Forst – ehemaliges „Deutsches Manchester“

Die Stadt im Osten Deutschlands war anno dazumal einer der bedeutendsten Standorte für die Tuch- und Leinenmanufaktur, die vielen Menschen Brot und Arbeit gab. Man nannte die Stadt auch das „Deutsche Manchester“. Die Umbrüche der 1990er Jahre brachten die Textilherstellung zum erliegen.

Voller Neugierde mache ich mich an einem eher trüben Sommertag mit der Regionalbahn auf den Weg an die Neiße. Das letzte Teilstück von Cottbus nach Forst genieße ich zusammen mit einer Handvoll Mitreisender in der „gemütlichen“ Bimmelbahn.

Während die anderen Fahrgäste sich zielstrebig entfernen begebe ich mich auf die Spuren der historischen Industriearchitektur und erhalte nach wenigen Schritten einen ersten Eindruck der damaligen Zeit.

Die Schwarze Jule

Gleich ums Eck erblicke ich den ehemaligen Betriebsbahnhof der Stadteisenbahn, im Volksmund „Schwarze Jule“ genannt. Sie versorgte 73 Jahre lang die Stadt und sorgte für den innerstädtischen Transport der Textilerzeugnisse. 1965 wurde sie stillgelegt.

Viel ist nicht erhalten geblieben. Im Boden sehe ich Teile der Schienenanlagen und verschiedene Funktionsgebäude der damaligen Zeit.

Bevor es ins „Industrieviertel“ im Norden der Stadt geht ist die Stadtkirche St. Nikolai mein nächstes Ziel.

Stadtkirche St. Nikolai

Die Geschichte der Kirche geht zurück auf das 13. Jahrhundert. Der heutige Kirchenbau wurde im 14. Jahrhundert begonnen und erst 1516 „eingewölbt“. Ich lerne, dass der kurfürstlich-sächsische und königlich-polnische Premierminister Heinrich von Brühl in der Gruft in St. Nikolai seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Brühl erwarb in den 40er Jahren des 17. Jahrhunderts die Herrschaften Forst und Pförten (heute Polen) und finanzierte den Wiederaufbau der Stadt nach einem Brand im Jahre 1748.

Kurzer Zwischenstopp am

Haus der Tuchmacher

1930 als Wahrzeichen der Moderne am südlichen Eingang ins Stadtzentrum vom „Fabrikanten-Verein zu Forst“ erbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zunächst Sitz der Stadtverwaltung sowie der Polizei. Danach Sitz der Geschäftsstelle der „Gesellschaft der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft“. Ferner war es das Kreiskulturhaus. Im Volksmund hieß das Gebäude „Kreml“.

Heute wird das markante Gebäude als Musik- und Kunstschule genutz.

Die nächste Stadtion ist die

Stadtmühle (Forster Stadtmühlenwerke)

Die Stadtmühle war eine hochleistungsfähige, städtebaulich bedeutende Anlage, die für die Energie der Tuchfabriken sorgte. Nach 1945 blieb nur noch der markante Mittelbau erhalten. Noch bis 1964 wurde hier klimaneutral Strom erzeugt. Nach einem jahrelangen Stillstand wurde der Betrieb im Jahre 1990 wieder aufgenommen.

Und jetzt tauche ich ein in die Industriearchitektur.

Heizkraftwerk Avellis

Das im nördlichen Industrieqaurtier gelegene Heizwerk ist mehr als nur ein Funktionsgebäude – es ist ein architektonisches „Statement“.

Flyer „Stadgeschichtlicher Bildungspfad Industriekultur“

Gustav Avellis errichtete 1922/23 das Heizkraftwerk in expressionistischer Ziegelarchitektur. Über Dampfleitungen versorgte das Werk die Textilfabriken im Norden der Stadt mit thermischer Energie, die nach Umwandlung in Strom die Maschinen der Tuchfabriken antrieb. 1995 wurde das Heizkraftwerk stillgelegt und steht heute unter Denkmalschutz.

Heizkraftwerk Avellis

Fabrik C.H. Pürschel – Stolzes Zeugnis der Tuchstadt

Hugo Pürschel gründete 1878 die gleichnamige Tuchfabrik. 1924 baute er eine zweite Fabrikanlage in einer Biegung des Mühlengrabens, was einen optimalen Zugang zum Wasser für den Antrieb der Web- und Spinnmaschinen bot. Die Tuchfertigung und der Handel florierte und C.H. Pürschel trug maßgeblich zum guten Ruf der Stadt als „deutsches Manchester“ bei. Die Fabrik hatte Glück und überstand den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschädigt, so dass die Produktion im „VEB Modetuche“ fortgeführt wurde. 1992 war es dann vorbei und „eines der langlebigsten Unternehmen der Forster Tuchindustrie“ machte die Tore zu.

Firma Hänsel & Co. – Eine Forster Innovation setzt sich durch

Oswald Hänsel forschte und „entwickelte ein revolutionäres technisches Verfahren, mit dem man Rosshaar so verzwirrnen konnte, dass ein kontinuierlicher Faden und damit die industrielle Herstellung von Gewebe ermöglicht wurde“ (Zitat aus „Stadtgeschichtlicher Bildungspfad Industriekultur“).

Die Firma kümmerte sich auch um die Aus- und Weiterbildung seiner Nachwuchskräfte. Sport-, Gesangs- und Fotogruppen waren Teil der Ausbildung. Hänsel betrieb eine moderne Betriebsküche und bot Fremdsprachenunterricht an.

Zu DDR-Zeiten war hier ein Depot für die Staatsreserve untergebracht. Nach dem Krieg wurde die Produktion nach Iserlohn verlegt und 2015 eingestellt.

Tuchfabrik Robert Cattien – Fabrik-Schloß im Norden der Stadt

Erbaut in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert gehörte die Tuchfabrik zu den bedeutendsten Textilunternehmen der Stadt. Produziert wurden vorwiegend feine Kammgarnstoffe. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik als Volkseigener Betrieb fortgeführt bis 1992 die Produktion eingestellt wurde. Heute ist das Gebäude Sitz des Landkreises Spree-Neiße.

Tuchfabrik Robert Cattien um 1920 (Quelle: Info-Tafel)

Webschule / Fachschule für Textilindustrie

1885 gründete der Forster Fabrikanten-Verein die Webschule als private Einrichtung. Das Gebäude entstand 1891 und wurde 1911 um einen Neubau in Backstein erweitert. Heute ist der Gebäudekomplex Sitz des Oberstufenzentrums. „Der Lehrplan setzt die Tradition mit seiner Abteilung Textiltechnik und Bekleidung fort“ (Quelle: „Stadtgeschichtlicher Bildungspfad Industriekulur“)

Webschule um 1920 (Quelle: Info-Tafel)

Neiße – Grenzfluss zwischen Deutschland und Polen

Der Lage an einer Furt verdankt Forst seine Gründung um 1265. Hier querte die alte „Salzstraße“, die Mitteldeutschland und Schlesien verband, die Neiße.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs teilt die beschaulich dahin fließende Neiße die Stadt von ihren östlich gelegenen ehemaligen Gebieten. Die 1923 errichtete, ehemals elegante Brücke wurde 1945 zerstört und bisher nicht wieder aufgebaut. Allerdings vermute ich, dass es auf der gegenüberliegenden Seite nur weite Landschaft gibt.

Nach so viel Industrie und Informationen zum Schluß einige Stadtansichten zur Entspannung.

Ein spannender und lohnenswerter Ausflug in die industrielle Vergangenheit geht zu Ende. Wie immer habe ich viele neue Eindrücke mitgenommen.

Dank an die Stadt Forst, deren Flyer viele Infos für meinen Bericht geliefert hat.

Jüterbog – die Stadt zum Anstoß

„Ja, mach nur einen Plan! Und mach dann noch´nen Plan. Gehn tun sie beide nicht!“

Berthold Brecht in seiner Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens

Ursprünglich ist mein Plan, einen Fotoausflug nach Torgau an der Elbe zu machen und ich starte in aller Herrgottsfrühe. Leider habe ich die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Bahn gemacht. Die ausgewählten Verbindungen funktionieren nicht. Also mache ich noch´nen Plan mit Ziel Bitterfeld. Auch dieser geht nicht und ich entscheide mich für Jüterbog. So richtig vorbereitet auf diese Stadt bin ich nicht, aber sehr, sehr neugierig.

Die 1007 erstmals erwähnte Siedlung spielte eine entscheidende Rolle der Reformation. Der bekannte Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Teztel trat im Auftrag des Erzbischofs von Mainz auch in Jüterbog auf und verkaufte erfolgreich Ablassbriefe. Dies war, so die Aussage der Stadt, der Anstoß, der zu Martin Luthers 95 Thesen führte und damit zur Reformation.

Heute wirkt die Stadt im Südwesten des Landes Brandenburg mit ihren rund 12.000 Einwohnern auf mich recht provinziell beschaulich und gemütlich. Positiv überrascht bin ich vom historischen Stadtkern.

Stadtrelief

Meinen Stadtspaziergang beginne ich, wen wunderts, am 1841 in Betrieb genommenen Bahnhof. Er zählt zu den ältesten Bahnhöfen Brandenburgs. Auf dem Bahnhofsvorplatz werde ich von Johanna herzlich begrüßt. Das künsterlerische Ensemble geht auf das gleichnamige Kinderbuch von Klaus-Peter Gust zurück. Leider kann mich Johanna nicht ins Zentrum bringen. Also begebe ich mich auf den rund 20 minütigen Fussweg.

Stadtbildprägend ist die wahrscheinlich 1488 geweihte doppeltürmige St. Nikolaikirche. Leider war ich für eine Besichtigung zu früh vor Ort. Die Kirche, wie andere Sakralbauten auch, öffnet erst am frühen Nachmittag.

Das Zentrum bildet der Markt mit dem 1285 erricheten Rathaus. Es ist ein heraussragendes Zeugnis für Profanbauten. Als Mehrzweckbau wurde es unter anderem auch zum Warenhandel genutzt.

Marktplatz

Der Schmied von Jüterbog ist ein Volksmärchenm, in dem der Schmied falsche Entscheidungen traf und so die Seligkeit verpasste.

Die Liebfrauenkirche war die einzige geöffnete Kirche. Errichtet 1161 im Auftrag des Magdeburger Erzbischoffs Wichmann von Seeburg. Sie ist die zweitälteste Kirche Brandenburgs.

Teile der Stadtmauer mit Wehrtürmen und Stadttoren sind erhalten geblieben.

Sowohl die seit 2005 im ehemaligen Landratsamt untergebrachte Evangelische Grundschule mit Übergang zum ehemaligen Kloster und zur Liebfrauenkirche als auch das 1901 errichtete Goethe-Schiller-Gymnasium fügt sich nahtlos in die historische Architektur der Stadt ein.

Der Abtshof oder auch Stadthof der Äbte des Klosters Zinna. Als spätgotischer Stadtpalast 1480 erbaut. Bis zur Eröfffnung des Kulturquartiers war hier das Regionalmuseum untergebracht.

Das Ende des 15. Jahrhunderts erbaute ehemalige Franziskanerkloster mit Kirchenhaus blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück. Heute ist das Mönchenkloster ein Ort der Kultur und beherrbergt unter anderem die Stadtbibliothek, das Museum und die Stadtinformation.

Kulturquartier Mönchenkloster

Der runde Turm des Zinnaer Tors wurde im 1300 Jahrhundert im unteren Teil aus Feldsteinen errichtet und im oberen Teil um 1480 bis 1490 aus Backsteinen erweitert. Der eckige Turm ist ein spätgotisches Bauwerk.

Zinnaer Tor

An der Ecke Markt und Große Straße fällt das 1913/1914 errichtete Sparkassengebäude auf. Für die Fassade wurden handgefertigte Ziegel verwendet.

Der Sparkasse gegenüber bestaune ich ein schönes Fachwerkhaus.

Der Dominikanermönch und Ablassprediger Johann Tetzel spielt, wie man sehen kann, eine herausragende Rolle in der Stadt. Neben dieser Skulptur erinnern die unweit gelegenen Tetzelstuben an diese Figur. Aus heutiger Sicht könnte man ihn als Trickbetrüger bezeichnen, der den gutgläubigen Menschen das Geld aus den Taschen zog.

Statue des Dominikanermöchs Johann Tetzel

Mit dem abschließenden Blick auf die Schwanenfamilie, die es sich auf den Asphalt gut gehen lässt, verabschiede ich mich von der Stadt. Obwohl nicht vorbereitet, war es ein lehrreicher Ausflug, der mich neugierig macht auf mehr. Auf jeden Fall komme ich wieder zurück, da noch das eine oder andere zu besichtigen ist.

Wikipedia sei Dank für die Textanregungen.

Jahreswechsel an der Ostsee

Dem üblichen Berliner Wahnsinn entfliehend zieht es mich auf der Suche nach Ruhe und Entspannung dieses Silvester erneut an die Ostsee. Diesmal geht es nicht an die polnische Ostseeküste sondern an die westpommersche, zur Hanse- und Universitätsstadt Greifswald. Sie zählt zu den bedeutendsten Städten entlang der Europäischen Route der Backsteingotik. Erste urkundliche Erwähnung 1248 als Besitzung des 1199 gegründeten Klosters Eldena.

Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass nicht alle nachfolgenden Fotos im Winter geschossen wurden. Ein Teil stammt von einem Besuch im Sommer letzten Jahres.

Tag 1

Im Morgengrauen geht es los, die Autobahn ist noch wenig frequentiert und so fährt es sich entspannt nach Norden. In Greifswald angekommen geht es erst einmal zum Hotel am Dom. Dieses Hotel liegt in der Fußgängerzone und ist mit dem Auto nur über einen Umweg erreichbar. Nach einer Ehrenrunde erreiche ich das Hotel, besser gesagt den Parkplatz des Hotels. Obwohl noch Vormittag habe ich das Glück, mein Zimmer bereits beziehen zu können. So kann ich erst einmal in Ruhe frühstücken.

Danach mache ich mich auf den Rundweg um die Altstadt. Immer entlang der ehemaligen Wallanlagen. Die erste Station ist der alte bzw. Museumshafen Ryck.
„Der Greifswalder Museumshafen ist mit seinen mehr als 50 Schiffen der größte Museumshafen Deutschlands. Historische Schoner, Schlepper und Barkassen säumen den Fluss „Ryck“ zu beiden Seiten und erinnern an die Blütezeit der Segelschifffahrt Mitte des 19. Jahrhunderts. Hinweistafeln vor den Schiffen informieren über Schiffstyp, Baujahr und Geschichte. Einige der Schiffe gehen noch auf Fahrt und nehmen Gäste für einen Segeltörn mit an Bord, andere wurden zu Restaurantschiffen umgebaut.“ (Quelle: Greifswald.info).

Auf Höhe des Fangelturms verlasse ich die Hafenpromenade und biege rechts ab in die Wallanlagen. Von hier hat man einen schönen Blick auf die Silhouette Greifswald mit den Türmen von St. Jacobi, St Nicolai und St. Marien. Es geht am Pommerschen Landesmuseum sowie an den Gebäuden der Universität Greifswald vorbei.

Nach Vollendung des Rundgangs, der auch teilweise ein Caspar David Friedrich Rundweg ist, begebe ich mich auf die vergebliche Suche nach dem Caspar David Friedrich Denkmal. Entweder die Hinweisschilder sind missverständlich oder ich konnte sie nicht korrekt interpretieren.

Also entschließe ich mich dem Ruf meines Magens zu folgen und erst einmal zu Mittag zu essen. Hierzu wähle ich das Braugasthaus „Fritz“ am Marktplatz, gegenüber dem Rathaus, aus. Das Backsteingiebelhaus stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Tag 2

Heute treffe ich mich mit meinem in Greifswald geborenen Freund Jörg. Von ihm habe ich mir zu Weihnachten eine Führung durch sein Greifswald gewünscht.

Wir starten bei eisigen Temperaturen beim Lila Bäcker (Vorsicht: Schleichwerbung) bei einem Pott Kaffee und dann geht es gleich los. Gegenüber des Lila Bäckers befindet sich das „Rote Rathaus“, rot wegen der roten Fassadenfarbe. Unten im Rathaus befand sich der übliche Ratskeller. Hier trafen sich Jörg und seine Freunde immer dann, wenn es Staropramen gab. Da dies nicht häufig war und es sich um die sogenannte Bückware handelte beorderte der Wirt die privilegierten Gäste in die Weinstube, wo hinter verschlossenen Türen die Köstlichkeit getrunken wurde.

Gegenüber des Rathauses liegt das Braugasthaus „Fritz“, ehemalige HO-Gaststätte. In rustikaler Atmosphäre werden vorzügliche selbstgebraute Biere angeboten. Etwas zu Essen gibt es auch.

Von hier aus geht es in die hinter dem Markt liegende Brüggstraße, wo sein Kumpel unter‘m Dach wohnte und man sich wiederholt traf. Zu fast jedem Haus wußte Jörg etwas zu erzählen. Hier war Schuster sowieso, hier hatte Onkel Paul sein Geschäft, dort wohnte Lehrer Kruse, dort drüben arbeitete seine Mutter im Reisebüro, an der Ecke hatte Tante weiß ich nicht ihren Uhrenladen usw.

Entlang geht es die Wallanlage, wo die Steppkes rodelten (Anmerkung des Verfassers: Das war anno dazumal, als es noch Winter gab und die Erde von einer weißen, zuckerähnlichen Masse, genannt Schnee, überzogen war). Ein kleiner Abstecher führte zur katholischen Kirche St. Joseph, in deren Kindergarten Jörg seine ersten Jahre verlebte. Vorbei am Schwanenteich, wo man sich zum Schlittschuh laufen traf (heute Teil des Tierparks) ging es der Ryck folgend zum Hafenmuseum, Im Greifswalder Ruderclub zupfte Jörg den Bass.

Von dort geht es zum Mühlentor (von einem Tor war weit und breit nichts zu sehen, da es bereits 1800 abgerissen wurde). Unterhalb des ehemaligen Tores, dessen Lage im Pflaster angedeutet ist, wurde vor wenigen Jahren ein ehemaliges Kellergewölbe entdeckt. Der Zugang wurde wieder verschlossen.

Da sich nach der Wanderung der Magen meldete kehrten wir im Greifswalder Logenhaus zum Lunch ein. 1756 wurde in der damalig schwedischen Stadt Greifswald eine Armeeloge gegründet. Zu Jörgs Zeiten war es bis 1977 das Clubhaus der Universität, danach bis 1989 Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft.

So gestärkt zeigt mir Jörg sein Geburtshaus mit der Wohnung im Dachgeschoss. So manchen Schabernack hat Jörg mit seinen Freunden dort veranstaltet.

Mit dem Auto geht es zur Klosterruine Eldena und von dort zum Fischerhafen Wieck.

Tag 3

Nach diesem wundervollen Erlebnis mit einem Zeitzeugen geht es heute nach einem ausgiebigen Frühstück in die am Strelasund gelegene Hansestadt Stralsund mit ihren beeindruckenden Gebäuden der norddeutschen Backsteingotik.
Auf dem Altmarkt ist sogar noch der Weihnachtsmarkt aufgebaut, der zu früher Stunde noch ein wenig im Dornröschenschlaf liegt.
Platz bestimmend sind das Alte Rathaus sowie die Nikolaikirche, beide im Stil der norddeutschen Backsteingotik.
„Die Schaufassade des alten Rathauses ragt seit Jahrhunderten meterhoch in den Stralsunder Himmel und ist so zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Der bedeutendste Profanbau der deutschen Ostseeküste lässt uns heute noch Ruhm und Reichtum der Hansezeit erahnen. Die Anfänge des Baus gehen bis in das 13. Jahrhundert zurück.“ (Quelle: Homepage der Stadt Stralsund).



Ich wende mich der beeindruckenden St. Nikolaikirche zu, die auf das 13. Jahrhunder zurückgeht. Sie ist die älteste der drei Stadtkirchen und zieht mich mit ihrer Größe und ihrem, für einen evangelische Kirchenbau ungewöhnlichen, Reichtum in den Bann.

Nach diesem Genuss gehe ich durch den reizvollen barocken Galeriegang des Rathauses zur Einkaufsstraße

und schlendere dieser Straße entlang zum Neuen Markt und damit zur St. Marienkirche. Die größte Pfarrkirche Stralsunds wurde 1328 erstmals urkundlich erwähnt. Sie ist die jüngste Backsteinbasilika des Ostseeraums. Innen beeindruckt der Kirchenbau mit seiner Größe und ist nach der Danziger Marienkirche die größte Backsteinkirche im Hanseraum. 

An der Hafeninsel liegt das 1933 bei der Hamburger Werft Blohm+Voss gebaute ehemalige Segelschulschiff Gorch Fock I. Ab 1950 segelte das Schiff als Segelschulschiff der russischen und ab 1991 der ukrainischen Handelsmariene. 2003 kaufte ein gemeinnütziger Verein das Schiff und brachte es nach Stralsund zurück.
Sie hat nichts mit der in die Schlagzeilen geratene Gorch Fock der Bundesmarine zu tun. Gorch Fock ein bekannter Schriftsteller aus Finkenwerder, der unter diesem Pseudonym unter anderem „Seefahrt ist Not“, eine Geschichte einer Fischerfamilie aus Finkenwerder, geschrieben. Mit diesem Werk wurde Rudolf Kienau, wie sein bürgerlicher Name lautet, bekannt.
Mit der Besichtigung dieses geschichtsträchtigen Schiffes endet mein Ausflug nach Stralsund und es geht wieder zurück nach Greifswald.

Den Nachmittag nutze ich zur Besichtigung des Doms St. Nikolai sowie der St. Marienkirche in Greifswald.
St. Nikolai ist das Wahrzeichen der Stadt und ist dem Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute gewidmet.

Die evangelische St. Marien-Kirche, im Volksmund Dicke Marie genannt, ist die älteste der drei großen Kirchen in Greifswald.

Heute finde ich auch das Caspar Davi Friedrich Denkmal. Caspar David Friedrich wurde 1774 in Greifwald geboren und gilt als berühmtester Maler und Zeichner der Deutschen Früh-Romantik.

Tag 4

Es ist ein schöner, sonniger Silvestertag. Bestens geeignet für einen Spaziergang entlang der Ryck nach Wieck, einem kleinen ehemaligen Fischerdorf an der Mündung der Ryck in die Dänische Wieck, einer Bucht des Greifwalder Boddens. Wieck ist eine beliebter Ausflugsort für die Greifswalder und die Touristen und hat heute rund 470 Einwohner. Zur Belohnung für die „Strapaze“gönne ich mir eine Wiecker Fischsuppe und eine Kutterscholle bevor es per Bus wieder zurück nach Greifwald geht.

Bekannte Wiecker Zugbrücke

Tag 5 – Rückfahrt

Voller schöner Eindrücke und mit vielen geschossenen Fotos mache ich mich auf den Weg zurück nach Hause. Unterwegs ein kurzer Abstecher zur „Windmühlenstadt“ Woldegk und ich nehme mir vor, hier im Frühjahr nochmals vorbeizuschaue um die sechs Windmühlen, die der Stadt ihren Ehrennamen geben, zu besichtigen.