Dem trüben Wetter im Dezember enfliehen

Seit Wochen hat die Sonne Urlaub genommen. Die tiefhängenden grauen Wolken drücken mir auf das Gemüt und verleiden mir den täglichen Spaziergang. Es muss etwas passieren! Aber was und wo? Einer meiner Lieblings-Krimiserien ist Soko-Wismar auf ZDF und schon ist die Idee geboren. Raus aus Berlin, hin an die Ostsee!

Wismar besuchte ich erstmalig Anfang 1990 anlässlich eines Verwandtenbesuchs und dann unregelmäßig zwischen 1990 und 1995. In meiner Erinnerung war es eine ansprechende Stadt mit großem Sanierungspotenzial. Mitte Dezember habe ich mich von der Entwicklung Wismars hin zu einer sehenswerten und reizvollen Stadt überzeugen können.

Mit dem Regionalexpress 5 geht es ab Ostkreuz durch Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern zur alten Hansestadt an der Wismarer Bucht. War es in Berlin noch trübe mit leichtem Nieselregen überrascht mich die Stadt der norddeutschen Backstein-Gotik mit aufgelockerter Bewölkung. Das Wetter ist an den Küsten eben doch besser!

Die im 13. Jahrhundert gegründete Stadt war früh Mitglied der Hanse und blühte wirtschaftlich im Spätmittelter auf. Nach dem 30jährigen Krieg kam Wismar unter schwedische Herrschaft, aus der sie de jure 1903 entlassen wurde. Das jährliche Schwedenfest erinnert an diese Zeit und lockt in „normalen Zeiten“ unzählige Touristen an.

Seit Jahrhunderten spielt der Hafen eine zentrale Rolle. Nach 1945 spezialisierte sich der zweite Hafen der DDR auf den Umschlag von Massengütern. Die Werftindustrie geht auf die Gründung eines Schiffsreparturbetriebes der Roten Armee zurück.

Heute leben rund 43.000 Einwohner in der Stadt und finden in der industriellen Hafen- und Schiffswirtschaft, in der Holzverarbeitung, der Solarindustrie und nicht zu vergessen in der Touristik Beschäftigung.

Meine Besichtigungstouren der nächsten Tage starte ich an meiner Unterkunft im Stadthotel „Stern“ in der Lübsche Straße.

Der Marktplatz – Wismars Zentrum

Zentrum des altstädtischen Lebens ist der rund 1 qm große, fast quadratische Marktplatz. Er ist mit seiner Randbebauung im Zusammenspiel mit den Nebenstraßen ein Zeugnis der Bedeutung der Stadt. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde er als Parkplatz misbraucht. In heutigen Zeiten findet hier der Wochenmarkt statt und, wie man sehen kann, der jährliche Weihnachtsmarkt.

Die Wasserkunst

Größte Herausforderung einer Stadtverwaltung war in allen Zeiten die Organisation der Wasserversorgung. Die Stadtväter versuchten es mit kleinen Brunnen. Als dies nicht mehr reichte entschieden sich die Oberen, Quellwasser durch hölzerne Wasserrohre in ein Sammelbecken auf dem Markt zu leiten. In dem Zusammenhang erfolgte gegen Ende des 16. Jahrhunderts der Bau der Wasserkunst auf dem Marktplatz, die zum Wahrzeichen von Wismar avancierte.

Rathaus

Das markanteste Gebäude des Marktplatzes ist für mich das klassizistische Rathaus von 1819.

Weitere Impessionen der Altstadt:

Preisfrage: Wo wurde das erste Karstadt-Kaufhaus eröffnet? Na klar, in Wismar. Hieran erinnert eine Sonderausstellung im Schaufenster des Hauses.

Lindengarten

Bei meinen Streifzügen durch die Stadt stoße ich auch auf den unter Denkmalschutz stehenden Lindengarten, gelegen am Mühlenbach. Dank spendenfreudiger Wismarer Bürger wurde im Jahr 1815 auf dem Geländer einer ehemaligen schwedischen Befestigungsanlage dieser Park errichtet.

Fürstenhof

Im 16. Jahrhundert fassten die Herzöge von Mecklenburg die weitsichtige Entscheidung, einen Sitz in der aufstrebenden Hansestadt an der Ostsee zu errichten. Die Realisierung erfolgte in zwei Bauabschnitten in der Nähe der St. Georgenkirche. Es entstand ein „bedeutendes Bauwerk der mecklenburgischen landesfürstlichen Residenzarchitektur. Es stellt nicht nur das erste bedeutende Renaissance-Bauwerk Mecklenburgs dar, sondern bildet auch den stilbildenden Prototyp des Johannn-Albrecht-Stils, dem für diese Epoche große regionale Bedeutung zukommt“ (Quelle: Wikipedia).
Mit Beginn der Schwedenherrschaft über Wismar endete die Nutzung des Fürstenhofs durch die mecklenburgischen Herzöge. Heute ist er des Amtsgerichts Wismar.

Wismars Kirchen

Gleich um die Ecke treffe ich auf zwei bedeutende und beeindruckende Kirchenbauwerke, die St. Georgen-Kirche sowie den St. Marienkirchtur.

Die dritte im Bunde der Backsteinkirchen ist die Kirche St. Nikolai gegenüber des Schabbel-hauses.

Auf die Kirchen sowie das Stadtgeschichtliche Museum im Schabbelhaus gehe ich in separaten Beiträgen ein.

Für den Text danke ich wieder Wikepedia.

Templin – Perle der Uckermark im Schnee

Kalt war es in der Uckermark während meiner Fotosafari im Februar 2021 durch die Perle der Uckermark. Der versprochene Sonnenschein bei strahlend blaubem Himmel fiel leider aus. Es war grau und diesig, machte dem Spass aber keinen Abbruch.

Am Schnittpunkt zweier wichtiger Handelsstraßen wurde Templin im Jahre 1270 gegründet. Die Stadt hat über die Jahrhunderte viel erlebt und wurde, wie die meisten Städte in Brandenburg und Mecklenburg, im 2. Weltkrieg zu 60 % zerstört. Auch viele Fachwerkhäuser fielen den Bomben und Bränden zum Opfer. Vieles ist wieder mit viel Liebe aufgebaut und restauriert. Heute ist Templin mit seinen rund 16.000 Einwohnern eine schnuckelige kleine Stadt, die an diesem kalten Wintersonntag eine Gemütlichkeit ausstrahl.

Meine Safari beginne ich im Zentrum am Marktplatz mit dem historischen Rathaus aus dem Jahre 1751. Alte Kellergewölbe weisen auf das Vorhandensein älterer Rathäuser an dieser Stelle. Der quadratische Marktplatz ist mit einer Lindenallee umgeben. Mitten auf dem Platz steht die Friedenseiche, die 1871 als Erinnerung an den Sieg über die Franzosen hier gepflanzt wurde. Das Kriegerdenkmal zum Gedenken an die in den Kriegen gefallenen Soldaten stammt von 1885.

In normalen Zeiten ist der Platz durch Wochenmärkte und Stadtfeste belebt.

An den angrenzenden Straße erfreue ich mich an schöner Architektur.

Vom Marktplatz biege ich in die Rühlstraße ein. Hier stehen die ältesten Fachwerkhäuser der Stadt. Ich schlendere die Straße entlang und genieße den Anblick der restaurierten Gebäude. In diesen Häusern zu wohnen muss ein besonderes Erlebnis sein.

Am Ende treffe ich auf den Eulenturm, ehemals Hungerturm genannt. Aber was ist das? In ca. 6 Meter Höhe befindet sich eine Tür. Ist der Turm gewachsen oder handelt es sich um einen Schildbürgerstreich? Weder noch! Der Turm diente als Gefängnis. Die Insassen wurden durch die Tür in den Teil des Turms ohne Fenster und Tür hinunter gelassen. Es kam auch schon mal vor, dass der Inhaftierte vergessen wurde. Gleichzeitig diente der Turm als Beobachtungsposten.

Ich folge der Stadtmauer und komme zum Akzisehaus, auch bekannt als Torschreiberhäuschen. Hier mußten die Händler Steuern und Zölle auf die mitgebrachten Waren bezahlen. Man stelle sich vor, heutzutage würde jede Stadt und jede Gemeinde so verfahren.

Weiter geht es entlang der Stadtmauer zum Pulverturm. Wie der Name schon sagt, wurde hier Schießpulver aufbewahrt. Er entstand im 15. Jahrhundert aus einem in die Stadmauer eingelassenen Wieckhaus.

Die nächste Station auf meinem Rundgang ist das Prenzlauer Tor. Es ist das jüngste Tor. Zur Anlage gehören die Röhnisch-Anlage sowie das Vortor.

Teil des Gebäudekompleses des Prenzlauer Tors mit dem Museum ist der Röhnisch-Platz, benannt nach dem Ehepaar Röhnisch. Erna Taege-Röhnisch war eine anerkannte Heimatschriftstellerin und Mundartautorin. Zuammen mit ihrem Ehemann Fritz Röhnisch (Buchhalter und Kreistagsausschussangestellter) baute sie das Templiner Heimatmuseum auf.

Röhnisch-Platz

Auf dem Weg zum Eichwerder Tor treffe ich auf alte Holzhäuser. Hintergrundinformationen waren leider nicht zu recherchieren.

Das Eichwerder Tor entstand 1909 als Stadtmauerdurchbruch, um einen kürzeren Weg zum Stadtsee und einen bequemeren Weg zur 1910 eröffneten Bürgerschule zu schaffen. .

Die nächste Station ist das im 14. Jahrhundert errichtete Mühlentor. Es ist das älteste und zugleich kleinste der drei Stadttore.

Der Rundgang entlang der Stadtmauer endet am Berliner Tor.

In der Berliner Staße, der ehemaligen Königsstraße, nahe des Berliner Tors, steht die St. Georgen Kapelle. Sie ist im 14. Jahrhundert erbaut, wurde niemals zerstört und ist so das älteste Gebäude der Stadt Templin.

Die Berliner Straße überzeugt mit schönen Fachwerkhäusern.

Den Abschluss meines Spaziergangs durch die Perle der Uckermark bildet die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtete Sankt-Marien-Magdalenen-Kirche. Leider konnte ich die Kirche wegen der besonderen Umstände nicht besichtigen. Vielleicht ein anderes mal.

Fotos von mir. Auch hier gilt, dass ich mich von den Auswührungen bei Wikipedia und den offiziellen Seiten der Stadt Templin habe inspieren lassen.