Swinemünde – Ein mondänes Ostseebad

Endlich mal wieder Urlaub machen! Mal wieder am Strand spazieren gehen, sich von der Herbssonne wärmen lassen, ein Buch lesen – mit anderen Worten: einfach einmal die Seele baumeln lassen. Aber wohin? Von Berlin aus ist die Ostsee am schnellsten zu erreichen. In Frage kommt Usedom. Gute Idee – warum dann nicht nach dem mir noch unbekannten Swinemünde?

Swinemünde, oder wie es auf polnisch heißt, Swineoujscie, ist eine der bekanntesten polnischen Ostseeorte und war jahrlang einer der größten Ostseebäder der deutschen Ostseeküste. Seit 1945 gehört es zu Polen. In der Stadt leben heute rund 40.000 Einwohner.

Mein erster Weg führt mich zum wunderschönen Strand mit feinem, weißen Sand. Die Herbstsonne lockt die Touristen – überraschender Weise viele aus Deutschland – an den Strand zum Spaziergang. Die Kinder toben im Sand, jagen die Möwen und versuchen die Schwäne zu streicheln. Leider ist es schon zu kühl für ein erfrischendes Bad in der Ostsee. Dafür setze ich mich in der Sonne auf eine Bank in den Dünen und lese die ersten Seiten meines mitgebrachten Buches.

Es geht zurück zur Promenade. Mit 12 km von Swinemünde bis Bansin ist sie die längste Promenade Europas. Mit Freude sehe ich die Modernisierungsarbeiten. Die Promenade ist breit mit stellenweise separaten Bereichen für Fahrradfahrer, Skater und Fußgänger. Sogar Fitnessgeräte werden angeboten. Es macht Spaß, hier zu flanieren, auf einer Bank zu sitzen und den vorbeigehenden Menschen zuzuschauen. Polnisch mischt sich mit Deutsch. Brauche ich mehr Beweise für den Vorteil eines geeinten Europas?

Es wird viel gebaut in Swinemünde. Ich bin überrascht und beeindruckt von den modernen und hochpreisigen Hotels und Apartments im Kurviertel. Gleich nebenan lädt der Aquarpark „Baltic Park Molo“ zur Enspannung und Erholung ein.

Für das leibliche Wohl ist hier auch gesorgt. Restaurants und Geschäfte reihen sich aneinander. In einem kleinen Restaurant mit dem Namen „Kutter“ habe ich die beste Fischsuppe und wunderbaren Bratfisch gegessen. Natürlich habe ich auch typisches Polnisches gegessen: Żurek (Saure Mehlsuppe) und Bigos (Sauerkrauteintopf).

Als sehr positiv empfunden habe ich, dass Swinemünde mehr als ist Strand und Kurviertel. Es handelt sich um eine lebenige Stadt, die eng mit ihrem Hafen und der Seewirtschaft verbunden ist. Der Seehafen ist einer der bedeutendsten Umschlagplätze Polens und wichtiger Arbeitgeber. Er teilt sich in vier Bereiche, den Handelshafen, den Fährhafen, den Stadthafen sowie den Militärhafen. Sehr beliebt bei Anglern ist die Pier am Yachthafen. Täglich stehen sie hier bei Sonne, Wind und Wetter und angeln sich ihr Mittagessen.

Mein Hotel lag (und befindet sich immer noch dort) an der Einfallstraße von Ahlbeck kommend. Der Gang zum Strand, zum Hafen und zum Kurviertel dauerte ca. 15 Minuten. Genügend Zeit, sich mit der Stadt und seiner Architektur sowie den Sehenswürdigkeiten zu befassen.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Swinemünde größtenteils zerstört. Der Wiederaufbau bestand nicht nur aus Neubauten. Wie die Fotos zeigen, konnten auch historische Gebäude erhalten und restauriert werden. Ich genieße es, durch die Straßen zu schlendern und sich an den schönen Fassaden zu erfreuen, die Kinder spielen zu sehen und sich der Gelassenheit hinzugeben.

Für mich gehört die Besichtigung von Kirchen zum Pflichtprogramm. Die Christ-König-Kirche ist auf jeden Fall ein Besuch wert. Sie wurde 1788 bis 1792 nach einem Entwurf von Davin Gilly als lutherische Stadtkirche gebaut. 1881 wurde sie nach einem Entwurf von Carl Schäfer vollständig neugotisch umgebaut und ein Turm angebaut. Auch das Innere wurde neu gestaltet. 1906 wurde die Stadtkirche in Christuskirche umbenannt. 1951 durch die römisch-katholische Kirche übernommen und umgebaut sowie erneut umbenannt.

Nicht weit enfernt liegt die kleine historische Katholische Kirche Maris Stella. Sie wurde von 1885 bis 1986 nach den Plänen des Berliner Architekten Engelberg Seibert als erste katholische Kirche gebaut. Obwohl Preußen protestantisch war bestand Bedarf einer katholischen Kirche für die polnischen Wanderarbeiter. Auch der österreichische Kaiser Franz-Josef I ging hier während seiner Aufenthalte in den Ostseebädern regelmäßig zum Gottesdienst. Leider war auch diese Kirche, wie so viele, außerhalb der Gottesdienste sehr dunkel.

Was macht man an einem regnerischen Tag. Zum Beispiel ins Museum gehen. Also ging es nach dem reichhaltigen Frühstück zu Fuß zum Hafen, wo das Museum liegt.

Das historische Rathaus, in dem sich das Museum befindet, wurde 1805/1806 nach Plänen von Maner erbaut. Nachträglich wurde der Turm mit der Uhr aufgesetzt. In dem Gebäude waren später das Regionalmuseum und die Sparkasse untergebracht. Heute dient es als Museum für die Hochseefischerei.

Ehrlich gesagt interessierten mich die verschiedenen Fisch-Exponate weniger. Spannender waren die maritimen Ausrüstungsgegenstände, die Schiffsmodelle und vor allem die historischen Fotos der Kaiserbäder und die Ausstellung über die Geschichte Swinemündes.

Übersicht der Verteigungsanlagen, erbaut um 1855

Fährt man nach Swinemünde kommt man nicht um die militärischen Hinterlassenschaften herum. Also machte ich mich auf den Weg zum Hafen und zur Mündung der Swine.

Zum Schutz der wichtigen Mündung der Swine und der Oder in die Ostsee wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Preußen eine Festungsanlage, bestehend aus 4 Forts beidseitig der Swine, errichtet. Die Festungsanlagen erfüllten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Aufgabe. Danach wurden sie teilweise bis zu ihrem Abzug im Jahre 1992 durch die Rote Arme genutzt. Seit einigen Jahren werden die stark verfallenen Anlagen wiederhergestellt und sind ein touristischer Anziehungspunkt.

Die erste Station ist das noch sehr gut erhaltene Fort III „Engelsburg“ Das Turmfort wurde 1854 bis 1858 als Widerlage gebaut, die vom linken Ufer die Mündung der Swine blockieren und den Hafen beschützen sollte. Diese Aufgabe hat sie zu den verschiedenen Zeiten gut gemeistert. Heute beherbigt sie ein privat betriebenes Museum mit militärischen Ausrüstungsgegenständen und Waffen sowie käuflich zu erwerbenden Bernsteinschmuck und Bildern.

In unmittelbarer Nähe liegt das Fort IV Zachodni, von dem leider nicht mehr viel erhalten ist. Einzelne Teile wurden wiederhergestellt. Zum Fort Zachodni gehört die Batterie Hennigsen wenige Schritte in Richtung der Swinemündung.

Das Fort „Redoute“, wie die Batterie Hennigsen auch genannt wird, wurde in der Zeit von 1856 bis 1863 errichtet bzw. ausgebaut. Die Geschützstellungen waren gegen die See gerichtet und dienten der Sicherung der Küstenregion. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte die Rote Armee diese Einrichtung. Heute ist es ein viel besuchtes Museum mit zahlreichen militärischen Exponaten aus verschiedenen Epochen.

Ich habe Swinemünde als eine sehr grüne Stadt erlebt. Zahlreiche Parks und Plätze laden zum Spaziergang und zum verweilen ein. Auf der einen oder anderen Parkbank habe ich gesessen und gelesen.

Übrigens lesen. Seit gefühlten 1.000 Jahren hatte ich erstmalig wieder ein gedrucktes Buch in den Händen und ich habe es genossen. Ich habe mir in den letzten Jahren angewöhnt, Bücher nur noch auf meinem iPad zu lesen. Der Vorteil ist, dass die Bücher zu Hause keinen Platz wegnehmen. Der Nachteil ist, wenn das iPad getauscht werden muss, so wie gerade geschehen, und die Bücher dann nicht mehr lesbar sind. Vielleicht sollte ich meine Entscheidung nochmals überdenken.

Es war eine entspannte und erholsame Zeit ohne Internet und ohne Handy, die ich sehr genossen habe. Ich könnte mir eine Wiederholung im Frühjahr nächsten Jahres vorstellen.

Fotos: ROG