Vorpommern – Teil 1

Nun sind schon wieder knapp 2 Monate seit meinem Kurzurlaub Anfang Oktober vergangen. Eigentlich sollten die Berichte schon länst veröffentlicht sein. Aber bisher kam stets das Leben dazwischen. Heute nun der erste Teil des ersten Tages.

Vor langer Zeit arbeitete und lebte ich in Mecklenburg-Vorpommern. Zuständig war ich u. a. auch für die Städte Pasewalk, Torgelow, Ueckermünde, Ankam und Wolgast in Vorpommern. Meinen diesjährigen Kurz-Urlaub in Swinemünde begann ich mit einer Besichtigungstour durch diese Städte.

An einem Sonntag ging es um 08:00 Uhr los. Es ist schon ein wenig komisch. Wenn ich so etwas vor habe ist der Himmel bedeckt und weint ein wenig. Nach einer ca. 1 1/2 stündigen Fahrt lande ich in Pasewalk, oder wie es zu Urzeiten hieß Posduwic.

Der rund 10.000 Einwohner zählende und während des Zweiten Weltkriegs fast vollständig zerstörte Ort macht einen gepflegten Eindruck. Viele Häuser wurden seit meinem letzten Besuch vor gefühlten 1.000 Jahren restauriert, neue sind hinzugekommen und passen sich gut in das Stadtbild ein. Die Stadt hat auch ein Gefühl für die Historie und bewahrt sie. Hierzu gehören z.B. die mittelalterliche Stadtbefestigung mit dem Mühlentor und dem Prenzlauer Tor sowie die Sankt – Marien – Kirche. Interessierte finden hier weitere Informationen zur Stadt.

Zentraler Punkt ist der Marktplatz mit Blick auf die Marienkirche und dem ehemaligen Gebäude des Rats des Bezirks. Marktplätze waren und sind auch heute noch das Zentrum des städtischen Lebens. Wie der Name vermuten lässt, wurde auf diesen Plätzen Handel und Wandel betrieben. Im Mittelalter verhalfen sie den Städten durch den Handel und die damit verbundene Akzise zu Wohlstand.

Als ich diesen zentralen Punkt des Lebens von Pasewalk erreichte, war von Leben wenig zu sehen und zu spüren. Nur einige Frauchen und Herrchen verirrten sich hierher zum morgendlichen Gassi gehen mit ihren Lieblingen.

Vor einigen Jahren modernisiete die Stadt diesen Platz und fand unterhalb des Pflasters Fundamentreste des alten Rathauses. Heute ziert eine künstlerische Brunnenanlage den Platz. Die torartigen Bögen erinnern auf ihren Inschriften an die Geschichte der Stadt.

Vom Marktplatz schaue ich auf die Sankt-Marien-Kirche, in der zu dem Zeitpunkt ein Gottesdienst abgehalten wurde, daher komme ich am Ende meines Rundganges hierher zurück zum fotografieren. Bei der Sankt-Marien-Kirche handelt es sich „um eine dreischiffige Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert“ – so steht es auf der Homepage der Stadt. Obwohl Pasewalk Ende des 2. Weltkrieges weitgehend zerstört wurde blieb die Kirche unversehrt. Vermutlich hatte der Liebe Gott seine schützende Hand über sein Haus gehalten. 1984 dann der Schock. Nach über 500 Jahren stürzte der Turm ein. Warum fragten sich alle und auch ich mich bzw. eine freundliche Dame in der Kirche. „Über die Jahrhunderte gab es immer wieder Aufstockungen/Erhöhungen des Turms. Dabei wurde nicht auf die Statik geachtet und dann war es dem Fundament zu viel und es gab nach“ erläuterte die Dame. Was lehrt uns das? Auch schon in der Vergangenheit gab es Fusch am Bau.

Ich beginne meinen historischen Rundgang an der Kirche und treffe als erstes auf die Grundschule Mitte. „Zur Unterweisung der Jugend die Stadt Pasewald Ann. Dom. 1865“ steht unterhalb des Giebels geschrieben.

Pasewalk trägt den Beinamen „Kürassierstadt“. Hieran erinnern verschiedene Plätze und Gebäunde. So z. B. der Kürassierpark mit dem Offizieerskasino. Allerdings benötigt dieses Gebäude dringend eine Sanierung.

Unweit davon beeindruckt das Kommandeurhaus Villa Knobelsdorff von 1897, benannt nach dem Standortältesten Generalmajor a.D von Knobelsdorff. Heute beherbert das Haus ein Hotel.

Natürlich darf in einer mitelalterliche Stadt ein Pulverturm nicht fehlen. Der 27,4 Meter hohe zylindrische Wehrturm war Teil der Stadtmauer.

„Die Trümmerkugel Pasewalker-Police-Phoenix ist ein grenzüberschreitendes Projekt des schweizerisch-kanadischen Künstlers Ernest Daetwyler errichtet aus 30 Tonnen Kriegstrümmern des II. Weltkriegs aus Pasewalk und Police.“ Eingeweiht wurde die Kugel 2009

Der Backsteinbau des St. Spiritus Hospitals aus dem 14./15. Jahrhundert mit nachgewiesener Warmluftheizung aus dem 13. Jh. besteht aus drei Gebäuden und war Hospital und Armen-Altersheim. Heute ist St. Spiritus evangelisches Pflegeheim.

Das ca. 25 Meter hohe Mühlentor als Teil der Stadtmauer wurde im 14./15. Jahrhundert errichtet.

Auch das Prenzlauer Tor gehört zur mittelalterlichen Stadtmauer und wurde wie seine Brüder im 14./15. Jh. erbaut. Das Tor ist 25,6 Meter hoch. Heute ist das Tor Stadtmuseum und Gedenkstätte des Künstlers Paul Holz. Wer mehr über Paul Holz erfahren möchte: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Holz_(Zeichner).

Weiter geht es entlang der Stadtmauer und dann zurück zur Kirche Sankt Marien.

An der südlichen Mauer des Marienkirchhofes befindet sich das Elendenhaus. Dieser Ziegelrohbau, der leider vor Jahren abgeputzt wurde, war Wohnhaus der Angestellten der Marienkirche. Es war davor Wohnung des Totengräbers und ist das älteste Wohnhaus Pasewalks. Der ursprüngliche Zweck des Gebäudes war eine Herberge für mittellose Fremde und Pilger, die durch die Elendenbruderschaft geführt wurde. 1563 wurde die Herbergsstiftung aufgelöst.

Mit einem letzten Blick auf das Kino sowie auf das Eingangsportal der Kirche Sankt Marien und umliegenden Gebäude verabschiede ich mich aus Pasewalk und fahre weiter zu meiner nächsten Station.

Tschüss und bis bald!