„Wenn jemand eine Reise tut

so kann er was erzählen
drum nehm ich meinen Hut und Stock
und tät das Reisen wählen“

Matthias Claudius

Nach zwei Reisen in die zweitgrößte Stadt Belgiens habe ich in dreierlei Hinsicht etwas zu erzählen!

Bei meiner Reise Anfang Oktober entscheide ich mich für einen Flug vom BER nach Brüssel. Bei meiner Ankunft am „berühmtesten“ Airport in Europa weit vor dem Abflug scheint mir alles recht entspannt. Die Flugreisenden bewegen sich unaufgeregt durch das Gebäude. Allerdings ist mal wieder die Schlange vor der Sicherheitskontrolle sehr lang. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass das Personal vor der Kontrolle hilfreich lenkend eingreift. So bilden sich immer wieder lange Schlangen da sich die Reisenden vor einem Kontrollbereich stauen und damit den Zugang zu weniger frequentierten Kontrollstellen blockieren. Ich habe ja Zeit und beobachte das Ganze sehr entspannt.

Puh, geschafft! Jetzt schauen, an welchem Gate der Flieger parken wird. Wie das Schicksal es so will hat der aus Brüssel kommende Flieger 1 1/2 Stunden Verspätung. Danke für die zusätzliche Zeit zum relaxen.

Ganz anders auf dem Rückflug. Dort läuft es wie geschmiert – ankommen – Sicherheitscheck und auf den pünktlichen Abflug warten. Hier zeigt sich die langjährige Erfahrung und Routine der Beschäftigten.

Die zweite Herausforderung stellt die Reise Mitte November dar. Diesmal entscheide ich mich für die Fahrt mit dem Zug. Im Thallys zu sitzen und die Landschaft zu genießen war schon immer mein Traum. Blöd ist, dass ich meine Fahrt nach Belgien auf den Tag lege, an dem sich ein Zugunglück auf der Strecke ereignet, der zu tagelangen Sperrungen führt. Ich habe Glück im Unglück. Mein ICE nach Köln ist einer der wenigen, der fährt. Spätere Züge sind komplett gestrichen, was zu „Begeisterungsstürmen“ der gestrandeten Reisenden führt, insbesondere bei Reisenden zum Frankfurter Flughafen. Folgerichtig kommt es zu einem Ansturm auf die wenigen nicht reservierten Plätze der einzigen Verbindung.

Lange Rede kurzer Sinn. In Köln komme ich mit einer 3stündigen Verspätung an. Anschlusszüge nach Brüssel sind alle ausge- bzw. Überbucht. Eine nette Bahnangestellte trotzt dem Ansturm und drückt mir resolut einen Zettel in die Hand: „Hier sind ihre Verbindungen über Aachen. Gute Fahrt“. Gesagt getan.

Nach 15 Stunden betrete ich das Hotel in Gent und trinke erst einmal ein Leffe blond zum abschalten.

Damit komme ich zu meinem eigentlichen Thema und der Dritten Erzählung.

Gent – ein ganz besonderes Erlebnis

Gent ist mit seinen rund 260.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Belgiens und zugleich die Hauptstadt der Provinz Ostflandern. Sie blickt auf eine über 1400jährige Geschichte zurück. Im Mittelalter gehörte sie Dank des blühende Tuchhandels zu den größten und bedeutendsten Städte Europas. Am 24. Februar 1500 erblickte im Prinzenhof zu Gent der spätere Kaiser Karl V. das Licht der Welt.

Ihre ehemalige Bedeutung und ihr Wohlstand findet sich noch heute in den imposanten historischen Bauten wieder. Im Zweiten Weltkrieg blieb die Stadt glücklicherweise von Zerstörungen verschont.

Der nächste Tag führt mich zunächst zur Touri-Info am alten Fischmarkt. Hier verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt. Gleich gegenüber beeindruckt die

Gravensteen

Diese 1180 von Phillip von Elsass erbaute Trutzburg ist die einzig in Flandern erhalten gebliebene mittelalterliche Wasserburg mit einem nahezu vollständig intakten Verteidigungssystem.

Eine bisher so noch nicht erlebte Audioführung, eingesprochen vom Flämischen Comedian Wouter Deprez, führt mich auf eine kurzweilige Entdeckungsreise in und um die Burg herum. Deprez würzt die historischen Fakten mit komischen Anekdoten und vereinzelt mit Bezügen zur Gegenwart. Allen Gent-Reisenden empfehle ich diese Führung

Majestätische St. Bavo-Kathedrale

Gleich gegenüber meines Hotels beeindruckt mich diese Sehenswürdigkeit, die auf eine über 1000jährige Geschichte zurückblickt. Bereits im 10. Jahrhundert (Jh.). entstand hier das erste Kirchengebäude. Ab dem 12. Jh. folgte ein romanisches Bauwerk das im 15. und 16. Jh. in die Gotische St. Bavo-Kathedrale umgestaltet wurde.

Genter Altar, himmlisches künstlerisches Highlight

Gleich beim Betreten der Kirche zieht mich der 1432 enthüllte Altar (voller Titel: Die Anbetung des Lamm Gottes) der Gebrüder van Eyck in seinen Bann.

Kanzel

Die eindrucksvolle Rokoko-Kanzel stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Kruisbeukorgel

Die Orgel wurde zwischen 1653 und 1655 erbaut.

Altar im linken Seitenflügel

Genter Belfried – ein Weltkulturerbe

Diesen imposant wehrhaften Turm mit der eingebauten Tuchhalle hatte ich zusammen mit der gegenüberliegenden Kathedrale bereits bei meinem ersten Besuch Anfang Oktober erklommen. Laut Wikipedia wird ein hoher, schlanker Glockenturm als Belfried bezeichnet, der insbesondere für flämische Städte typisch ist. Der Genter Turm wurde im 14. Jh. erbaut und ist 95 m hoch. Er steht für Wohlstand und Unabhängigkeit.

Anfang des 15. Jhs. wurden die Stadtprivilien in einer Truhe im Erdgeschoss aufbewahrt.

alles überragender Belfried, im Vordergrund die Tuchhalle

Die Tuchhalle in eleganter Brabanter Gotik wurde 1907 fertig gebaut und „zelebriert den Industrieteil, dem Gent viel zu verdanken hat“.

Alter Fischmarkt

Gegenüber der Grafenburg (Grevensteen) befindet sich der Alte Fischmartk am Zusammenfluss von dem Lieve-Kanal und der Leie. Ab dem Spätmittelalter bis zu den 1960er Jahren verkauften Fischhändler hier ihre Waren. Er ist einer der ältesten Märkte in Gent. Ursprünglich befand er sich eigentlich auf dem Groentenmarkt, aber Ende des 17. Jahrhunderts zog er nach dem Sint-Veerleplein um.

In einem der restaurierten Häuser befindet sich die Tourist-Information.

St.-Michael-Kirche – Kirche mit Ursprung im 11. Jahrhundert

Eigentlich sollte die Kirche den höchsten Turm Gents erhalten. Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Statt gewaltigen 134 m sind es nur dürftige 24 m geworden. 1828 erhielt der unvollständige Turm ein Flachdach. Leider war die Kirche geschlossen und ist damit ein Ziel für spätere Reisen.

St.-Nikolaus-Kirche

An der süd-östlichen Ecke des Korenmarktes steht die imposante St.-Nikolaus-Kirche erbaut aus Blaustein und zählt zu den schönsten Beispielen der Scheldegotik. Auffallend ist der Laternenturm. Er befindet sich nicht, wie üblich, über dem Eingang sondern in der Mitte des Gebäudes. Über den Turm fällt das Licht in das Querschiff. Leider habe ich den Eingang an der Stirmseite zum Korenmarkt gesucht. Da die Türen dort verschlossen sind gehe ich irrtümlicherweise davon aus, dass die Kirsche geschlossen ist. Sie steht jetzt ganz oben auf meiner to do Liste für den nächsten Besuch.

Königlich Niederländisches Theater

Hab ich mich jetzt verlaufen oder nur verschrieben. Wieso niederländisch? Ich bin doch in Belgien! Die Antwort finde ich auf der Homapge von Visit Gent:

„Das Theater am Sint-Baafsplein ist die Heimat von NTGent, einem europäischen Stadttheater, das fest verwurzelt ist in Gent. In jeder Saison bringt es mit seinem festen Ensemble aus flämischen und niederländischen Spitzenschauspielern eigene Theaterproduktionen auf die Bühne. Das Ensemble tritt auch außerhalb seines Sprachraums auf.“

Visit Gent

Korenmarkt

Ein geschichtsträchtiger Ort inmitten der Altstadt. Heute ist er ein beliebter Treffpunkt der Touristen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Preise. Hier benötigt man schon ein größeres Portemonnaie. Sicherlich auch vor 1000 Jahren, als hier Getreide gehandelt wurde.

Groenten Markt – historischer Platz und quirliger Treffpunkt

Auf diesem Platz fanden in Uhrzeiten Hinrichtungen statt. Heute ist es ein beliebter und belebter Platz für gemütliche Treffs. Mitten auf dem Platz steht eine alte Pumpe aus dem 19. Jahrhundert, die an einen Obelisken erinnert.

Weitere Genter Impressionen

Voller Eindrücke und Bilder mache ich mich wieder auf die Rückreise. Bis Köln verläuft alles nach Fahrplan. Hier werde ich von der Realität eingeholt. Insgesamt dauert die Rückreise rund 14 Stunden.

Dank an Wikipedia und vor allem der Homepage von Visit Gent für die Text-Anregungen.

Viermastbark Peking im Hansahafen

Herbstlich frisch ist es, als ich mich auf den Weg in meine Geburtsstadt mache. Dort angekommen begrüßt mich die Hansestadt mit strahlendem Sonnenschein, der Hoffnung macht auf höhere Temperaturen.

Wie üblich sehe ich erst einmal beim Grab meiner Eltern nach dem Rechten. Alles in Ordnung, die Winterbepflanzung überzeugt.

Nun widme ich mich dem eigentlichen Ziel meines Ausflugs, dem Hafen Museum und der Peking bei den Schuppen 50-53 am Hansahafen,

Ich starte an der S-Bahnstation Veddel.

Nach einem Fussweg von ca. 30 Minuten komme ich am Hansahafen an.

Gleich vorne rechts am Bremer Kai liegt das begehrte Ziel meines Ausflugs, die Viermastbark Peking. Sie gehört zu den legendären Flying P-Linern der Reederei F. Laeisz, so genannt nach dem Anfangsbuchstaben der Frachtsegler. Zu den Schwestern zählen unter anderem die Pamir (1957 gesunken), Passat (Museumsschiff in Travemünde), Padua (fährt seit 1969 unter dem Namen Kruzenshtern als Schulschiff der russischen Fischereiflotte) und Pommern (seit 1954 Museumsschiff in Mariehamm, Finnland),

„Die schnellen Segler waren für ihre Robustheit und Geschwindigkeit unabhängig vom Wetter berühmt und ihre Zuverlässigkeit kam der eines Linienbetriebes nahe.“

Wikipedia

Die Frachtsegler transportierten Salpeter aus Chile, das vielfältige Anwendung als Stickstoffdünger fand.

Weitere interessante Informationen zur Peking und dem Salpeter-Anbau in Chile findet Ihr hier!

Der Hansahafen bietet weitere Sehenswürdigkeiten, zB. den Stückgutfrachter MS Bleichen. Sie repräsentiert eine ganze Generation von Frachtschiffen. Gebaut wurde sie 1958 von der Nobiskrug-Werft in Rendsburg. Ihr Einsatzgebiet war die Ostsee. Von Hamburg aus transportierte sie Stückgut nach Schweden und Finnland. Die Rückladung bestand aus Papierrollen und Holz. Siehe auch die Homepage des Vereins „Freunde des Stückgutfrachters MS Bleichen e.V.“

Die Hafenbahn gehörte seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum wichtigsten Transportmittel vom Schiff ins Hinterland. Ausgestellt am Bremer Kai sind 29 historische Fahrzeuge. Nachfolgend eine kleine Auswahl.

Neben den großen „Pötten“ begeistern mich auch die kleineren Einheiten.

Hamburg, Staatsdampfer Schaarhörn und Fährmotorschiff Lühe

Interessant finde ich auch die 15 verschiedenen Hafenkrane am 2018 eingeweihten Anleger Bremer Kai.

Den Abschluss des Geländes bildet das Kopfgebäude mit dem Schaudepot. Leider war ich einige Tage zu spät vor Ort. Ende Oktober endete die Saison hier am Hansahafen und ich muss bis Anfang April des kommenden Jahres mit der Besichtigung des Depots warten.

Mit diesem phantastischen Blick vom Höft auf die Elbphilharmonie verabschiede ich mich für heute. Hamburg ist eine tolle Stadt.

Dank an Wikipedia, die Seiten des Hamburger Hafen Museums sowie der Seite der Stiftung Maritim Hamburg.

Bauhausstadt Dessau

Bahnhof Dessau

Die 9 € – Regelung nutzend mache ich mich Ende Juni auf den Weg in die Bauhausstadt Dessau. Sie heißt mich bei herrlichem Kaiserwetter willkommen und ich begebe mich vom Bahnhof auf den Weg in die Innenstadt.

Durch einen schattigen Park vor dem Hauptbahnhof gelange ich nach wenigen Gehminuten zum historischen Wetterhäuschen / Bärenuhr am Fürst-Leopold-Carré am nördlichen Ende des Friedensplatzes. Die Uhr stammt von der Künstlerfamilie Kieser-Maruhn.

historische Wetterstation / Bärenuhr

Ich gehe die Antoinettenstraße am Friedensplatzes entlang. Rechter Hand grüßt der Bau des Anhaltinischen Theaters, 1938 gebaut als damals größte Bühne nördlich der Alpen mit 1250 Sitzplätzen. Nach Zerstörung im Zweiten Welkrieg erfolgte die Wiedereröffnung im Jahre 1949. Heute verfügt das Theater über 1100 Plätze und ist mit einer der größten Drehbühnen Deutschlands ausgestattet.

Passend dazu steht im Friedenspark direkt an der Antoinettenstraße die 1964 vom Berliner Künstler Prof. Fritz Kühn geschaffene Wasserharfe. Der Brunnen ist nur zeitweilig in Betrieb.

Brunnen „Wasserharfe“

Wenige Schritte weiter trägt am Friedensplatz der „Frieden das Leben“. Eine Statue von Bernd Göbel. Diese Statue steht ich in Rostock-Lichtenhagen.

Frieden trägt das Leben von Gerd Fröbel

Die Architektur der Gebäude weiter südlich auf der Antoinettenstraße erinnert mich ein wenig an den Stil der Frankfurter Alle (ehemals Stalin Allee) in Berlin.

An der Ecke Kavalier- und Friedrichstraße beeindruckt das in der Zeit von 1899 bis 1901 im Stil des Historismus erbaut Gebäude der Alten Post.

Von hier aus schlendere ich zum historischen Zentrum der Stadt.

Rathaus

Das 1898 bis 1901 erbaute Wahrzeichen der Stadt Dessau dominiert den rechteckigen Markt. Der 73 m hohe Turm überragt alle anderen Türme der Stadt. Über 159 Stufen führen auf eine Aussichtsplattform in 41,24 m Höhe. Dieses „Vergnügen“ habe ich mir trotz des Reizes einer umwerfenden Aussicht ersparrt.

Östlich des Rathauses steht auf dem Platz der Deutschen Einheit seit 2002 die Friedensglocke, Denkmal für die politische Wende 1989. Auf der Glocke befinden sich die Inschriften „Keine Gewalt“, „Ich läute für Frieden und Freiheit + Ohne Freiheit keinen Frieden + Ohne Frieden keine Freiheit“. Aussagen, die im Angesicht des Russischen Überfalls auf die Ukraine eine ganz besondere Bedeutung haben.

Die Glocke ist Treffpunkt für Friedensgebete und andere Aktionen.

Friedensglocke auf dem Platz der Deutschen Einheit, rechts im Bild das Gorbatschow-Denkmal

Marktplatz

Der Marktplatz hat sich extra für mich prächtig herausgeputzt und bietet Gelegenheit zur Entschleunigung. Ich genieße den Anblick der in vielfältigen Farben blühenden Pflanzen und versuche zu ergründen, was mir die Skulpturen sagen wollen.

Bei der Randbebauung in den 50er Jahren hat man sich viel Mühe mit der Ausgestaltung gegeben. Die östliche Seite beherrbergt einige gastronomische Einrichtungen, deren Besuch sich lohnt.

Dessaus Kirchen

(Ehemalige) Schloß- und Stadtkirche St. Marien.

Die spätgotische dreischiffige Hallenkirche aus Backstein schaut auf eine über 500jährige, zusammen mit dem romanischen Vorgängerbau sogar auf eine über 800 jährige Geschichte zurück und ist damit die älteste Kirche Dessaus. Zusammen mit dem Rathaus und dem Schloss ist sie stadtbildprägend. Erst 1990 erfolgte der Wiederaufbau der im März 1945 zerstörten Kirche und dient seit dem als öffentlicher Veranstaltungsraum.

St. Peter und Paul

Die neugotische dreischiffige katholische Probsteikirche stammt aus der Mitte des 19. Jahrunderts. Seit 2017 finden grundlegende Renovierungsarbeiten statt, die in diesem Jahr beendet sein sollen. Ob das gelingt? Bis auf einen Schnappschuss der Kirchenfenster gab es nur Baugerüste zu sehen.

St. Georg

Im Mittelalter wurde an dieser Stelle ein Hospital vor den Mauern errichtet, das Siechenhaus. in der Zeit von 1712 bis 1717 ließ Fürst Leopold den zwischenzeitlich verfallenen Kirchenbau durch einen barocken Neubau ersetzen.

Ihr ahnt es schon. Auch die Besichtigung dieser Kirche muss ich in die Zukunft verschieb.

Johanniskirche

Diese 1702 in Dienst genommene, im schlichten spätbarocken Stil mit klassiszistischen Stil erbaute Kirche überrascht mich in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist sie geöffnet und zum anderen begeistert mich das Interieur. Eine nette Dame nimmt sich meiner an und führt mich durch das Kircheninnere.

Für mich überraschend ist die Anordnung der Orgel im Altarraum. Ein ganz besonderer Schatz sind drei Tafelgemälde aus der Cranachfamilie. Ursprünglich hingen sie in der Schloss- und Stadtkirche St. Marien und wurden im Zweiten Weltkrieg hierher ausgelagert.

Leopold III, Friedrich Franz, Fürst und Herzog von Anhalt-Dessau

Johannbau

Das impossante ehemalige Residenzschloss (oder Stadtschloss) Dessau wurde im März 1945 schwer beschädigt. Allein der Johannbau blieb als schwer beschädigte Ruine erhalten und wurde 1990 in seiner usprünglichen Gestalt wieder hergestellt. Heute ist hier das Museum für Stadtgeschichte Dessau untergebracht.

Johannbau

Ganz in der Nähe komme ich am historischen Gebäude der ehemaligen Handelsschule vorbei. Heute ist hier das Gymnasium Philantropinum untergebracht.

Museum für Naturkunde und Vorgeschichte, Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet als Leopolddank-Stift. Der Turmbau entstand 1847 nach dem Vorbild des Hospitals St. Spiritus bei Rom. Seit 1927 ist hier das Museum untergebracht.

Ehemaliger Sitz der örtlichen Filiale der Staatsbank der DDR. Heute als Gesundheitszentrum genutzt.

Gebüude des Umwelt-Bundesamtes

Zum Abschluss noch ein wenig Kunst im öffentlichen Raum.

Das war es wieder für heute. Es gibt noch viel mehr zu sehen und zu berichten. Dies gilt insbesondere für das Bauhaus-Viertel, das ich mir für das nächste Mal reserviere. Interessenten finden hier detailierte Informationen über die Bauhausbauten sowie die Geschichte des Bauhaus-Stils.

Dank an Wikipedia, der Stadt Dessau und anderen für die Anregungen für meinen Text.
Fotos können durch anklicken vergrößert werden.

Forst – ehemaliges „Deutsches Manchester“

Die Stadt im Osten Deutschlands war anno dazumal einer der bedeutendsten Standorte für die Tuch- und Leinenmanufaktur, die vielen Menschen Brot und Arbeit gab. Man nannte die Stadt auch das „Deutsche Manchester“. Die Umbrüche der 1990er Jahre brachten die Textilherstellung zum erliegen.

Voller Neugierde mache ich mich an einem eher trüben Sommertag mit der Regionalbahn auf den Weg an die Neiße. Das letzte Teilstück von Cottbus nach Forst genieße ich zusammen mit einer Handvoll Mitreisender in der „gemütlichen“ Bimmelbahn.

Während die anderen Fahrgäste sich zielstrebig entfernen begebe ich mich auf die Spuren der historischen Industriearchitektur und erhalte nach wenigen Schritten einen ersten Eindruck der damaligen Zeit.

Die Schwarze Jule

Gleich ums Eck erblicke ich den ehemaligen Betriebsbahnhof der Stadteisenbahn, im Volksmund „Schwarze Jule“ genannt. Sie versorgte 73 Jahre lang die Stadt und sorgte für den innerstädtischen Transport der Textilerzeugnisse. 1965 wurde sie stillgelegt.

Viel ist nicht erhalten geblieben. Im Boden sehe ich Teile der Schienenanlagen und verschiedene Funktionsgebäude der damaligen Zeit.

Bevor es ins „Industrieviertel“ im Norden der Stadt geht ist die Stadtkirche St. Nikolai mein nächstes Ziel.

Stadtkirche St. Nikolai

Die Geschichte der Kirche geht zurück auf das 13. Jahrhundert. Der heutige Kirchenbau wurde im 14. Jahrhundert begonnen und erst 1516 „eingewölbt“. Ich lerne, dass der kurfürstlich-sächsische und königlich-polnische Premierminister Heinrich von Brühl in der Gruft in St. Nikolai seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Brühl erwarb in den 40er Jahren des 17. Jahrhunderts die Herrschaften Forst und Pförten (heute Polen) und finanzierte den Wiederaufbau der Stadt nach einem Brand im Jahre 1748.

Kurzer Zwischenstopp am

Haus der Tuchmacher

1930 als Wahrzeichen der Moderne am südlichen Eingang ins Stadtzentrum vom „Fabrikanten-Verein zu Forst“ erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zunächst Sitz der Stadtverwaltung sowie der Polizei. Danach Sitz der Geschäftsstelle der „Gesellschaft der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“. Ferner war es das Kreiskulturhaus. Im Volksmund hieß das Gebäude „Kreml“.

Heute wird das markante Gebäude als Musik- und Kunstschule genutz.

Die nächste Stadtion ist die

Stadtmühle (Forster Stadtmühlenwerke)

Die Stadtmühle war eine hochleistungsfähige, städtebaulich bedeutende Anlage, die für die Energie der Tuchfabriken sorgte. Nach 1945 blieb nur noch der markante Mittelbau erhalten. Noch bis 1964 wurde hier klimaneutral Strom erzeugt. Nach einem jahrelangen Stillstand wurde der Betrieb im Jahre 1990 wieder aufgenommen.

Und jetzt tauche ich ein in die Industriearchitektur.

Heizkraftwerk Avellis

Das im nördlichen Industrieqaurtier gelegene Heizwerk ist mehr als nur ein Funktionsgebäude – es ist ein architektonisches „Statement“.

Flyer „Stadgeschichtlicher Bildungspfad Industriekultur“

Gustav Avellis errichtete 1922/23 das Heizkraftwerk in expressionistischer Ziegelarchitektur. Über Dampfleitungen versorgte das Werk die Textilfabriken im Norden der Stadt mit thermischer Energie, die nach Umwandlung in Strom die Maschinen der Tuchfabriken antrieb. 1995 wurde das Heizkraftwerk stillgelegt und steht heute unter Denkmalschutz.

Heizkraftwerk Avellis

Fabrik C.H. Pürschel – Stolzes Zeugnis der Tuchstadt

Hugo Pürschel gründete 1878 die gleichnamige Tuchfabrik. 1924 baute er eine zweite Fabrikanlage in einer Biegung des Mühlengrabens, was einen optimalen Zugang zum Wasser für den Antrieb der Web- und Spinnmaschinen bot. Die Tuchfertigung und der Handel florierte und C.H. Pürschel trug maßgeblich zum guten Ruf der Stadt als „deutsches Manchester“ bei. Die Fabrik hatte Glück und überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt, so dass die Produktion im „VEB Modetuche“ fortgeführt wurde. 1992 war es dann vorbei und „eines der langlebigsten Unternehmen der Forster Tuchindustrie“ machte die Tore zu.

Firma Hänsel & Co. – Eine Forster Innovation setzt sich durch

Oswald Hänsel forschte und „entwickelte ein revolutionäres technisches Verfahren, mit dem man Rosshaar so verzwirrnen konnte, dass ein kontinuierlicher Faden und damit die industrielle Herstellung von Gewebe ermöglicht wurde“ (Zitat aus „Stadtgeschichtlicher Bildungspfad Industriekultur“).

Die Firma kümmerte sich auch um die Aus- und Weiterbildung seiner Nachwuchskräfte. Sport-, Gesangs- und Fotogruppen waren Teil der Ausbildung. Hänsel betrieb eine moderne Betriebsküche und bot Fremdsprachenunterricht an.

Zu DDR-Zeiten war hier ein Depot für die Staatsreserve untergebracht. Nach dem Krieg wurde die Produktion nach Iserlohn verlegt und 2015 eingestellt.

Tuchfabrik Robert Cattien – Fabrik-Schloß im Norden der Stadt

Erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gehörte die Tuchfabrik zu den bedeutendsten Textilunternehmen der Stadt. Produziert wurden vorwiegend feine Kammgarnstoffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik als Volkseigener Betrieb fortgeführt bis 1992 die Produktion eingestellt wurde. Heute ist das Gebäude Sitz des Landkreises Spree-Neiße.

Tuchfabrik Robert Cattien um 1920 (Quelle: Info-Tafel)

Webschule / Fachschule für Textilindustrie

1885 gründete der Forster Fabrikanten-Verein die Webschule als private Einrichtung. Das Gebäude entstand 1891 und wurde 1911 um einen Neubau in Backstein erweitert. Heute ist der Gebäudekomplex Sitz des Oberstufenzentrums. „Der Lehrplan setzt die Tradition mit seiner Abteilung Textiltechnik und Bekleidung fort“ (Quelle: „Stadtgeschichtlicher Bildungspfad Industriekulur“)

Webschule um 1920 (Quelle: Info-Tafel)

Neiße – Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen

Der Lage an einer Furt verdankt Forst seine Gründung um 1265. Hier querte die alte „Salzstraße“, die Mitteldeutschland und Schlesien verband, die Neiße.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs teilt die beschaulich dahin fließende Neiße die Stadt von ihren östlich gelegenen ehemaligen Gebieten. Die 1923 errichtete, ehemals elegante Brücke wurde 1945 zerstört und bisher nicht wieder aufgebaut. Allerdings vermute ich, dass es auf der gegenüberliegenden Seite nur weite Landschaft gibt.

Nach so viel Industrie und Informationen zum Schluß einige Stadtansichten zur Entspannung.

Ein spannender und lohnenswerter Ausflug in die industrielle Vergangenheit geht zu Ende. Wie immer habe ich viele neue Eindrücke mitgenommen.

Dank an die Stadt Forst, deren Flyer viele Infos für meinen Bericht geliefert hat.

Torgau – eine Stadt voller Geschichte

„Erleben Sie eine der schönsten Renaissance-Städte Deutschlands und erkunden die einstige Residenzstadt an der Elbe. Spüren Sie die Aufregung in der Luft – Torgau ist Ausrichter der 9. Sächsischen Landesgartenschau vom 23. April bis 9. Oktober 2022. Hier beginnt Ihr Urlaub – Mit einem besonderen Gruß von Katharina Luther.“

Homepage des Torgau-Information-Centers

Dieses Versprechen macht mich neugierig und ich freue mich auf spannende und unvergessliche Eindrücke.

Vor einigen Wochen weilte ich „Auf den Spuren Luthers“ in Wittenberg und in meinem Artikel „Jüterbog – die Stadt zum Anstoss“ habe ich auf die Bedeutung dieser Region für die Reformation hingewiesen. Es liegt also nahe, sich auch Torgau zu widmen.

Eine weitere Fassette der geschichtsträchtigen Entwicklung dieser Stadt war die historische Begegnung amerikanischer und russischer Soldaten am 25. April 1945 an der Elbe.

Markt mit Rathaus und Umfeld

Mein erster Gang führt mich zum Markt und zur Tourist-Information. Eine freundliche junge Dame versorgt mich mit allem Erforderlichen für meine Erkundungstour. Bereits auf dem Weg bewundere ich die am Wegesrand aufgereihten Renaissance-Bauten. Schaut selbst.

Das in den Jahren 1563 bis 1578 im Stil der Renaissance errichtete gewaltige Rathaus ist der bedeutenste Profanbau der Stadt und gilt als schönstes Rathaus Sachsens. Ins Auge fällt der Erker auf der linken Seite.

Um den Marktplatz und den umliegenden Straßen begeistern die prächtigen Patrizierhäuser.

Rathaus hinter den Wagen der Marktbeschicker

Ehemalige Nikolaikirche

Gleich um die Ecke soll die Nikolaikirche stehen. Aber wo genau? Ich gehe drei mal um den Block und bin verzweifelt. Keine Nikolaikirche zu sehen. Aha! Völlig verschämt hat sie sich im Rathaushof versteckt. Ist ja auch kein Wunder – sie ist eine Ehemalige! 1509 fand hier die erste deutsche Taufe statt. Ein Jahr später die erste evangelische Predigt. Später wurde sie säkularisiert und diente als Gewandhaus, Mehlwaage u. a.

Stadtkirche St. Marien

Die spätgotische Stadtkirche St. Marien (Baueginn um 1390) bestimmt zusammen mit dem Schloß die Stadtansicht. Katharina von Bora wurde in dieser Kirche begraben.

Epithaph Katharina von Bora (Luthers Ehefrau)

Schloss Hartenfels

Architektonisches Meisterwerk der Renaissance und nachgewiesener Ort der Refomationsgeschichte. Lange Zeit das modernste Wohnschloss Sachsens, war Hartenfels Austragungsort glänzender Feste, Landtage, Hochzeiten und schon seit Kurfürst Johann Friedrich ein bedeutender Ort der Musikpflege. Später, nachdem die sächsischen Kurfürsten von Dresden aus regierten, diente das Torgauer Schloss ganz anderen Zwecken u.a. als Kaserne.

Großer Wendelstein – prunkvoller Treppenturm vor dem Johann-Friedrich-Bau, 1533-1537

Schlosskapelle

Die Torgauer Schlosskapelle ist der erste Neubau eines protestantischen Gottesdienstraums nach der Reformation und der erste von Luther am 05.10.1544 geweihte Kirchenbau. Damit ist sie von herausragender internationaler Bedeutung für die Reformation. Erbaut wurde sie im Auftrag von Kurfürst Johann Friedrich dem Großmütigen. Er war ein glühender Anhänger Luthers.

Ungewöhnlich ist der Standort der Orgel oberhalb des Altars. Die gegenüberliegende Seite ist durch die dem Herrscher vorbehaltene Empore belegt. Die weltliche Macht steht über der kirchlichen? Geht gar nicht. Kurzerhand wurde der Altar auf der anderen Seite aufgestellt.

Die heutige Orgel stammt von 1994.

Herzstück bildet die gegenüber dem Portal hängende Kanzel. Sie empfängt die Besucher und dokumentiert den zentralen Stellenwert der Predigt.

Jugendwerkhof – Ein Haus der Jugendhilfe

In diesem Haus befand sich der einzige geschlossene Jugendwerkhof der DDR, eine Disziplinierungsanstalt der Jugendhilfe, die direkt dem Ministerium für Volksbildung und damit Margot Honecker unterstand. Während seines Bestehens vom 1. Mai 1964 bis zum 11. November 1989 wurden über 4.000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zur „Anbahnung eines Umerziehungsprozesses“ eingewiesen, die in anderen staatlichen Erziehungseinrichtungen negativ aufgefallen waren. Doch hatten sie weder Straftaten begangen noch gab es eine richterliche Anordnung für die Einweisung. Eiserne Disziplin und paramilitärischer Drill sollten eine Veränderung ihres Verhaltens bewirken, vor allem die Bereitschaft, sich den „sozialistischen Lebensnormen“ unterzuordnen.

Leider öffnet die Gedenkstätte erst am frühen Nachmittag. Bei meinem nächsten Besuch steht diese Gedenkstätte ganz oben auf meiner Liste.

Mit einem abschließenden Blick auf die Elbe verabschiede ich mich von der geschichtsträchtigen Stadt. Es wird nicht der letzte Besuch sein.

Dank an Wikipedia und der Tourist-Info für die Textanregungen.

Durch anklicken der Fotos können diese vergrößert werden. Einige Bildunterschriften sind auch auf weiterführende Erläuterungen verlinkt.

Titelbild: Tobias Bauer auf Pixabay

Auf den Spuren Martin Luthers

„Die Wittenberger leben am Rande der Zivilisation; wenn sie etwas weiterhin sich angesiedelt hätten, wären sie mitten in die Barbarei gekommen“

Widipedia

Derartig abfällig äußerte sich Martin Luther als er von Erfurt nach Wittenberg umzog, um sein Theologiestudium fortzusetzten.

Aus eigener Inaugenscheinnahme kann ich bestätigen, dass diese Aussage heute in keinster Weise mehr gültig ist. Wittenberg liegt mitten in der Zivilisation und macht auf mich einen lebendigen Eindruck mit Menschen, die sich der Bedeutung dieser Stadt bewußt und stolz darauf sind.

Mein Rundgang führt mich zunächst zur Tourist-Information am Schlossplatz. Ausgerüst mit einem Stadtplan und einem Audiogerät begebe ich auf Luthers Spuren, die überall sichtbar sind.

Schlosskirche „Allerheiligen“

Gleich gegenüber der Tourist-Info steht die 1503 geweihte Schlosskirche, auch Kirche der Reformation genannt. Mit den von Luther am 31. Oktober 1517 an die Kirchentür angeschlagenen 95 Thesen nahm die Reformation ihren Anfang.

Baulich ist die Kirche mit dem Schloss verbunden und bildet den nördlichen Seitenflügel.

Auf dem Weg zum Marktplatz mit Rathaus und Denkmälern von Luther und Melanchthon komme ich an verschiedenen sehenswerten historischen Gebäuden vorbei.

Cranach-Haus

Am Ende der Schloss-Straße treffe ich auf der rechten Seite auf das Cranach-Haus. Hier lebte und wirkte Lucas Cranach der Ältere. Zusammen mit Christian Döring betrieb er eine Druckerei, in der unter anderem Luthers Bibelübersetzung gedruckt wurde. Im Vorderhaus, das ehemalige Wohnhaus der Familie Cranach, laden 21 individuell ausgestattete Zimmer der Cranach-Herberge zum Verweilen ein.

Markt und Rathaus

Der Marktplatz, bebaut um 1535, mit seinem Kofpsteinpflaster und den restaurierten Renaissance-Häusern begeistert mich. Dies gilt insbesondere für das 1534 im spätgotischen Stil festiggestellte Rathaus.

Auf dem Weg zum Lutherhaus lass ich verschiedene Gebäude und deren Geschichten auf mich wirken.

Lutherhaus

Das Lutherhaus wurde 1504 als Augustinerkloster erbaut. Auch Luther lebte hier ab 1508 als Mönch. Im Rahmen der Reformation wurde das Kloster aufgelöst und Luther erhielt das Haus übereignet. Das 1580 errichtete Vorderhaus wurde in Erinnerung an August I von Sachsen als Augusteum bezeichnet.

Die Dauerausstellung „Martin Luther – Leben, Werk, Wirkung“ ist meines Eindrucks nach ein absolutes Muss. Normalerweise verliere ich relativ schnell das Interesse an Ausstellungen. Dies war in diesem Fall jedoch nicht der Fall.

Das nachfolgende Zitat beschreibt die Ausstellung voll umfänglich.

„Die Dauerausstellung „Martin Luther – Leben, Werk & Wirkung“ stellt anschaulich dar, wie Luther lebte und wie sein Wirken die Welt veränderte. Zu den Exponaten gehören Luthers Mönchskutte, die 10-Gebote-Tafel von Lucas Cranach, Luthers Bibel sowie Handschriften und Medaillen. Die original erhaltene Lutherstube erinnert an die berühmten Tischgespräche des Reformators, die er mit seinen Weggefährten sowie seiner Frau Katharina von Bora hier hielt. Im beeindruckenden Großen Hörsaal finden Sie spannende zeitgenössische Exponate aus der Reformationszeit. „

https://lutherstadt-wittenberg.de/sehen-entdecken/sehenswuerdigkeiten/lutherhaus

An dieser Stelle seien mir einige Ausführungen zu Martin Luther und seiner Familie gestattet. Luther wurde 1483 in Eisleben geboren und starb 1546 ebenda. 1525 heiratete er 42 jährig die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Das Paar hatte 6 Kinder. Ferner lebten im Haushalt einige Studenten und wurden von Katharina versorgt. Um dies zu bewerkstelligen baute sie in ihrem Garten Obst und Gemüse an.
In dem Zusammenhang ist eine Textpassage des Museums interessant:

„Nach biblischem Vorbild ist für ihn (Martin Luther) das Haus der unbestreitbare Herrschaftsbereich der Frau. Dahinter steht eine Vorstellung von der Gleichberechtigung der Eheparnter, die sich grundsätzlich von modernen Auffassungen unterscheidet: Jeder hat in seinem Bereich die gleichen Rechte. Die Frau verantwortet die Familie und den Haushalt nach innen, der Mann nach außen. Katharinas Wirken öffnet Luther aber die Augen für viele Altagsprobleme, die in ähnlicher Weise auch seine Wittenberger Gemeinde betreffen. Durch sie wird Luther gefordert, seine theologischen Erkenntnisse auf alltägliche Erfahrungen anzuwenden“

Erläuterungstafel in der Dauerausstellung „Martin Luther – Leben, Werk & Wirkung“

Nach diesem kurzen Ausflug in das Leben der Familie Luther zurück zu einigen Impressionen des Hauses und der Ausstellung.

Stadtkirche St. Marien – Mutterkirche der Reformation

1187 erstmals erwähnt ist es das älteste Gebäude Wittenbergs. Hier predigten Martin Luther und Johannes Bugenhagen. 1521 fand hier die erste in deutscher Sprache gehaltene Heilige Messe sowie das erste Abendmahl mit Brot und Wein statt. Hier gaben sich Katharina von Bora und Martin Luther das Ja-Wort.

In der mir zur Verfügung stehenden Zeit habe ich eine Menge gesehen und gelernt. Trotzdem ist noch Einiges für einen nächsten Besuch übrig geblieben.

Ich bitte um Nachsicht dafür, dass dieser Reisebericht etwas länger als bisher ausgsefallen ist. Es gab halt viel zu fotografieren.
Wie immer lassen sich die Fotos durch anklicken vergrößern. Für meine Texte wurde ich durch offizielle Seiten der verschieden Einrichtungen und der Stadt sowie Wikipedia inspiriert

Jüterbog – die Stadt zum Anstoß

„Ja, mach nur einen Plan! Und mach dann noch´nen Plan. Gehn tun sie beide nicht!“

Berthold Brecht in seiner Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens

Ursprünglich ist mein Plan, einen Fotoausflug nach Torgau an der Elbe zu machen und ich starte in aller Herrgottsfrühe. Leider habe ich die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Bahn gemacht. Die ausgewählten Verbindungen funktionieren nicht. Also mache ich noch´nen Plan mit Ziel Bitterfeld. Auch dieser geht nicht und ich entscheide mich für Jüterbog. So richtig vorbereitet auf diese Stadt bin ich nicht, aber sehr, sehr neugierig.

Die 1007 erstmals erwähnte Siedlung spielte eine entscheidende Rolle der Reformation. Der bekannte Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Teztel trat im Auftrag des Erzbischofs von Mainz auch in Jüterbog auf und verkaufte erfolgreich Ablassbriefe. Dies war, so die Aussage der Stadt, der Anstoß, der zu Martin Luthers 95 Thesen führte und damit zur Reformation.

Heute wirkt die Stadt im Südwesten des Landes Brandenburg mit ihren rund 12.000 Einwohnern auf mich recht provinziell beschaulich und gemütlich. Positiv überrascht bin ich vom historischen Stadtkern.

Stadtrelief

Meinen Stadtspaziergang beginne ich, wen wunderts, am 1841 in Betrieb genommenen Bahnhof. Er zählt zu den ältesten Bahnhöfen Brandenburgs. Auf dem Bahnhofsvorplatz werde ich von Johanna herzlich begrüßt. Das künsterlerische Ensemble geht auf das gleichnamige Kinderbuch von Klaus-Peter Gust zurück. Leider kann mich Johanna nicht ins Zentrum bringen. Also begebe ich mich auf den rund 20 minütigen Fussweg.

Stadtbildprägend ist die wahrscheinlich 1488 geweihte doppeltürmige St. Nikolaikirche. Leider war ich für eine Besichtigung zu früh vor Ort. Die Kirche, wie andere Sakralbauten auch, öffnet erst am frühen Nachmittag.

Das Zentrum bildet der Markt mit dem 1285 erricheten Rathaus. Es ist ein heraussragendes Zeugnis für Profanbauten. Als Mehrzweckbau wurde es unter anderem auch zum Warenhandel genutzt.

Marktplatz

Der Schmied von Jüterbog ist ein Volksmärchenm, in dem der Schmied falsche Entscheidungen traf und so die Seligkeit verpasste.

Die Liebfrauenkirche war die einzige geöffnete Kirche. Errichtet 1161 im Auftrag des Magdeburger Erzbischoffs Wichmann von Seeburg. Sie ist die zweitälteste Kirche Brandenburgs.

Teile der Stadtmauer mit Wehrtürmen und Stadttoren sind erhalten geblieben.

Sowohl die seit 2005 im ehemaligen Landratsamt untergebrachte Evangelische Grundschule mit Übergang zum ehemaligen Kloster und zur Liebfrauenkirche als auch das 1901 errichtete Goethe-Schiller-Gymnasium fügt sich nahtlos in die historische Architektur der Stadt ein.

Der Abtshof oder auch Stadthof der Äbte des Klosters Zinna. Als spätgotischer Stadtpalast 1480 erbaut. Bis zur Eröfffnung des Kulturquartiers war hier das Regionalmuseum untergebracht.

Das Ende des 15. Jahrhunderts erbaute ehemalige Franziskanerkloster mit Kirchenhaus blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück. Heute ist das Mönchenkloster ein Ort der Kultur und beherrbergt unter anderem die Stadtbibliothek, das Museum und die Stadtinformation.

Kulturquartier Mönchenkloster

Der runde Turm des Zinnaer Tors wurde im 1300 Jahrhundert im unteren Teil aus Feldsteinen errichtet und im oberen Teil um 1480 bis 1490 aus Backsteinen erweitert. Der eckige Turm ist ein spätgotisches Bauwerk.

Zinnaer Tor

An der Ecke Markt und Große Straße fällt das 1913/1914 errichtete Sparkassengebäude auf. Für die Fassade wurden handgefertigte Ziegel verwendet.

Der Sparkasse gegenüber bestaune ich ein schönes Fachwerkhaus.

Der Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Tetzel spielt, wie man sehen kann, eine herausragende Rolle in der Stadt. Neben dieser Skulptur erinnern die unweit gelegenen Tetzelstuben an diese Figur. Aus heutiger Sicht könnte man ihn als Trickbetrüger bezeichnen, der den gutgläubigen Menschen das Geld aus den Taschen zog.

Statue des Dominikanermöchs Johann Tetzel

Mit dem abschließenden Blick auf die Schwanenfamilie, die es sich auf den Asphalt gut gehen lässt, verabschiede ich mich von der Stadt. Obwohl nicht vorbereitet, war es ein lehrreicher Ausflug, der mich neugierig macht auf mehr. Auf jeden Fall komme ich wieder zurück, da noch das eine oder andere zu besichtigen ist.

Wikipedia sei Dank für die Textanregungen.

Kaiser- und Hansestadt Tangermünde

Dort, wo der Fluß Tanger in die Elbe mündet thront hoch oben eine Burg, die 1009 erstmals als Tangermünde erwähnt wird. Sie gehörte zu einer ganzen Reihe von Burgen an der Elbe zum Schutz gegen die am anderen Elbufer siedelnden Slawen. Die Burg zählt noch heute zu den größten Höhenburgen Norddeutschlands.

Die Lage an der Elbe und die Mitgliedschaft in der Hanse förderten den Handel mit Tuchen, Getreide, Holz und anderen Waren. Dies überzeugte Kaiser Karl IV. (römisch-deutscher Kaiser und König von Böhmen) davon, die Tangermünder Burg für 5 Jahre zu seiner Zweit-Residenz zu wählen.

Der Wohlstand der Händler schlug sich auch in der Architektur nieder, wovon ich mich heute überzeugen kann.

Stadtrelief zeigt sehr schön die Gestalt der Altstadt.

Nach meiner Ankunft führt mich mein Weg zunächst zur Tourist-Info am Marktplatz. Kurz entschlossen buche ich eine Stadtführung.

Markt und Rathaus

Die wirtschaftliche Blüte im 15. Jh. ermöglichte den Bau des spätgotischen Rathauses mit seinem 24 m hohen Scheingiebel. Es zählt zu den architektonisch wertvollsten Profanbauten der Backsteingotik Norddeutschlands. Im Obergeschoss bewundere ich den Rathausfestsaal sowie die Ratsstube, heute als Trauzimmer genutzt. Im Erd- und Kellergeschoss hätte ich das Stadtgeschichtliche Museum besuchen können. Keine Zeit, wird nachgeholt.

Rathaus mit Scheingiebel, 1846 erbaute Außentreppe mit Laubengang zum Rathausfestsaal und Ratsstube (heute als Trauzimmer genutzt)

Vor der Gerichtslaube steht das 2009 aufgestellte Denkmal von Grete Minde. Grete wurde 1593 geboren und entstammte einer angesehenen Patrizierfamilie. Nach dem Tode ihres Vaters wird sie um ihren Erbanteil gebracht. Als ein Brand in der Stadt ausbricht wird sie der Brandstiftung bezichtigt und nach Folter zum Tode verurteilt. 1619 wurde sie qualvoll hingerichtet. Später wird Grete rehabilitert. Theodor Fontane nimmt sich des Themas an und schreibt mit künsterlischer Freiheit die lesenswerte Novelle gleichen Namens.

Umgebung des Rathauses

Stadtmauer und Tore

Wie es sich für eine altehrwürdige Stadt gehört wird auch die Altstadt Tangermündes von einer fast komplett erhaltenen Stadtmauer, erbaut im 14. Jahrhundert, umgeben.

Wohlstand schürt Neid und lockt zwielichtige Gestalten an. Also braucht man Tore, in diesem Fall drei an der Zahl.

Neustädter Tor

Wenige Schritte die Kirchstraße hinunter begrüßt mich das impossante Neustädter Tor. Es gehört zu den schönsten mittelalterlichen Toranlagen Norddeutschlands. Der rechteckige Turm wurde um 1300 und der Rundturm sowie der Mittelbau um 1450 unter der Ägide von Kurfürst Friedrich I. errichtet. Auch damals waren die Herrscher bestrebt, ihre Waffentechnik weiter zu entwickeln. Irgendwann war das Tor nicht mehr nützlich und es zerfiel. Rund 450 Jahre später nahm sich Kaiser Wilhelm II. des Gebäudes an und sorgte für die Sanierung.

Neustädter Tor mit den Wappen (vlnr) Preußischer Königsadler, Reichsadler des Bismarkreiches, Tangermünder Adler, Adler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und last but not least Brandenburgischer Adler.

Roßfurt mit Elbtor

100 m langer Hohlweg, der die Elbe über das Elbtor mit der Stadt verbindet. Bis ins 19. Jh. war es der einzige Zugang für Pferd und Wagen zur Elbe.

Hünerdorfer Tor oder auch (Eulenturm) genannt

Von der hier befindlichen Doppeltoranlage blieb nur der 24 m hohe Wehrturm des Haupttors erhalten. Der untere rechteckige Teil stammt aus der Zeit um 1300. Mitte des 15. Jahrhunderts wurde der Turm um einen achteckigen Aufsatz erweitert.

Schrotturm

Der im Mittelalter errichtete Wehrturm wurde 1825 durch einen Tangermünder Kaufmann auf eine Höhe von 47 m aufgestockt, um hier eine Schrotgießerei einzurichten, die bis Mitte des 19. Jh. Schrotkugeln herstellte.

Blick in die Turmstraße zum Schrotturm

Kirchstraße

Die Kirchstraße verbindet die St. Nikolai- (im Südwesten) und St. Stephanskirche (im Nordosten). Hier bewundere ich die zahlreichen restaurierten Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert. Aber auch die neu erbauten Gebäude sind sehenswert.

Kirchstraße 23 gehört mit seinen reichen Flachschnitzereien zu den schönsten Fachwerkhäusern
Kirchstraße 59

Tangemünder Burg / Schloß

An dieser Stelle stand ursprünglich die von Kaiser Karl IV. ab 1373 bewohnte Burg. Sie wurde 1640 durch schwedische Truppen zerstört. Der Preußenkönig Friedrich I. ließt um 1700 das heutige Gebäude als schlichtes Barockschloss errichten. Heute befindet sich hier ein 4-Sternehotel.

Bereits von Weitem grüßt der im 14. Jahrhundert errichtete Kapitelturm. Im 16. bis 18. Jahrhundert diente er als Getreidespeicher für das Berliner Domkapital. In 50m Höhe bietet sich ein phantastischer Ausblick in die umliegende Landschaft. Leider fehlt die Zeit für einen Aufstieg. Wird nachgeholt.

St. Stephanskirche

Die gotische dreischiffige Hallenkirche beeindruckt bei aller Bescheidenheit des Protestantismus´ mit ihrer dezenten Pracht. Seht selbst.

St. Nikolaikirche

Gleich am Neustädter Tor treffe ich auf die St. Nikolaikirche. Aber was ist das? In großen Lettern wird auf schwarzen Tafeln für Schwanzbier geworben. Nun weiß man ja, dass anno dazumal aus hygienischen Gründen Bier statt Wasser getrunken wurde. Aber heute? Bei genauem Hinschauen löst sich das Rätsel.

Um 1200 wurde die Kirche dem Schutzpatron der fahrenden Kaufleute und Schiffer gewidmet und mit der Reformation entweiht. Seit dem hatte sie verschiedene Funktionen wie z.B. Garnison und Gefängnis. Heute befindet sich die „Zecherei St. Nikolai“ in diesem Gebäude.

Nun zum Schwanzbier: Seit altersher wurde das Wasser der Tanger zum Bierbrauen benutzt. Allerdings soffen auch die Rinder das Wasser der Tanger. Versuche, die Rindviecher zu vertreiben scheiterten und so hing mindestens ein Kuhschwanz im Wasser der Tanger.

Hafen Tangermünde

Der Mündungsarm der Tanger in die Elbe eignete sich hervoragend für die Anlage eines Hafens. Schifffahrt war für die Tangermünder seit jeher ein wichtiger Wirtschaftszweig. Neben Stückgut wurden Steinkohle, Kartoffeln, Getreide, Baumaterialien usw. umgeschlagen. Heute wird der Hafen von Sportbooten und der Fahrgastschiffahrt genutzt.

Wollt Ihr vertiefende Informationen? Dann kann ich die m. E. sehr informative Homepage der Tourist-Info, von der diesmal meine Texte stammen, empfehlen.

Dank an dieser Stelle der netten Dame für die informative und erhellende Führung durch die Altstadt. Sie hat neugierig gemacht und ich werde zur Vertiefung wieder kommen.

Neustrelitz – Besuch beim Europäischen Hochadel

Neustrelitz entstand im Gegensatz zu anderen Städten Mecklenburgs relativ spät. Erst 1733 beauftragte Großherzog Adolf Friedrich III von Mecklenburg Strelitz die Errichtung dieser Planstadt. Der Präfix deutet es an, es gab bereits eine Residenzstadt mit Namen Strelitz, die 1712 einem Stadtbrand zum Opfer fiel.

Das herzogliche Haus Strelitz war im Europäischen Adel gut vertreten. Die Prinzessin Sophie Charlotte war von 1761 bis 1818 britische Königin. Königin Luise von Preußen war die Gemahlin von Friedrich Wilhelm III und Mutter des späteren Kaisers Wilhelm I und der Ehefrau (Alexandra Fjodorowna) von Zar Nikolaus I.

Angesichts all dieser hochherrschaftlichen Personen ziehe ich mir meinen besten Rock an und lasse anspannen. Mit mehr als 10.000 Pferdestärken geht es nordwärts.

Stadtrelief

Bei bedecktem Himmel und dem Spaziergang förderlichen Temperaturen heißt mich die Residenzstadt mit dem Kunstwerk „Reisende aus einer anderen Zeit“ herzlich willkommen. In der Tat, sehen sie aus der Zeit gefallen aus.

Bahnhof

Mein Spaziergang führt mich zunächst zur 1875 eingeweihten Katholischen Kirche am Beginn der Strelitzer Straße. Bei den an der Fassade sichtbaren Figuren handelt es sich um die Apostel Petrus und Bonifacius. Ich habe lange darüber nachgedacht, was uns der Künstler mit dem Gestell im Vordergrund sagen will?

Ich biege in die Strelitzer Straße ein und schlendere hinauf zum zentralen Marktplatz. Restaurierte Wohn- und Geschäftshäuser prägen das Straßenbild. Gleich rechts fällt ein gelbes Backsteingebäude im Stil englischer Gotik auf, die frühere Infanteriekaserne mit Reithalle.

Und schon stehe ich auf dem Marktplatz, von dem acht Straßen sternförmig abgehen. In Erinnerung an die im sogenannten großen Vaterländischen Krieg Gefallenen der Sowjetischen Armee stand hier nach dem Zweiten Weltkrieg ein übergroßes Ehrenmal. Von Neubrandenburg kommend fuhr man in den 1990er Jahren direkt darauf zu. Mit Abzug der auch in Neustrelitz in exponierter Lage stationierten Soldaten wurde das Ehrenmal im Jahre 1995 entfernt.

Rathaus, 1841 – 1843 durch Friedrich Wilhelm Buttel (einem Schinkel-Schüler) geplant und gebaut

Neben dem Rathaus ist die 1778 vom Leibmedicus Verpoorten erbaute Stadtkirche prägend. Buttel errichtete 1831 den 45 Meter hohen Turm im toskanischen Stil, von dem man einen herrlichen Blick auf die Stadt hat.

Auf Empfehlung eines älteren Herren und seiner Ehefrau beginne ich den Aufstieg über einen erst in den 1930er Jahren geschaffenen, teilweise durchaus herausfordernden Zugang auf den 45 m hohen Turm. Im ersten Stock bietet die hier angesiedelte Bibliothek Gelegenheit zur ersten Verschnaufpause.

Bibliothek im ersten Stock des Turms. Hier besteht die Möglichkeit des Lesens und sich Bücher auszuleihen.
Puh, ganz schön steil!

Außer Atem werde ich durch den wundervollen Ausblick über Neustrelitz und den Zierker See entschädigt.

Gleich hinter der Stadtkirche befindet sich die ehemalige „Großherzogliche, Höhere Mädchenschule“. 1831 / 1833 erbaut von …… natürlich von Buttel. Bis 1938 und nach dem Krieg bis zur Wende war es Schule, danach Bank- und Bürohaus.

Von hier aus führt mich mein Stadtrundgang die Zierker Straße zum Hafen am Zierker See hinunter. Die prägende Bebauung stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachfolgend einige herausstechende Beispiele.

Nach wenigen Schritten entlang der Hafenbahngleise gelange ich zum Stadthafen am Zierker See, angelegt 1841 bis 1846. Der Hafen mit den Backsteinspeichern war früher Umschlagplatz für Güter, danach stillgelegt und seit 2002 ein touristischer Wasserwanderrastplatz.

Dem Hafen gegenüber bewundere ich das Carolinenstift. Anfangs war es mit 60 Betten das erste große Krankenhaus der Stadt, 1860 gestiftet von Herzogin Caroline. 1905 und 1932 erweitert und nach der Großherzogin Augusta benannt. Nutzung als Krankenhaus bis 2010. Heute sind hinter der historischen Fassade Wohnungen entstanden, die sicherlich nicht unter das Stichtwort „bezahlbarer“ Wohnraum fallen. Im Carolinenstift starb der Komponist Engelbert Humperdinck.

Carolinenstift

Auf dem Kreisverkehr an der Seestraße bewundere ich eine Strelitzienskulptur aus Edelstahl des Metallgestalters René Winter. Ein Brite entdeckte 1773 die Pflanze in Afrika. Sie erhielt ihren Namen nach Strelitz, der Heimat der britischen Königin Sophie Charlotte, geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz und wurde so zur Stadtblume dieser Stadt.

Strelitzienskulput von René Winter, Stadtblume Neustrelitz`

Mein Weg führt mich entlang der Straße An der Prommenade. Auf der linken Seite, gegenüber der Orangerie sehe ich eine heruntergekommene weiße Villa. Es handelt sich um die frühere „Mecklenburg-Strelitzsche Hypothekenbank“, von 1899 bis 1993 als Bankgebäude genutzt. Zu DDR-Zeiten war hier der Sitz der Regionaldirektion der Staatsbank der DDR. Zum 01. Juli 1990 übernahm die Deutsche Bank das Gebäude. Ich kann mich noch an verschiedene Besuche in der Filiale erinnern.

ehemaliges Bankgebäude, hier war ich Anfang der 1990er Jahre häufiger „zu Besuch“.

Ich biege in die Schloßstraße und kehre zum Marktplatz zurück. Früher wohnten hier der Adel und die Hofbeamten.

Vom Marktplatz geht es dieses Mal rechts an der Stadtkirche vorbei in Richtung des Glambecker Sees.

Entlang des Glambecker Sees geht es vorbei am Gymnasium Carolinum (errichtet 1925, im Zweiten Weltkrieg als Lazarett und danach bis 1993 als Offizierskasino der Roten Armee genutzt) und der 1999 erbauten Strelitzhalle. Dieser Teil der Stadt zusammen mit dem Villenviertel Adolf-Friedrich-Straße auf der gegenüberliegenden Seeseite war zwischen 1945 und 1993 den sowjetischen Offizieren vorberhalten. Den Neutrelitzern war der Zugang versagt.

Glambecker See auch Glammi genannt (rd. 13 ha groß und bis zu 28 m tief)

Ich wende mich vom See ab und gehe zum Christian-Daniel-Rauch-Platz, der an den großen klassiszistischen Bildhauer des 19. Jahrundert erinnert. Den Platz ziert eine Figurengruppe „Glaube-Liebe-Hoffnung“ der Bildhauer Dorothea und Uwe Maroske. Dahinter befindet sich das 1910/1911 erbaute Lyzeum (heute evangelische Grundschule). Auch das 1910 erbaute repräsentative Wohnhaus mit seinen Jugendstilelementen weckt mein Interesse.

Die Elisabethstraße mit ihren ansehnlichen Bürgerhäusern, von denen noch einige erhalten geblieben sind, führt mich zurück zur Tiergartenstraße und damit zum „Schloßbezirk“.

Tiergartenstraße / Hertelstraße

Neustrelitzer Schloss / Schlosskirche

Von der Großherzoglichen Residenz sind leider nur noch wenige Gebäude erhalten. Das Schloss, erbaut in den Jahren 1726 – 1731, brannte Ende des Zweiten Weltkriegs aus und wurde 1949 abgerissen. Auf Wikipedia findet Ihr ein Foto des Schlosses mit Schlosskirche von 1920, das veranschaulicht, was verloren gegangen ist.

Erbaut wurde die Schloßkirche in den jahren 1855 bis 1859 als kreuzförmige einschiffige Basilika. Heute wird sie als Plastikgalerie Schlosskirche Neustrelitz für die wechselnde Ausstellungen genutzt.

Schlosskirche

Zum Abschluss geht es von der Kirche in den Schlosspark.

Es war wieder ein erlebnis- und lehrreicher Ausflug nach Mecklenburg-Vorpommern.

Zur Vergrößerung der Fotos einfach draufklicken. Bei den Texten bedanke ich mich wieder bei Wikipedia und dem Flyer „Stadtrundgang durch die Residenzstadt“. Titelbild: Detlef Müller auf pixabay.

Es gibt noch das eine oder andere zu vertiefen. Ich komme also wieder.

Magdeburg und seine Kirchen

In einem meiner letzten Artikel berichtete ich über meinen Ausflug in die Ottostadt Magdeburg. Heute widme ich mich ihren Kirchen, soweit noch existent.

Otto I, auch der Große genannt, gründete nicht nur die Stadt Magdeburg, sondern machte sie auch zur Bischofstadt. Sie spielte eine wichtige Rolle während der Reformation. Daher wundert es mich nicht, dass sie als Stadt der Kirchtürme galt. In den letzten Tagen des II. Weltkriegs wurden die Stadt und damit auch die Kirchen zerstört. Der Versuch des Wiederaufbaus der Sakralbauten in den 50er Jahren stieß auf wenig Zustimmung der Herrschenden. Im Sinne der Schaffung einer Sozialistischen Stadt fielen viele Kirchen und kirchliche Einrichtungen der Abrissbirne zum Opfer bzw. wurden gesprengt. Glücklicherweise nicht alle. So prägen heute „über ein Dutzend mittelalterliche Kirchen der Romantik und Gotik das Stadtbild“ (Quelle: Homepage der Stadt/ Kirchen in Magdeburg).

Magdeburger Dom

Der Magdeburger Dom ist der erste gotisch konzipierte Bau einer Kathedrale auf deutschem Boden, einer der größten Kirchenbauten Deutschlands überhaupt und die bekannteste Sehenswürdigkeit der Landeshauptstadt Magdeburg.

Quelle: Stadt Magdeburg

Die Wuchtigkeit dieser Kathadrale und ihre Präsenz im Raum beeindruckt mich. Dieses Gefühl steigert sich noch, nachdem ich eingetreten bin.

Johanniskirche

ist die älteste Pfarrkirche in Magdeburg mit Wurzeln ins 12. Jahrhundert. Im Januar 1945 wurde sie zerstört. Erst im Jahre 1991 begann der Wiederaufbau, der 1999 abgeschlossen wurde. Sie wird heute vorwiegend als Tagungs- und Veranstaltungshaus genutzt.

Kathedrale St. Sebastian

Die Kathedrale ist der Mittelpunkt des Bistums Magdeburg. 1015 begründet gehört sie zu den ältesten Kirchen Magdeburgs.

„Ökumenische Eintracht“

Über die Jahrzehnte habe ich unzählige Sakralbauten besucht und bestaunt. Nirgends ist mir bewußt die räumliche Nähe beider christlicher Kirchen so aufgefallen wie in der nördlichen Altstadt Magdeburgs. Im Karré des Wallonerbergs im Norden, der Neustädter Straße im Westen, der Straße Altes Fischerufer im Osten und der Grünanlage entlang des Schleinufers im Süden befinden sich die katholische Universitätskirche St. Petri sowie die beiden evangelischen Bauten der Wallonerkirsche sowie der Magdalenenkapelle. Verwundern tut mich das allerdings nicht. Alle dieser Gebäude wurden vor der Reformation errichtet.

Magdalenenkapelle

Den Beginn der Triologi bildet die Magdalenenkapelle. 1315 als Fronleichnamkapelle in hochgotischen Stil errichtet. Sie ist Gedenkort für Mechthild von Magdeburg.

Katholische Universitätskirche St. Petri

Im 12. Jahrhundert als Pfarrkirche des Fischerdorfes Frose errichtet. Mich beeindruckt die Kombination des vom Gründungsbau erhaltenen romanischen Wehrkirchturms mit dem gotischen Kirchenschiff.

Wallonerkirche

Die im 13. Jahrhundert gegründete Wallonerkirche liegt auf dem Areal des ehemaligen Augustinerklosters. Im Zweiten Weltkrieg zerstört begann 1967 der Wiederaufbau. Seit 2015 wird sie von mehreren evangelischen Gemeinden und Einreichtungen genutzt.

Im nicht kirchlich genutzten Teil finde ich eine informative Ausstellung zu den in der DDR-Zeit in Magdeburg gesprengten Kirchen.

Mein kleiner Kirchenspaziergang gibt einen kleinen Eindruck von den sakralen Schätzen, die auf jeden Fall eine Reise nach Magdeburg wert sind.