen Ansprüchen nach fast 100-jährigem Gebrauch nicht mehr. Daher beschloss der Gemeindekirchenrat den Neubau der Orgel, mit dem die Firma Orgelbau Sandtner aus Dillingen a.d. Donau beauftragt. Erhaltenwerte Teile der Dinse-Orgel wurden aus ästhetischen und denkmalpflegerischen Gründen in dem neuen Instrument wieder verwendet. Die Orgel wurde mit einem festlichen Konzert am 10. Oktober 2010 eingeweiht.

Sandtner Orgel, eingeweiht 2010

Auf zwei Seiten ziehen sich Emporen entlang. Sie wurden zu verschiedenen Zeiten errichtet und dienten unter anderem auch der Platzerweiterung. Als erstes entstand an der Westseite ein Chor für die Knechte, der 1827 zur Orgelempore umgebaut wurde. Um 1640 entstand die Süd-Empore als Chor der Jugend.
Die aktuelle Fassung der Emporen stammt aus den Jahren 1979/1980.

Textquelle: Wikipedia

Jahreswechsel an der Ostsee

Dem üblichen Berliner Wahnsinn entfliehend zieht es mich auf der Suche nach Ruhe und Entspannung dieses Silvester erneut an die Ostsee. Diesmal geht es nicht an die polnische Ostseeküste sondern an die westpommersche, zur Hanse- und Universitätsstadt Greifswald. Sie zählt zu den bedeutendsten Städten entlang der Europäischen Route der Backsteingotik. Erste urkundliche Erwähnung 1248 als Besitzung des 1199 gegründeten Klosters Eldena.

Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass nicht alle nachfolgenden Fotos im Winter geschossen wurden. Ein Teil stammt von einem Besuch im Sommer letzten Jahres.

Tag 1

Im Morgengrauen geht es los, die Autobahn ist noch wenig frequentiert und so fährt es sich entspannt nach Norden. In Greifswald angekommen geht es erst einmal zum Hotel am Dom. Dieses Hotel liegt in der Fußgängerzone und ist mit dem Auto nur über einen Umweg erreichbar. Nach einer Ehrenrunde erreiche ich das Hotel, besser gesagt den Parkplatz des Hotels. Obwohl noch Vormittag habe ich das Glück, mein Zimmer bereits beziehen zu können. So kann ich erst einmal in Ruhe frühstücken.

Danach mache ich mich auf den Rundweg um die Altstadt. Immer entlang der ehemaligen Wallanlagen. Die erste Station ist der alte bzw. Museumshafen Ryck.
„Der Greifswalder Museumshafen ist mit seinen mehr als 50 Schiffen der größte Museumshafen Deutschlands. Historische Schoner, Schlepper und Barkassen säumen den Fluss „Ryck“ zu beiden Seiten und erinnern an die Blütezeit der Segelschifffahrt Mitte des 19. Jahrhunderts. Hinweistafeln vor den Schiffen informieren über Schiffstyp, Baujahr und Geschichte. Einige der Schiffe gehen noch auf Fahrt und nehmen Gäste für einen Segeltörn mit an Bord, andere wurden zu Restaurantschiffen umgebaut.“ (Quelle: Greifswald.info).

Auf Höhe des Fangelturms verlasse ich die Hafenpromenade und biege rechts ab in die Wallanlagen. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Silhouette Greifswald mit den Türmen von St. Jacobi, St Nicolai und St. Marien. Es geht am Pommerschen Landesmuseum sowie an den Gebäuden der Universität Greifswald vorbei.

Nach Vollendung des Rundgangs, der auch teilweise ein Caspar David Friedrich Rundweg ist, begebe ich mich auf die vergebliche Suche nach dem Caspar David Friedrich Denkmal. Entweder die Hinweisschilder sind missverständlich oder ich konnte sie nicht korrekt interpretieren.

Also entschließe ich mich dem Ruf meines Magens zu folgen und erst einmal zu Mittag zu essen. Hierzu wähle ich das Braugasthaus „Fritz“ am Marktplatz, gegenüber dem Rathaus, aus. Das Backsteingiebelhaus stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Tag 2

Heute treffe ich mich mit meinem in Greifswald geborenen Freund Jörg. Von ihm habe ich mir zu Weihnachten eine Führung durch sein Greifswald gewünscht.

Wir starten bei eisigen Temperaturen beim Lila Bäcker (Vorsicht: Schleichwerbung) bei einem Pott Kaffee und dann geht es gleich los. Gegenüber des Lila Bäckers befindet sich das „Rote Rathaus“, rot wegen der roten Fassadenfarbe. Unten im Rathaus befand sich der übliche Ratskeller. Hier trafen sich Jörg und seine Freunde immer dann, wenn es Staropramen gab. Da dies nicht häufig war und es sich um die sogenannte Bückware handelte beorderte der Wirt die privilegierten Gäste in die Weinstube, wo hinter verschlossenen Türen die Köstlichkeit getrunken wurde.

Gegenüber des Rathauses liegt das Braugasthaus „Fritz“, ehemalige HO-Gaststätte. In rustikaler Atmosphäre werden vorzügliche selbstgebraute Biere angeboten. Etwas zu Essen gibt es auch.

Von hier aus geht es in die hinter dem Markt liegende Brüggstraße, wo sein Kumpel unter‘m Dach wohnte und man sich wiederholt traf. Zu fast jedem Haus wußte Jörg etwas zu erzählen. Hier war Schuster sowieso, hier hatte Onkel Paul sein Geschäft, dort wohnte Lehrer Kruse, dort drüben arbeitete seine Mutter im Reisebüro, an der Ecke hatte Tante weiß ich nicht ihren Uhrenladen usw.

Entlang geht es die Wallanlage, wo die Steppkes rodelten (Anmerkung des Verfassers: Das war anno dazumal, als es noch Winter gab und die Erde von einer weißen, zuckerähnlichen Masse, genannt Schnee, überzogen war). Ein kleiner Abstecher führte zur katholischen Kirche St. Joseph, in deren Kindergarten Jörg seine ersten Jahre verlebte. Vorbei am Schwanenteich, wo man sich zum Schlittschuh laufen traf (heute Teil des Tierparks) ging es der Ryck folgend zum Hafenmuseum, Im Greifswalder Ruderclub zupfte Jörg den Bass.

Von dort geht es zum Mühlentor (von einem Tor war weit und breit nichts zu sehen, da es bereits 1800 abgerissen wurde). Unterhalb des ehemaligen Tores, dessen Lage im Pflaster angedeutet ist, wurde vor wenigen Jahren ein ehemaliges Kellergewölbe entdeckt. Der Zugang wurde wieder verschlossen.

Da sich nach der Wanderung der Magen meldete kehrten wir im Greifswalder Logenhaus zum Lunch ein. 1756 wurde in der damalig schwedischen Stadt Greifswald eine Armeeloge gegründet. Zu Jörgs Zeiten war es bis 1977 das Clubhaus der Universität, danach bis 1989 Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft.

So gestärkt zeigt mir Jörg sein Geburtshaus mit der Wohnung im Dachgeschoss. So manchen Schabernack hat Jörg mit seinen Freunden dort veranstaltet.

Mit dem Auto geht es zur Klosterruine Eldena und von dort zum Fischerhafen Wieck.

Tag 3

Nach diesem wundervollen Erlebnis mit einem Zeitzeugen geht es heute nach einem ausgiebigen Frühstück in die am Strelasund gelegene Hansestadt Stralsund mit ihren beeindruckenden Gebäuden der norddeutschen Backsteingotik.
Auf dem Altmarkt ist sogar noch der Weihnachtsmarkt aufgebaut, der zu früher Stunde noch ein wenig im Dornröschenschlaf liegt.
Platz bestimmend sind das Alte Rathaus sowie die Nikolaikirche, beide im Stil der norddeutschen Backsteingotik.
„Die Schaufassade des alten Rathauses ragt seit Jahrhunderten meterhoch in den Stralsunder Himmel und ist so zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Der bedeutendste Profanbau der deutschen Ostseeküste lässt uns heute noch Ruhm und Reichtum der Hansezeit erahnen. Die Anfänge des Baus gehen bis in das 13. Jahrhundert zurück.“ (Quelle: Homepage der Stadt Stralsund).



Ich wende mich der beeindruckenden St. Nikolaikirche zu, die auf das 13. Jahrhunder zurückgeht. Sie ist die älteste der drei Stadtkirchen und zieht mich mit ihrer Größe und ihrem, für einen evangelische Kirchenbau ungewöhnlichen, Reichtum in den Bann.

Nach diesem Genuss gehe ich durch den reizvollen barocken Galeriegang des Rathauses zur Einkaufsstraße

und schlendere dieser Straße entlang zum Neuen Markt und damit zur St. Marienkirche. Die größte Pfarrkirche Stralsunds wurde 1328 erstmals urkundlich erwähnt. Sie ist die jüngste Backsteinbasilika des Ostseeraums. Innen beeindruckt der Kirchenbau mit seiner Größe und ist nach der Danziger Marienkirche die größte Backsteinkirche im Hanseraum. 

An der Hafeninsel liegt das 1933 bei der Hamburger Werft Blohm+Voss gebaute ehemalige Segelschulschiff Gorch Fock I. Ab 1950 segelte das Schiff als Segelschulschiff der russischen und ab 1991 der ukrainischen Handelsmariene. 2003 kaufte ein gemeinnütziger Verein das Schiff und brachte es nach Stralsund zurück.
Sie hat nichts mit der in die Schlagzeilen geratene Gorch Fock der Bundesmarine zu tun. Gorch Fock ein bekannter Schriftsteller aus Finkenwerder, der unter diesem Pseudonym unter anderem „Seefahrt ist Not“, eine Geschichte einer Fischerfamilie aus Finkenwerder, geschrieben. Mit diesem Werk wurde Rudolf Kienau, wie sein bürgerlicher Name lautet, bekannt.
Mit der Besichtigung dieses geschichtsträchtigen Schiffes endet mein Ausflug nach Stralsund und es geht wieder zurück nach Greifswald.

Den Nachmittag nutze ich zur Besichtigung des Doms St. Nikolai sowie der St. Marienkirche in Greifswald.
St. Nikolai ist das Wahrzeichen der Stadt und ist dem Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute gewidmet.

Die evangelische St. Marien-Kirche, im Volksmund Dicke Marie genannt, ist die älteste der drei großen Kirchen in Greifswald.

Heute finde ich auch das Caspar Davi Friedrich Denkmal. Caspar David Friedrich wurde 1774 in Greifwald geboren und gilt als berühmtester Maler und Zeichner der Deutschen Früh-Romantik.

Tag 4

Es ist ein schöner, sonniger Silvestertag. Bestens geeignet für einen Spaziergang entlang der Ryck nach Wieck, einem kleinen ehemaligen Fischerdorf an der Mündung der Ryck in die Dänische Wieck, einer Bucht des Greifwalder Boddens. Wieck ist eine beliebter Ausflugsort für die Greifswalder und die Touristen und hat heute rund 470 Einwohner. Zur Belohnung für die „Strapaze“gönne ich mir eine Wiecker Fischsuppe und eine Kutterscholle bevor es per Bus wieder zurück nach Greifwald geht.

Bekannte Wiecker Zugbrücke

Tag 5 – Rückfahrt

Voller schöner Eindrücke und mit vielen geschossenen Fotos mache ich mich auf den Weg zurück nach Hause. Unterwegs ein kurzer Abstecher zur „Windmühlenstadt“ Woldegk und ich nehme mir vor, hier im Frühjahr nochmals vorbeizuschaue um die sechs Windmühlen, die der Stadt ihren Ehrennamen geben, zu besichtigen.

Nostalgischer Adventsmarkt in St. Marien Frankfurt (Oder)

Zum 21. Mal findet der traditionelle Adventsmarkt in der Marienkirche statt und zieht Gäste aus Nah und Fern an. Ca. 9.000 Frankfurter und Gäste besuchen den Markt jedes Jahr. Die Kirche beeindruckt durch seine Einmaligkeit in einem mächtigen Sakralbau.

Die St.-Marien-Kirche in Frankfurt (Oder) ist die ehemalige Hauptpfarrkirche der Stadt und wurde in mehr als 250 Jahren mittelalterlicher Bautätigkeit errichtet. Das Kirchengebäude gehört zu den größten Gebäuden der norddeutschen Backsteingotik; es ist 77 Meter lang und 45 Meter breit. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg in großen Teilen zerstört, konnte in der Folgezeit aber in ihren Grundzügen rekonstruiert werden. Heute ist die St.-Marien-Kirche ein soziokulturelles Zentrum und Wahrzeichen der Stadt. (Quelle: Wikipedia).

Mehr als 60 Aussteller bieten Kunsthandwerk, Weihnachtsgeschenke, Christbaumschmuck, Waren aus Leder, Holz, Steinen und Metall. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt.

Genau hier setzt der Kiwanis Club Frankfurt (Oder), bei dem ich seit knapp 20 Jahren Mitglied bin, an und verkauft Crépes und Eierpunsch. Viele unsere Gäste kommen schon seit Jahren extra nur wegen des Eierpunschs.

Ist nicht schon die Mächtigkeit des Sakralbaus beeindruckend zaubert die gekonnt inszenierte Illumination für ein ganz besonderes Erlebnis. Ich liebe diese Atmospäre und kann mich an dem Bild des Marktes nicht satt sehen, während ich den Klängen der Blaskapelle oder dem Gesang des Chores lausche und ein wenig träume. All dies ist eine gute Gelegenheit, dem Weihnachtsstress zu entfliehen und ganz bei sich zu sein.